Intersexualität: Wie sollten Eltern sich verhalten?

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BRIGITTE: Aber bis es soweit ist, bekommt jeder mit, dass das Kind anders aussieht.

Dr. Hertha Richter-Appelt: Für Kinder ist das häufig weniger schlimm als für die Eltern. Besonders die Erwachsenen müssen aufgeklärt werden, wie sie mit der Situation am besten umgehen.

BRIGITTE: Wie oft kommt es vor, dass Kinder, die operiert wurden, später das Gefühl haben, im falschen Körper zu leben?

Dr. Hertha Richter-Appelt: Es gibt viele intersexuelle Menschen, die mit dem, was mit ihnen gemacht wurde, unzufrieden sind. In den seltensten Fällen äußern sie jedoch den Wunsch, sich umoperieren zu lassen. Viele hätten einfach gern einen unauffälligeren Körper, sie klagen beispielsweise über breite Schultern, Brüste, große Füße oder einen stämmigen Körperbau. Diese Menschen hadern damit, überhaupt betroffen zu sein.

BRIGITTE: Gibt es so etwas wie ein drittes Geschlecht, eine Zwitteridentität?

Dr. Hertha Richter-Appelt: Es gibt Menschen, die sagen, sie fühlen sich dazwischen. Sie möchten weder als Mann noch als Frau bezeichnet werden und fordern die Einführung eines dritten Geschlechts. Ich folge dem nicht, weil es so viele unterschiedliche Gründe dafür gibt, warum ein Mensch intersexuell auf die Welt gekommen ist, jeder von ihnen fühlt etwas anderes und sieht sich anders. Wenn man jede einzelne Konstellation einem speziellen Geschlecht zuordnen würde, wären wir bei sieben oder noch mehr Gruppen. Generell kann man sagen: Ein intersexueller Mensch bleibt ein Leben lang beides, bei manchen ist das ausgeprägter, bei anderen nur ganz leicht zu merken. Denn egal, wie die Geschlechtsorgane und der Körper dieses Menschen aussehen oder was mit Operationen und Hormonen bewirkt wurde - auch das Gehirn spielt beim Thema Geschlecht eine wichtige Rolle. Und an dem kann man nichts ändern.

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  • Artikel vom 28.12.2009
    Interview: Katrin Schmiedekampf
    Foto: Getty Images
    BRIGITTE 02/10
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