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Sparen oder ausgeben? Wenn Paare über Geld streiten

Handtasche oder Haushaltskasse? Kronen oder Kanaren? Fünf Männer und fünf Frauen sprechen mit der BRIGITTE über den finanziellen Zündstoff in ihrer Beziehung.

Kühlschrank oder Israel?

Matthias Kobrow, 29, studiert Soziologie: "Der finanzielle Spielraum kam mit dem Weihnachtsgeld. Und für mich stand von Anfang an fest: Flugtickets nach Israel. Nur Jule und ich. Endlich. Ich suchte im Internet gerade nach billigen Flügen, als Jule über meine Schulter lugte: ,Wäre ein neuer Kühlschrank nicht vernünftiger?' Baff! Eben hatte ich noch sonnige Israel-Bilder geklickt - und meine Freundin sorgt sich um Eiswürfel! Ich dachte: ,Wenn du nicht willst, fliege ich eben mit einem Freund. Kühlschrank. Kannst dir ja ein paar Fischstäbchen heiß machen.' Im Nachhinein sage ich: Gut, dass ich auf Jule gehört habe. Es kamen nämlich noch Studiengebühren, die ich ganz verdrängt hatte. Und Israel? Mal sehen. Gestern habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen. Der Hauptpreis: eine Woche Jerusalem!"

Juliane Wegner, 25, studiert Soziale Arbeit: "Diesen monströsen Uralt- Kühlschrank habe ich wirklich gefressen! Wenn er mal nicht tropft, ist er vereist; er brummt und braucht zu viel Platz in der Küche. Und dann diese Stromkosten. Neulich mussten wir nachzahlen, 223 Euro für fünf Monate! Matthias interessiert das alles wenig. Er liebt Reisen. 37 Länder hat er bislang bereist und auf unserer Weltkarte im Flur markiert. Dass ausgerechnet sein Traumziel Israel noch keinen roten Aufkleber hat, wurmt ihn gewaltig. Ich aber finde: Mit einem A++-Kühlschrank können wir viel Geld für künftige Urlaube sparen. Und Israel läuft schon nicht davon."

Handtasche oder Haushaltskasse?

Melanie Polder, 28, Bürokauffrau: "Sie ist schwarz, groß und praktisch - meine Sporttasche. Darin schmuggle ich meine Einkäufe in die Wohnung. Das schwarze Kleidchen etwa, von dem auch der Verkäufer meinte, es wäre eine Sünde, es hängen zu lassen. Ich gebe im Monat etwa 200 Euro für Klamotten aus. Das findet Silvio total überzogen. Dabei verdienen wir beide gut. Wenn wir über Geld reden, hört sich Silvio immer so an, als ob er mich zum Sparen erziehen will. Und irgendwie hat er ja auch recht. Trotzdem, spätestens bei einer coolen Jeans vergesse ich den Traum vom Eigenheim. Silvio hat sich neulich drei Depeche-Mode-Tickets gekauft. Drei! Für Konzerte in Frankfurt, München und Hamburg. Vernünftig ist das auch nicht, oder?"

Silvio Marquardt, 35, Kraftfahrzeug-Feinmechaniker: "Für mich sind Melanies rote Pumps ein rotes Tuch. Vor drei Tagen habe ich das Paar ungetragen im Schrank entdeckt. Dabei erinnere ich mich noch an ihre Worte vor sechs Monaten: ,Schatz, die brauche ich ganz dringend.' Von wegen! Jetzt haben wir 220 Euro weniger auf dem Konto, aber ein Paar ungetragene Schuhe mehr im Schrank. Schon öfter haben wir No-Shopping-Wochen vereinbart. Aber Melanie hat sich nie dran gehalten. Schlimm ist, wenn ich mal vor ihr zu Hause bin. Melanie kommt dann rein, beseelt vom Shopping, mit Glanz in den Augen. Mich dagegen nervt der bloße Anblick dieser ganzen Tüten. Unser Streit läuft immer gleich ab: Ich spreche von zielgerichtetem Einkaufen. Sie weiß nicht, was das sein soll. Ich frage, was an der fünfzigsten Handtasche toll sein soll. Sie fühlt sich unverstanden. Trotzdem bin ich glücklich: Schließlich hätte es mich weit schlimmer treffen können - Melanie könnte unser Geld ausgeben und dazu auch noch einen schlechten Geschmack haben."

