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Mehr Lust auf Kinder - aber später

BRIGITTE.de: Woran liegt das denn?

Michaela Kreyenfeld: Vermutlich hängt das damit zusammen, dass die jungen Frauen vielleicht langsam mal von den familienpolitischen Veränderungen profitieren. Gerade in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also zum Beispiel in der Kinderbetreuung, hat sich einiges getan in letzter Zeit. Für die meisten Frauenjahrgänge war das ja wirklich ein Dilemma, ein Entweder-Oder, sich zwischen Karriere und Kindern zu entscheiden.

BRIGITTE.de: Welches Ihrer Ergebnisse hat Sie am meisten erstaunt?

Michaela Kreyenfeld: Die Trendwende hat mich schon erstaunt. Ich bin eigentlich immer sehr vorsichtig und stelle nicht gern Prognosen, aber da scheint sich tatsächlich was abzuzeichnen. Was mich auch erstaunt hat, ist dass die Familiengründung immer noch weiter aufgeschoben wird, sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland.

BRIGITTE.de: Aber irgendwann stößt man ja an eine natürliche Grenze und kann das Kinderkriegen nicht weiter aufschieben.

Michaela Kreyenfeld: Ja, aber diese Grenze ist offenbar für Deutschland noch nicht erreicht. Wir sind jetzt hier bei gut 28 Jahren (Westdeutschland) für die Geburt des ersten Kindes, in der Schweiz beispielsweise sind die Frauen dann durchschnittlich 30 Jahre alt. Es gab Zeiten, in denen die Demographen gesagt haben: Ab 30 kann man die Skala abschneiden, ab da kriegt doch keiner mehr ein Kind! Das ist aber natürlich nicht mehr zeitgemäß.

BRIGITTE.de: Sie haben auch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland festgestellt. Welche sind das?

Michaela Kreyenfeld: Im Westen sind knapp über 20 Prozent der Frauen, die das Ende ihrer reproduktiven Phase erreicht haben, also keine Kinder mehr bekommen können, kinderlos. In Ostdeutschland sind das viel weniger Frauen. Das hat wohl auch historische Gründe. Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass Kinder in den Lebensläufen von ostdeutschen Frauen viel selbstverständlicher sind, die sind einfach eingeplant. Und ich denke, das ist dort auch viel einfacher zu realisieren. Kinderbetreuung ist in Ostdeutschland noch weiter verbreitet. Außerdem sieht man dort Kinder nicht so sehr als Konkurrenz zu anderen Lebensentwürfen. Im Westen glauben viele, dass Kinder und Karriere sich gegenseitig ausschließen. Außerdem hängt im Westen die Familiengründung oft von der Erwerbssituation des Partners ab. Im Osten sind das keine zwangsläufige Voraussetzung fürs Kinderkriegen.

Michaela Kreyenfeld, 41, hat zwei Töchter im Alter von 7 und 4 Jahren, war also bei der Geburt ihres ersten Kindes 34. "Das ist für Akademikerinnen fast normal", sagt sie.

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  • Artikel vom 06.09.2011
    Foto: Plainpicture
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