Brigitte.de: Gibt es typische männliche Reaktionsmuster auf eine Trennung?
Hans Jellouschek: Manche Männer machen ein Pokerface und verdrängen den Schmerz. Aber oft brechen sie auch, für die Partnerin überraschend, zusammen. Die Diskrepanz hinsichtlich der gezeigten Gefühle vor und nach der Trennung ist bei Männern größer als bei Frauen: Im Bewusstsein der Männer steht die Beziehung oft mehr im Hintergrund. Trotzdem sind sie manchmal stärker darauf angewiesen als Frauen, deren soziales Netz viel stärker ist. Darum ist die Quote derer, die nach einer Trennung sich selbst oder anderen Gewalt antun, unter Männern viel höher als unter Frauen.
Brigitte.de: Und wenn ich befürchte, dass mein Partner gewalttätig wird?
Hans Jellouschek: Wenn es zu dieser Befürchtung tatsächlich Anlass gibt, müssen die Gefährdeten Schutzmaßnahmen ergreifen: zum Beispiel vorübergehend zu Verwandten oder Freunden ziehen oder auch das Frauenhaus aufsuchen.
Brigitte.de: Wie befreit man sich von jemandem, der nicht freiwillig geht? Der darauf beharrt: "Ich weiß, dass du mich immer noch liebst!"
Hans Jellouschek: Vielleicht ist es zunächst doch ganz sinnvoll, einen Augenblick zu überlegen: Wenn dem anderen die Beziehung so wichtig ist, dass er jetzt so reagiert – gäbe es nicht doch vielleicht einen Weg miteinander? Wenn noch Hoffnung besteht, könnte ich Bedingungen stellen, unter denen ich vorerst bereit bin, weiterzumachen, zum Beispiel, miteinander in eine intensive Paartherapie zu gehen, um die Beziehung auf eine neue Basis zu stellen. Wenn ich aber ganz sicher bin, dass die Beziehung für mich zu Ende ist, gibt es nichts anderes, als den Schritt dem anderen gegenüber als endgültig zu vertreten.
Der Theologe, Psychotherapeut und Autor Hans Jellouschek, 64, lebt und arbeitet bei Tübingen. Bücher von ihm: "Beziehung und Bezauberung" (19,90 Euro, Kreuz Verlag) und "Warum hast du mir das angetan? Untreue als Chance" (8,90 Euro, Piper) u.a.