Aktien oder Garageneinfahrt?

Dany Etienne, 34, Englisch- und Deutschlehrer: "Wenn Sophie mich anschreien würde, fände ich das nicht gut. Ich kann doch nichts dafür. Die Krise an den Aktienmärkten konnte wirklich niemand vorhersehen. Jetzt sind rund 70 Prozent vom Ersparten weg, etwa 18 000 Euro. Es schien alles so verdammt sicher. Und da habe ich Geld, das schon für unsere Garageneinfahrt verplant war, genommen - und verloren. In letzter Zeit fragt Sophie häufiger nach. Warum ich so lange joggen war. Warum ich so ruhig bin. Manchmal behaupte ich dann, es sei nichts, ich sei nur müde. Am nächsten Tag, wenn noch mal 1000 Euro weg sind, bin ich wieder müde. Dann muss ich entweder gewinnen oder es ihr erzählen. Lügen nützt ja nichts. Sophie schreit nicht, aber die Luft wird dick. Und es kommt zu diesen verdorbenen Fernsehabenden. Abende, an denen nur die Schauspieler reden."

Sophie Depoterre, 35, Englischlehrerin: "Ich versuche, nicht an das verspielte Geld zu denken. Dany denkt ja schon genug daran. Er sagt zwar nichts, aber ich spüre das. Sicher, man kann sagen, dass ich es mir leicht mache und ihm die ganze Verantwortung zuschiebe. Trotzdem, wenn ich mich jetzt verantwortlich fühlen müsste, fände ich das unfair. Als die Bankenkrise in den Medien auftauchte, habe ich Dany gefragt, ob wir da betroffen seien. Dany hat nicht geantwortet. Also habe ich noch mal gefragt. Da wurde Dany wütend. Warum ich zweimal fragen würde, hat er gesagt und dann von verrückter Börse erzählt. Jetzt bin ich vorsichtiger. Ich versuche alles, damit die Aktiengeschäfte sich nicht zwischen uns drängen. Wenn wir fernsehen und ein Beitrag über die Börse läuft, bin ich ganz still. Ich schalte nicht um, spreche nicht darüber und hoffe, dass bald ein anderes Thema kommt."

Kronen oder Kanaren?

Roger Geffert, 47, Jurist: "Katja schmiedet gern Pläne mit Geld, das wir nicht haben. Und mein undankbarer Job besteht dann darin, diese Pläne zu vereiteln. Fast jeden Herbst gibt es die gleiche Diskussion. Katja schaut aus dem Fenster, befindet, dass ihr das alles hier zu kalt und zu nass sei, und verliebt sich in die Idee, im Februar - nur mal kurz - auf die Kanaren zu fliegen. Wenn wir jetzt schon buchen, würden wir Rabatt bekommen. Nebensaison sei so günstig. Ja, ja. Schon richtig. Nur: Aus der Position Null heraus oder sogar Minus (ich meine jetzt unser überzogenes Girokonto) hilft das auch nichts. Wir haben zwar kein schlechtes Einkommen, aber leider auch hohe laufende Ausgaben: ein eigenes Haus, zwei Autos, in letzter Zeit teure, aber notwendige Extras wie Zahnreparaturen, wenn möglich, einen Sommerurlaub. Mehr ist nicht drin, egal, was es kostet! Mir bleibt also nichts anderes übrig, als Nein zu sagen. Und schon finde ich mich in der undankbaren Rolle des Träume-Zertramplers wieder."

