Trennung: Wie sag ich's ihm?

Wie sage ich ihm, dass es aus ist? Und was passiert nach der Trennung? BRIGITTE sprach mit dem Psychotherapeuten Hans Jellouschek.

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Brigitte.de: "Ich trenne mich!" Kann das ein einsamer Beschluss sein, oder sollte man den Partner vom ersten Zweifel an einbeziehen?

Hans Jellouschek: Vom ersten Zweifel an sicher nicht. Aber wenn Trennung eine ernsthafte Frage wird, muss man dem Partner eine faire Chance geben, darauf zu reagieren, damit sie nicht wie der Blitz aus heiterem Himmel kommt.

Brigitte.de: Aber Männer verdrängen Probleme oft, selbst wenn die Frau versucht, darüber zu reden. Und tun dann so, als käme die Trennung plötzlich.

Hans Jellouschek: Das stimmt, Männer neigen dazu, die Signale ihrer Partnerinnen zu ignorieren, solange es irgend geht. Andererseits scheuen viele Frauen die echte Konfrontation. In ihnen staut sich so viel Unzufriedenheit, bis sie eines Tages beschließen: "Es ist aus." Dabei wäre es gut, wenn sie rechtzeitig klar machten: "Wenn das so weitergeht, trenne ich mich." Oft brauchen Männer diesen Knalleffekt, um den Ernst der Lage zu begreifen. Und sind dann auch bereit, an sich und der Beziehung zu arbeiten. Das darf natürlich keine Routine werden: Wenn die Beziehung sich nach solch einem starken Signal nicht dauerhaft verbessert, könnte eine Trennung der richtige Schritt sein.

Brigitte.de: Der, der verlässt, fügt eine Verletzung zu. Ihn plagen Schuldgefühle. Zu Recht?

Hans Jellouschek: Das Thema Trennung muss nach einer längeren Beziehung angesprochen worden sein, bevor ich sie vollziehe. Andernfalls ist es kein Wunder, wenn der andere unkalkulierbar reagiert – und berechtigt, wenn ich Schuldgefühle und Angst vor seinen Reaktionen bekomme. Wenn ich jedoch nach ernsthafter Auseinandersetzung zu dem Schluss komme, dass ich mich trennen muss, weil ich sonst auf der Strecke bleibe, kann ich mir klar machen: Es gab keine bessere Alternative. Im Leben kommt man nicht darum herum, anderen weh zu tun. Das kann mir Leid tun, aber ich muss mich deshalb nicht schuldig fühlen.

Brigitte.de: Tun wir aber meist trotzdem. Vor Sätzen wie "Du hast mein Leben zerstört!" oder "Ohne dich werde ich nie wieder glücklich!" fürchten wir uns.

Hans Jellouschek: Das sind schlicht Übertreibungen, von denen man sich nicht irritieren lassen sollte. Wenn die Beziehung wirklich nur noch destruktiv ist und sich nicht in konstruktive Bahnen lenken lässt, ist es für alle Beteiligten, auch die Kinder, besser, sie aufzulösen. Dem anderen Schmerz zuzufügen ist nicht gleichbedeutend mit "zerstören". Jeder hat die Fähigkeit, eine Trennung zu überleben und sie als Chance zu nutzen.

Brigitte.de: Kann man sich auf ein Trennungsgespräch vorbereiten?

Hans Jellouschek: Der Verlassene wird sich zwangsläufig angegriffen fühlen, aber ich sollte eine Haltung verinnerlichen, die den anderen nicht zusätzlich entwürdigt: Ich darf ihn nicht heruntermachen, um meine Position zu stärken. Stattdessen soll ich von mir, meinem Entschluss, meinen Gründen sprechen. Also "Ich-Botschaften" senden und sinnlose Eskalationen vermeiden.

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  • Interview: Julia Karnick
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