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Wer in Deutschland ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringt, muss sich wappnen gegen Mitleid und Unverständnis. Wer eines adoptiert, ist ein absoluter Einzelfall. In den USA dagegen warten über 220 Paare sehnsüchtig darauf, ein solches Kind bei sich aufzunehmen. BRIGITTE-Autorin Stefanie Hellge wollte wissen, warum.
Megan war ein Wunschkind. Entstanden durch künstliche Befruchtung, in der Hoffnung der Eltern, mit einer Tochter das Familienglück komplett zu machen. Als die Ärzte ihnen nach der Geburt sagten, dass das Baby das Down-Syndrom hat, war der Vater entsetzt. Das viele Geld für die Behandlungen, die vielen Untersuchungen, die hohe körperliche und seelische Belastung - und nun: ein behindertes Kind. Er wollte seine Tochter nicht einmal ansehen. Megans Mutter entschied, das Mädchen zur Adoption freizugeben. Der einzige Liebesdienst, den sie ihrer Tochter erweisen konnte, war die Suche nach den bestmöglichen Eltern für ein Kind mit einem Herzfehler und einer unsicheren Prognose für die Zukunft. So fand sie Robin Steel.
Die 58-Jährige sucht nach neuen Eltern für ungewollte Kinder mit Down-Syndrom. Sie leitet das "Adoption Awareness Programm" der Down Syndrom Association von Cincinnati, Ohio. Bei ihr sind Familien aus ganz Amerika registriert, die sich explizit ein Kind mit Down-Syndrom wünschen. Robin sucht aus ihrer Datei passende Familien heraus und gibt bei Interesse Telefonnummern und E-Mail-Adressen weiter. Die Adoption selbst läuft dann über eine offizielle Adoptionsagentur.
So bekam Megans Mutter die Telefonnummer von Familie Dibitetto aus Beaverfalls, einer Kleinstadt in Pennsylvania. Beim ersten Telefonat der Mütter haben beide viel geweint. Megans Mutter erzählte Kristyn Dibitetto, 38, dass sie ihre Tochter am liebsten behalten würde, aber es nicht ginge, weil der Vater in Megan nichts weiter als eine Fehlinvestition sah.
In den USA werden 85 Prozent aller Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. In Deutschland sind es 90 Prozent. Dass jemand freiwillig die Verantwortung für ein Kind mit Down-Syndrom übernimmt - für ein Kind, das nicht sein leibliches ist -, kommt in Deutschland extrem selten vor. Zu groß ist die Angst, damit am Rand der Gesellschaft zu stehen.
Doch in Robin Steels Datei gibt es zur Zeit über 220 Familien, für die das Leben mit einem solchen Kind das größte Geschenk ist. Kristyn und Frank Dibitetto, 45, hatten bereits drei leibliche Kinder, als Baby Megan vor sieben Jahren von Kalifornien zu ihnen nach Pennsylvania zog.
Kristyns Leben hatte sich schon immer um behinderte Kinder gedreht. Seit ihrem zehnten Lebensjahr arbeitete sie bei den Special Olympics, damals nahm ihre Mutter sie zum ersten Mal zu einer solchen Veranstaltung mit. Außerdem war sie viele Jahre Schwimmtrainerin behinderter Jugendlicher. Schon mit 16 beschloss sie, eines Tages ein Kind mit Down-Syndrom zu adoptieren. Es wurden drei. Heute leben neben den leiblichen Kindern Kayty, 18, Amy, 15 und Jake, 13, auch Megan, 7, Allysha, 6, und Emily, 3, in der Familie.
Robin Steel sagt, dass das typisch ist für Adoptivfamilien. Die meisten haben bereits ein leibliches Kind mit diesem Gendefekt oder eins in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis. "Das sind keine Leute, die aus einer Laune heraus was Gutes tun wollen", sagt Robin. "Sie haben alle bei einer Adoptionsagentur den kompletten Anmeldevorgang durchlaufen, inklusive der vorgeschriebenen Hausbesuche, der Offenlegung der Verhältnisse und so weiter. Diese Leute wissen in der Regel ganz genau, worauf sie sich einlassen."














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am um
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JoLou
am 20.09.11 um 10:07
Einfach nur Danke für diesen Artikel!!!!!!
