"Heimspiel" von Lisa Ortgies: Schatz, mach Du doch mal!
BRIGITTE.de: Woher rührt diese Uneinsichtigkeit bei vielen Vorgesetzten? Daher, dass die meisten eine Frau zu Hause haben, die nicht arbeitet?
Lisa Ortgies: Die meisten Chefs sind ein traditionelles Modell gefahren und bereuen mit 50 oft, wie schlecht ihr Kontakt zu den eigenen Kindern ist. Ich habe mit vielen gesprochen, die sind wirklich traurig über die verpasste Zeit. Wenn ihnen dann ein junger Vater gegenübersitzt, der einen anderen Weg gehen will, gibt das bei einem Chef mit diesem Hintergrund einen Stich. Und dann gibt es die reflexartige Reaktion: "Warum soll der beides haben? Ich musste auch mein Familienleben opfern." In der Arbeitswelt muss sich noch viel tun. An sich sollte es auch einen Kündigungsschutz für werdende Väter geben. Sie glauben nicht, wie oft ich von Vätern hörte, die die Kündigung erhielten, nachdem sie nur laut geäußert hatten, für das Kind eine Weile zu Hause bleiben zu wollen.
BRIGITTE.de: Was halten Sie von dem neuen Unterhaltsrecht, nach dem der Mann seine Ex-Frau nicht mehr finanziell unterstützen muss, weil er noch Geld für eine Zweitfamilie haben soll: Ein Schritt hin zur emanzipierten Familie?
Lisa Ortgies: Wenn man es richtig versteht, ja. Das neue Recht müsste jeder Frau sagen: Schließt einen Ehevertrag ab! Arbeitet! Wenn ihr nicht selbst für euch sorgt, macht es keiner! Jede Frau hofft natürlich, dass ihre Ehe hält und das Unterhaltsrecht gar nicht greift, aber die Scheidungsrate geht hoch. Trotzdem verstehe ich unter dem neuen Unterhaltsrecht ohne Stichtag und ohne Übergangsregelung keine gute Frauenpolitik. Sollen nun die abgestraft werden, die sich geopfert haben und mit Kindern zu Hause geblieben sind oder nur Teilzeit gearbeitet haben? Man kann doch nicht all die Frauen im Regen stehen lassen, die bisher nicht gearbeitet haben! Wir hatten das Thema auch in meiner Sendung "Frau TV". Selten gab es so oft Post. Und immer wieder war der Satz von Frauen zu lesen: "Ich habe die Arschkarte gezogen." Verständlicherweise. Wenn das so voranschreitet, ist unter Frauen eine gewaltige Altersarmut zu erwarten.
BRIGITTE.de: Ihr Buch macht einen beim Lesen oft wütend, aber es wirkt auch erschlagend. Man fragt sich schnell: Wo soll ich überhaupt ansetzen?
Lisa Ortgies: Bei all dem Zweckoptimismus und der familienfreundlichen Folklore wollte ich das Pendel jetzt mal in die andere Richtung drücken und mit der Realität um die Ecke kommen. Nehmen wir nur das Buch "Bitterfotze" von der Schwedin Maria Sveland. Die ist 1974 geboren und schreibt über ihren Frust, wenn man als Paar versucht, gleichberechtigt zu leben. Sie hat es richtig gemacht und sich als Frau einfach mal ausgekotzt. Das müsste viel häufiger passieren. Jede Frau sollte wissen: Man ist in der Situation nicht alleine!













Wenn Frau Ortgies heute sagt "Bevor das erste Kind kommt, gibt es unter den wenigsten Paaren Absprachen für die Zeit als Familie. Das wird als spießig empfunden, dabei ist das total wichtig." dann könnte man geneigt sein zu glauben, diese Frau hat dazugelernt, nur "vergessen" dies öffentlich in ein angemessenes Verhältnis zu einer ihrer früheren Aussagen zu setzen, die da lautete:"...ich stehe aber zu der Äußerung, ob man da vielleicht die Männer so´n bischen in ihr Glück schubst ...".
Es muss ja nicht gleich eine Bitte um Entschuldigung folgen, welche schlicht nicht von ihr zu erwarten ist.
Fehlt noch die Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Geschlechtes sind.
Frauen lernen mit zunehmendem Alter angeblich besser, mal abwarten was noch von ihr kommt ...