Die Kita-Streiks haben ein Ende: Nach monatelangem Streit einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber heute darauf, dass Erzieherinnen und Erzieher künftig Anspruch auf durchschnittlich 120 Euro mehr Gehalt und einen besseren Gesundheitsschutz bekommen. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Kinderbetreuung getan. Eigentlich ein Grund zur Freude für die berufstätigen Mütter in Deutschland. Und trotzdem haben viele Frauen, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, immer noch ein schlechtes Gewissen. Warum das wirklich unbegründet ist, erklärt der renommierte Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo.
BRIGITTE.de: Herr Professor Largo, warum sind Krippen so gut?
Remo H. Largo : Weil ein Kind für seine soziale Entwicklung nicht nur eine, sondern mehrere Bezugspersonen braucht. Und es braucht vor allem andere Kinder - jeden Tag für mehrere Stunden. Kleinkinder spielen gemeinsam das Leben durch, das ist ihre Hauptbeschäftigung. Das kann auch die beste Mutter nicht leisten. Wenn man sich die Situation zu Hause vergegenwärtigt, ich karikiere jetzt, dann hat man da eine Kleinfamilie mit ein bis zwei Kindern. Die Mutter ist die einzige Bezugsperson, der Vater kaum verfügbar. Kinder kommunizieren aber bereits im zweiten Lebensjahr sehr viel und richten sich aufeinander aus. Wir Eltern wünschen uns, dass sich unsere Kinder empathisch verhalten. Empathie aber können Kinder nur im Umgang mit anderen lernen. Wie wichtig eine kindgerechte Umgebung ist, zeigen neuere Studien deutlich: Die Kinder, die in eine gute Krippe gehen, sind mit fünf Jahren sprachlich und sozial weiter. Und eine aktuelle Untersuchung, die Schweizer Forscher im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Deutschland durchgeführt haben, kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Gymnasiasten bei Krippenkindern höher ist als bei den Kindern, die in der Familie aufwachsen. Es geht also nicht mehr nur um die Betreuung, sondern mindestens so sehr um die Entwicklungserfahrungen, die für ein Kind in den ersten Lebensjahren bereitgestellt werden. Und es geht um die Frage, ob mein Kind benachteiligt ist, wenn ich es zu Hause lasse - und nicht mehr um die Stellung der Mutter.
BRIGITTE.de: Und doch ist die Mutter die zentrale Figur: Krippengegner sagen, dass die Bindung des Kindes zur Mutter das Fundament seiner Persönlichkeitsentwicklung ist.
Remo H. Largo: Bindung ist eine Zeitfrage: Das Kind bindet sich an die Personen, die ihm vertraut sind und es versorgen, und nicht vorzugsweise an die Mutter - sonst wäre die Menschheit längst ausgestorben. Und Bindung hat wenig mit Qualität zu tun: Auch ein Kind, das vernachlässigt oder misshandelt wird, bindet sich an seine Bezugspersonen. Urvertrauen hingegen entsteht, wenn ein Kind Zuwendung bekommt und seine Bedürfnisse befriedigt werden, es also gestreichelt, gefüttert und gewickelt wird. Wenn sich seine Bezugspersonen feinfühlig verhalten, glaubt das Kind, dass diese Welt gut ist.














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am um
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Chris
am 16.05.12 um 14:21
Ich möchte doch mal gern diesen Artikel aus der Psychoanalyse als Gegenpol anbieten.
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chri
am 16.05.12 um 14:09
Kinderkrippen sind eine Einrichtung für Erwachsene. Arbeitgeber möchten die Mütter frühzeitig zurückgewinnen und Mütter möchten (oder müssen) so bald wie möglich die Befriedigungen der Mutterschaft mit denen des Arbeitslebens verbinden. Kinderkrippen sind dazu da, Mütter von ihren Kindern früh zu trennen. Die Qualität der Krippenerfahrung hängt ganz entscheidend davon ab, wann und wie diese Trennungsaufgabe bewältigt und wie gut der Kummer durch verlässlichen Elternersatz gemildert wird. Vor der faktischen Trennung trennt sich die Mutter bereits in Gedanken, die innere Trennungsbereitschaft muss quasi auf Termin hin beschleunigt werden, eine gewisse Immunisierung gegen den beidseitigen Trennungsschrecken wird unvermeidbar. Die dieser frühen Mutter-Kind-Zeit evolutionär unveränderbar innewohnende Trennungsangst wird heute schnell zu einer Schwäche der Mutter, die nicht loslassen kann, umgedeutet.
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Güngör Bayrak
am 26.02.12 um 00:29
Kinder entwickeln sich in frühen Jahren rasant schnell.
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nadja
am 16.12.11 um 08:44
ich habe das gefühl, dass diese diskusion überwiegend in "west deutschland" geführt wird. ich bin nach der wende im osten aufgewachsen. meine mama hat in 4 schichten als krankenschwester gearbeitet und hat trotzdem 3 kinder erfolgreich groß gezogen - mit tatkräftiger unterstützund meines vaters! wir haben alle einen guten bis sehr guten schulabschluss, einen großen freundeskreis (auch bedingt durch die krippe, kita und den hort),ein offenes wesen und vor allem sind wir zur selbstständigkeit erzogen worden.
