Wenn Kinder nerven

Wie gut, dass endlich Frühling wird! Denn an endlosen Winter-Wochenenden kann es ganz schön nerven, wenn die Kinder zuhause beschäftigt werden müssen, findet BRIGITTE-Kolumnistin Julia Karnick.

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"Um Zeit für mich zu haben, sage ich meinem Mann, dass ich aufs Klo muss, obwohl ich gar nicht muss. Ich schließe die Tür ab und spiele ein paar Runden Kniffel auf dem Handy." Zehn Beichten von ganz normalen Müttern zum Durchklicken!

Zur Zeit kenne ich viele junge Eltern. Die jungen Eltern haben Sorgen, die ich nicht mehr habe: Ihre Kinder bekommen einen Wutanfall, wenn das Brot geviertelt statt halbiert wird, sie machen in die Hose, eine Minute, nachdem sie gefragt wurden, ob sie mal müssen, sie wollen morgens um fünf Elefant spielen.

Die Eltern erzählen viel von ihren süßen kleinen Kindern, dabei lächeln sie tapfer. Junge Eltern fühlen sich zum Glücklichsein verpflichtet, jemand hat ihnen eingeredet, gute Eltern seien Eltern, die immer gute Laune haben. Sie sagen: "Das ist schon anstrengend, so ein kleines Kind, aber in erster Linie ist es wahnsinnig entzückend." Ich sage: "Kleine Kinder sind schon entzückend, aber ich hab's nicht mehr nötig, mir das Kleinkindalter schönzureden. Vor allem sind sie wahnsinnig anstrengend." Wenn die Kinder bei der Tagesmutter waren und ich arbeitete, kam ich mir vor wie auf Müttergenesungskur.

Vor allem den Winter fürchtete ich, erst recht die Winterwochenenden. Wenn die Kinder an einem dunklen, nassen Februarsonntag morgens um sechs aufwachten und ich ausrechnete, wie viele Stunden es dauern würde, bis sie wieder einschliefen, wäre ich am liebsten schreiend weggelaufen. Weil man im Regen bei zwei Grad über Null nicht ewig draußen sein kann, mussten die Kinder drinnen beschäftigt werden: mit Malen oder Kneten oder Krümelmonsterkeksen oder Hoppereiter oder Singen oder Klötzchenstapeln oder Bilderbüchern.

Vielleicht gibt es Menschen, die nichts Erfüllenderes kennen, als Kleinkinder bei Laune zu halten. Ich gehöre nicht dazu. Wenn die Kinder sich allein beschäftigen sollten, dauerte es maximal zehn Minuten, bis eins von beiden heulte. Entweder heulte mein Sohn, weil seine Schwester seine Duplo-Bauwerke attackierte, oder meine Tochter heulte, weil ihr Bruder ihr aus Rache mit einem Siku-Auto auf dem Kopf herumhämmerte. Meistens heulten beide. Nicht selten hätte ich gern mitgeheult: So hatte ich mir Familie nicht vorgestellt. Wenn länger als zehn Minuten keiner heulte, musste man sich sorgen.

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  • Text: Julia Karnick
    Foto: Getty Images
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