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Downiemami
am 13.09.11 um 17:27
Lustig, ich bin auf den Artikel gestoßen, weil ich mir dachte, vielleicht adoptieren wir mal irgendwann ein Kind - aber eines mit Downsyndrom. Unser drittes Kind ist ein "Downie" und - da stimmen alle gesellschaftlichen Voruteile - der reine Sonnenschein. Ich habe nie zuvor ein so liebes und fröhliches Kind erlebt (und so geht es eigentlich allen, die ihn kennenlernen). Zu denken, dass fast 98 % (so viele sind es nämlich laut neuen Zahlen) in unserer Situation einen Menschen mit so viel Lebensfreude und sozialer Intelligenz abtreiben, weil er nicht den ERwartungen an ihr Kind entsprechen, stehe ich dem mit Fassungslosigkeit gegenüber.
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Tatzi
am 25.04.09 um 11:53
Guter Artikel, der die deutsche Wirklichkeit sehr gut beschreibt. Unser Sohn wurde letztes Jahr geboren und hat das Down-Syndrom. Wir wussten das bereits während der Schwangerschaft. Er war uns immer willkommen, denn er ist zuerst einmal unser Sohn, glücklich, fröhlich, neugierig und sehr liebenswert. Wenn uns Menschen mit Behinderungen als Problem erscheinen, nehmen wir uns (jeder einzelne der Gesellschaft) wohl oft ein bißchen zu wichtig. Was machen wohl Eltern, die ein behindertes Kind abtreiben, wenn sie ein "gesundes" Kind gekommen, das dann später im Leben durch Krankheit oder Unfall behindert wird? Werfen sie es dann auch weg oder haben es weniger lieb?
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HeikeB
am 23.04.09 um 00:52
Toll, wie die beschriebenen Familien sich engagieren. Wirklich ein guter Artikel - und gibt einem zu denken.
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ulcari
am 21.04.09 um 21:16
Also ich habe 10 normale Kindergärten anfragen müssen um meinen Sohn dort unterzubringen.
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Sus08
am 21.04.09 um 13:00
@Kletterpflanze: Die USA haben eine erheblich höhere Anzahl Geburten pro 1000 Einwohner als Deutschland (fast doppelt so hoch). Hinzu kommt die geringere Quote von Abtreibungen, auch wenn es nur 5 Prozent Unterschied sind.
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kletterpflanze
am 20.04.09 um 21:39
Merkwürdig, die hohe Anzahl der Down-Kinder in den USA im Vergleich zu Deutschland, wenn man die Bevölkerungszahl der beiden Länder als Maßstab zugrunde legt. Kann das jemand erklären?
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10954
am 19.04.09 um 12:33
Mit jedem zweiten Artikel, den ich hier lese, verstehe ich das Verhalten und die Einstellungen meiner Verwandtschaft in Deutschland ein bischen besser. Und die Tatsache, dass man gewisse urdeutsche Ansichten niemalsnie aendern kann und wird. Ich wuenschte nur, ich haette dieses Wissen vor 4 Jahren gehabt. Da haette es mir am meisten genuetzt.
mehr (8)Jeder Bericht, jedes Bild, jeder artikel mit oder über DownSyndrom rückt diese Menschen einen winzigen Schritt weiter in die Mitte der Gesellschaft an deren Rand sie immer noch stehen.
Auch ich versuche mit Schubsen den Platz in der Mitte zu erreichen, meine Tochter ist eine der wenigen Kinder mit DS die zur Welt kommen durften.
Aber tatsächlich, die deutsche (und hier insbesondere die bayrische) Infrastruktur tut ihr Bestes, die nicht zu ändern. Auch unser Sonnenschein, der vollkommen gesund und fast normal entwickelt ist, wurde nie "besehen", sondern immer telefonisch sofort als Integrationskind eingestuft - das hieß meist, kein Platz, denn integrative Plätze sind rar
Aber es lohnt sich für mehr Toleranz und Akzeptanz jeden Tag einzustehen. Da halte ich es schon immer, wie "Ulcari" schreibt: nicht unterkriegen lassen!
Grüße an alle
Die meisten haben uns an spezielle Einrichtungen verwiesen ohne sich auch nur ein einziges mal die Mühe zu machen ihn kennen zu lernen.
Nun mit viel Mühe findet man dann doch Leute die so denken wie ich und so haben wir einen NORMALEN Kindergarten für meinen nicht der NORM entsprechenden Sohn gefunden.
Aber wie heisst die Devise...nur nicht unterkriegen lassen.
Übrigens ...mein Sohn hat Down Syndrom ...ein liebenswerter unkomplizierter lebenslustiger Kerl...ich bin stolz auf ihn und erfreue mich jeden Tag daran ...das er so ist wie er ist einfach ein bisschen anders aber gesellschaftsfähig.
LG
Ulcari
Ansonsten bedarf es hierzulande wirklich noch enormer Anstrengungen, um ein Miteinander der verschiedensten Gruppen bereits ab dem Kindergarten zu fördern.