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Nelly
am 07.11.11 um 11:18
Die Wiener Krippenstudie beobachtet Kinder 6 Monate lang nach der Krippeneingewöhung. Die Kinder sind 1,5-2 Jahre alt. Über pädagogisches Konzept, Betreuungsverhältnis etc.ist nichts bekannt. Aber die Kinder werden nicht nachdem Berliner Modell eingewöhnt.
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Lisa Mau
am 19.10.11 um 13:44
Die Wiener Krippenstudie schlägt momentan Wellen und die ersten "Erkenntnisse" sind erschreckend. Aber was wir nicht wissen: Was für Kinder wurden studiert? Aus welchem Milleu? Wie ist die Krippensituation in Österreich? Wie viele Kinder kommen dort auf eine Erzieherin? Wie geht man dort mit kleinen Kindern um? Wie sind die Eltern mit den Kindenr umgegangen (auch hier könnte der Stressfaktor liegen)?
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Dorothea Böhm
am 11.09.11 um 14:01
Es mehren sich wissenschaftliche Ergebnisse, z.B. Wiener Krippenstudie, dass Krippenbetreuung (Alter 0 - 3 Jahre) nicht gut für Kinder ist, weil sie dort unter messbarem Stress stehen, erkennbar an veränderten Cortisolspiegeln (Stresshormon). Veränderung des Cortisolspiegels im Kleinkindalter wiederum können nachteilige und leider auch lebenslange Folgen für Hirn- bzw. Persönlichkeitsentwicklung haben.
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DieDea
am 30.06.11 um 16:14
Ganz toller Artikel! Super Argumentation und eine klare, uneingeschränkt unterstützenswerte Forderung nach qualifizierter (Klein)kindbetreuung und -förderung.
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nina
am 19.01.11 um 09:37
schön dass Frauen noch die Kinder bekommen dürfen, stillen darf man sie auch noch aber für die Erziehung sind die Eltern dann scheinbar zu blöd - ich find diese ganze Krippen und Kindergarten-Diskussion einfach nur Schwachsinn. Wo ist denn das Selbstbewusstsein der Eltern???
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snowprincess25
am 26.08.09 um 13:03
Vielen Dank Remo Largo! Von einem männlichen Schweizer solche Worte zu hören ist eine Erleichterung. Man wird man hier nämlich sehr häufig noch als Rabenmutter abgestempelt, wenn man seinen Beruf nicht aufgeben möchte und seine Kinder tagsüber lieber in einer Kinderkrippe betreuen lässt. Das macht vielen Frauen die Entscheidung für Kinder unnötig schwer.
mehr (21)"Krippenbetreuung als ambivalentes Unternehmen"Hier werden unliebsame Fakten einmal deutlich angesprochen.http://www.psychoanalyse-aktuell.de/kinder/fremdbetreuung.html
Hierbei erfolgt die Kinderentwicklung in einzelnen Entwicklungsphasen.
Für Eltern ist daher eine liebevolle Kindererziehung von besonderer Bedeutung.
Die Nähe von Eltern sollte bee keiner Kindererziehung fehlen.
Vielen Dank für diesen guten Artikel. Besuchen Sie mich auf meinem Blog:
http://www.elternlebenleichter.com
Liebe Grüße,
Güngör
als ich für die ausbildung in den "westen" ging, wurde meine mama von den kinder, deren mütter immer zu hause waren, als rabenmutter abgestempelt. nach einigen gesprächen wurde immer deutlicher, dass ich mit meinen eltern mehr glückliche zeit und mehr unternehmungen gemacht habe, als meine mitazubis zu kindertagen. einmal im jahr in den urlaub fliegen und jeden tag mittag kochen reicht eben nicht aus um kindern eine glückliche kindheit zu bescheren.
Das Klingt doch so: man verzichtet bewußt auf bewährtes "sanftes" Eingewöhnen, untersucht ein ungünstiges Alter, nur um Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen.
Bevor solche Fragen nicht geklärt sind, finde ich die Wiener Krippenstudie mehr schädlich als hilfreich, da man nicht weiß, was und wer genau untersucht wurde!
Zudem: jede Mutte rkann ihr Krippenkind beobachten und sehen und FÜHLEN wie es ihm geht. Meinem süßen Krippenkind geht es wunderbar. Ganz davon abgesehen, dass ich es mir einfahc nicht leisten kann, zuhause zu bleiben.
Wer möchte sein Kind schon einem solchen Risiko aussetzen? Was machen wir Eltern denn jetzt? Ich fände dazu ein neues Interview mit Remo Largo gut, in dem er zu den neuen Ergebnissen Stellung nimmt.
Was ich auch schön finde, ist der Hinweis auf das Muss einer Wahlfreiheit in der Kinderbetreuung.
Von vorne bis hinten vernünftiger Beitrag! Danke!