Sobald in Deutschland über Pro und Contra unseres Schulsystems diskutiert wird, kochen auf allen Seiten die Emotionen hoch. Wir haben mit dem Bildungsökonomen Prof. Dr. Ludger Wößmann gesprochen - einem Experten, der sich auf Fakten beruft. Das BRIGITTE-Interview.
BRIGITTE: Professor Wößmann, als Wirtschaftswissenschaftler betrachten Sie die Dinge nüchtern. Trotzdem schreiben Sie in Ihrem Buch, Sie seien wütend darüber, wie in Deutschland die Schuldiskussion geführt werde.
Ludger Wößmann: Mich macht wütend, dass die Schuldiskussion als Spielfläche für ideologische Grabenkämpfe genutzt wird. Dabei ist die Frage nach einer guten Schule keine Glaubensfrage, sondern eine sehr reale Frage, bei der es um reale Kinder geht: Unter welchen Bedingungen lernen sie am besten? Darüber braucht man nicht zu philosophieren, wir verfügen über genug Daten, um das zu beantworten. Wenn wir uns weiter gegenseitig die Köpfe einschlagen, statt uns an Fakten zu orientieren, werden wir nie Lösungen finden, die unseren Kindern wirklich weiterhelfen.
BRIGITTE: Kritiker werfen Ihnen vor, Bildung sei ein Thema, das man nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive betrachten darf.
Ludger Wößmann: Als Wirtschaftswissenschaftler kann ich feststellen, welche Schulreformen aus ökonomischer Sicht sinnvoll wären und welche nicht. Dann kann man darüber diskutieren, ob diese Sicht die einzig wichtige ist. Aber wenn wir wollen, dass unsere Kinder eine gute Zukunft vor sich haben, dass sie Arbeit finden, dass möglichst wenig Menschen am Existenzminimum leben müssen, müssen wir die wirtschaftliche Perspektive in die Diskussion mit einbeziehen. Ein entscheidender Faktor wird sein, ob es uns gelingt, eine gut qualifizierte Bevölkerung hervorzubringen. Das klappt nur mit einem guten Bildungssystem.