Katja Klein, 43, Juristin: "Klar weiß ich, dass unser Budget eng ist. Deshalb war ich auch nicht sauer, dass Roger die Kanaren abgelehnt hat. Sauer gemacht hat mich, dass Roger gleich zu allem Nein gesagt hat. Da fühle ich mich abgekanzelt. Er hätte ja auch sagen können: ,Gute Idee, aber die Kanaren sind zu teuer. Lass uns mal überlegen, was wir uns eher leisten können.' Ich glaube, Roger hat Sorge gehabt, wenn er mir nur den kleinen Finger reicht, buche ich sofort den ganzen Urlaub. Aber das hätte ich nicht getan. Ich bin nur etwas unbekümmerter als Roger. Wenn wir zum Beispiel Geld aus einer Rückzahlung erwarten, dann kauf ich mir schon mal was davon, bevor der Betrag eingegangen ist. Wenn unser Konto in dem Moment gerade überzogen ist, kostet das natürlich Zinsen, das weiß ich. Aber da geht es eben nicht wirklich um die paar Euro Zinsen - da geht es ums Prinzip. Bei ihm."

Kunst oder Kopfschmerzen?

Frank Schlegel, 41, Sozialpädagoge: "Als ich Ute kennen lernte, verdiente sie mehr als ich. Neben ihrem Kunststudium hatte sie fünf verschiedene Jobs, unter anderem als Layouterin. Das hat mir sehr imponiert. Doch kaum kam Anton auf die Welt, holte uns das alte Rollenmuster ein. Utes Zeitverträge waren wegen ihrer Schwangerschaft nicht verlängert worden. Und auf einmal war ich der Alleinversorger der Familie. Dabei hatte ich mir von Ute gewünscht, dass wir uns beide gleichberechtigt um Kindererziehung und Geldverdienen kümmern. Dann kam das Angebot, dass Ute die Lohnbuchhaltung einer Veranstaltungsfirma übernehmen sollte. Festanstellung! Finanzielle Sicherheit! Ich hätte sofort meine Stunden reduziert und mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen wollen. Aber sie sprach von Kunst, von innerer Freiheit. Und lehnte den Job ab. Da war ich echt genervt. Es ist ja schön, dass ich eine Malerin zur Frau habe, aber muss das auf meine Kosten gehen? Trotzdem habe ich ihre Entscheidung akzeptiert. Ich möchte ja auch keine frustrierte Ute haben, die abends mit Kopfschmerzen nach Hause kommt."

Ute Kühn, 44, Künstlerin: "Plötzlich saß ich mit meinem Wunschkind zu Hause und war zum ersten Mal in meinem Leben von einem Mann finanziell abhängig. Früher habe ich auch mal den teuren Bio-Aufschnitt oder Fairtrade-Espresso gekauft. Wenn Frank gezuckt hat, habe ich entgegnet: Wieso? Es ist doch auch mein Geld. Jetzt habe ich stets im Hinterkopf: Bedenke liebe Ute, es ist sein Geld, das du ausgibst. Sein Geld. Kann ich da noch ruhigen Gewissens meine Lieblings-Orangenschokolade kaufen? Auch dann, wenn er Orangenschokolade nicht ausstehen kann? Kein schönes Gefühl. Ich arbeite doch auch, nur verdiene ich damit eben sehr wenig Geld. Er fragt: Warum können wir uns keine größere Wohnung leisten? Dass ich Kunst mache, zählt für ihn nicht. Er sagt: Du arbeitest nicht! Nur Arbeit, die Geld bringt, erkennt er als Arbeit an. Als ich den Job als Lohnbuchhalterin abgelehnt habe, war er sauer. Ich habe zu Frank gesagt: Wenn ich das mache, werde ich krank. Ich bin keine Lohnbuchhalterin, ich bin Künstlerin. Zurzeit mache ich ein Coaching für Künstler. Denn ich will unbedingt mit meiner Kunst Geld verdienen."

Protokolle: Elke Polomski, Heike Platow, Anna Zeitlinger, Georg Cadeggianini, Katja Jührend Fotos: Tim Kubach, Daniela Lilienthal, Getty Imagees Ein Artikel aus der BRIGITTE 03/09

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    So lange eine Frau von ihrem eigenen Geld einkauft,mache ich mir darüber keine Gedanken.

    Bin ohnehin dafür,wo beide arbeiten,dass jeder für sich sein Geld selbst verwaltet

    und für die Wohnung bzw. für den täglichen Bedarf zahlt jeder in die Haushaltskasse seinen Anteil.

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