"Heimspiel" von Lisa Ortgies: Schatz, mach Du doch mal!

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BRIGITTE.de: Und wer kann jetzt das Ruder herumreißen?

Lisa Ortgies: Wenn sich jemand bewegen muss, dann sind es jetzt die Männer und die Wirtschaft. Väter müssen sich zum Beispiel gegenüber dem Arbeitgeber als Familienmenschen positionieren und sich aktiv in Haushalt und Familie einmischen. Leider machen sie das selten freiwillig. Also müssen Frauen Druck machen. Das Diskutieren über solche Themen ist anstrengend, und ich verstehe jede Frau, die sagt, das ewige Aushandeln ist mir zu mühsam. Aber wer durchhält, wird belohnt. Und hoffentlich ändert sich so die Einstellung bei immer mehr Männern.

BRIGITTE.de: Da ist aber in der Gesellschaft noch viel zu tun: Aktuell werden die Männer beklatscht, wenn sie mal zwei Monate aussetzen, die Frau wird von anderen Müttern angefeindet, wenn sie es sich erlaubt, nicht nur für die Kinder zu leben.

Lisa Ortgies: Ein Irrsinn, ich weiß. Als ich mein Kind mit elf Monaten in die Krippe gab, haben manche Frauen nicht mehr mit mir gesprochen. Da war ich ein sozialer Outlaw. Mir haben Frauen in einem gutbetuchten Stadtteil in Hamburg gesagt: "Hier in der Ecke gibt es zwei Kindergärten. Der eine ist gut, der andere ist für soziale Problemfälle: Da arbeiten die Mütter." Frauen müssen endlich kapieren, dass ihr eigener Frust nicht die Frauen treffen sollte, die ein anderes Lebensmodell wählen.

BRIGITTE.de: In Ihrem Buch fordern Sie dazu auf, sich die eigene Wut zunutze zu machen.

Lisa Ortgies: Beim Mutter-Bashing wird nur brauchbare Energie verschossen. Auch die Wut auf den Partner ist oft falsch und lässt nur Familien zerbrechen. Frauen müssen sich endlich dort aufregen, wo es sinnvoll ist: Bei ihrem Arbeitgeber, wenn der mal wieder eine Konferenz auf den Nachmittag legt, wenn man als Frau die Kinder hat, bei dem Arbeitgeber des Mannes, der hilfswillige Männer nicht so handeln lässt, wie sie es möchten, bei den Politikern, in der Wirtschaft. Es existiert immer noch der Irrglaube, dass der am produktivsten arbeitet, der am längsten im Büro sitzt. In Wahrheit arbeiten die Teilzeit-Menschen am produktivsten. Und auch ein Vater, der für sein Kind mal früher Schluss macht, wird seinen Job nicht einfach liegen lassen, sondern vorher oder abends machen.

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  • Interview: Andrea Hacke
Letzte Kommentare
  • Vibs
    am 14.11.09 um 14:27
    Ein sehr gutes Interview! Sie beschreibt die vielen Problemstellungen innerhalb einer Familie ganz gut. Um gleichberechtigt zusammen zu leben muss man die Wünsche der anderen Person berücksichtigen - von beiden Seiten.
  • Herr_Rhein
    am 07.09.09 um 21:07
    Ob Männer sich hierzulande nun zu "Grasfressern" entwickeln werden oder zu massenfeministisch domestizierten "neuen Vätern" wird die Zeit zeigen.
    Wenn Frau Ortgies heute sagt "Bevor das erste Kind kommt, gibt es unter den wenigsten Paaren Absprachen für die Zeit als Familie. Das wird als spießig empfunden, dabei ist das total wichtig." dann könnte man geneigt sein zu glauben, diese Frau hat dazugelernt, nur "vergessen" dies öffentlich in ein angemessenes Verhältnis zu einer ihrer früheren Aussagen zu setzen, die da lautete:"...ich stehe aber zu der Äußerung, ob man da vielleicht die Männer so´n bischen in ihr Glück schubst ...".
    Es muss ja nicht gleich eine Bitte um Entschuldigung folgen, welche schlicht nicht von ihr zu erwarten ist.
    Fehlt noch die Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Geschlechtes sind.
    Frauen lernen mit zunehmendem Alter angeblich besser, mal abwarten was noch von ihr kommt ...
 
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