"Heimspiel" von Lisa Ortgies: Schatz, mach Du doch mal!

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BRIGITTE.de: Noch gibt kaum eine Mutter zu, dass sie an Grenzen stößt. Nie würde eine Übermutter wie Angelina Jolie sagen, dass die Kinder sie auch mal nerven und sie selbst ab und an völlig fertig ist.

Lisa Ortgies: Dabei wäre es so erleichternd. Ich habe in meinem Buch deshalb auch viele Promis zitiert, die mal etwas in der Richtung gesagt haben. Wenn eine Schauspielerin wie Maria Furtwängler darüber genervt ist, dass sie immer die Schulbrote schmieren muss, dann entspannt das doch jede andere Mutter. Ich sage ganz offen, dass ich zu Hause oft gefrustet war. Schon nach drei Baby-Monaten habe ich gedacht: Ich kann nichts mehr, ich bin nichts mehr wert. Das Glück mit dem Kind war bei mir immer punktuell auch von Depressionen begleitet. Ich fühlte mich wie ein Arbeitsloser, der seiner Aufgabe beraubt worden ist.

BRIGITTE.de: Haben Sie selbst denn eine emanzipierte Familie hinbekommen?

Lisa Ortgies: Wir sind so gestartet, dass ich schon gearbeitet habe, als mein Mann noch promoviert hat. Das war schon mal gut. Mit ihm musste ich zum Glück auch nie über das Thema Haushalt diskutieren. Wir sind immer erschüttert, wenn wir bei Leuten zum Essen eingeladen sind, die Frau nur herumwirbelt und der Mann sich den ganzen Abend nicht bewegt, weder Flaschen holt noch den Tisch abräumt. Wir teilen uns das auf, auch was die Betreuung unserer beiden Kinder angeht.

BRIGITTE.de: Aber Sie behaupten jetzt nicht, dass der Weg dahin ohne große Diskussionen abgelaufen ist.

Lisa Ortgies: Auf keinen Fall. Es ist ja schlimm, dass alle immer offiziell erzählen, ihre Ehe laufe super, das Kind mache beide glücklich usw. Deshalb bin ich da jetzt extra sehr offen, um das Tabu mal zu brechen: Auch wir waren als Paar einige Male an der Grenze und fragten uns: "Macht das alles noch Sinn hier?" Auch wir haben darüber diskutiert: Wer ist nachts häufiger aufgestanden? Als ich Chefredakteurin bei "Emma" wurde, hat mein Mann seine Arbeitszeit reduziert. Diese Erfahrung war interessant, denn plötzlich kam ich nach der Woche nach Hause und dachte, ich habe Anspruch auf Ruhe, während er sagte: "Machst du jetzt wenigstens mal am Wochenende etwas?" Das hat mir gezeigt: Das Verhalten von Mutter und Vater hat mit ihrer aktuellen Rolle zu tun, nicht mit dem Geschlecht. Und ich kann jetzt auch verstehen, unter welchem Druck man steht, wenn man der Hauptverdiener der Familie ist.

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  • Interview: Andrea Hacke
Letzte Kommentare
  • Vibs
    am 14.11.09 um 14:27
    Ein sehr gutes Interview! Sie beschreibt die vielen Problemstellungen innerhalb einer Familie ganz gut. Um gleichberechtigt zusammen zu leben muss man die Wünsche der anderen Person berücksichtigen - von beiden Seiten.
  • Herr_Rhein
    am 07.09.09 um 21:07
    Ob Männer sich hierzulande nun zu "Grasfressern" entwickeln werden oder zu massenfeministisch domestizierten "neuen Vätern" wird die Zeit zeigen.
    Wenn Frau Ortgies heute sagt "Bevor das erste Kind kommt, gibt es unter den wenigsten Paaren Absprachen für die Zeit als Familie. Das wird als spießig empfunden, dabei ist das total wichtig." dann könnte man geneigt sein zu glauben, diese Frau hat dazugelernt, nur "vergessen" dies öffentlich in ein angemessenes Verhältnis zu einer ihrer früheren Aussagen zu setzen, die da lautete:"...ich stehe aber zu der Äußerung, ob man da vielleicht die Männer so´n bischen in ihr Glück schubst ...".
    Es muss ja nicht gleich eine Bitte um Entschuldigung folgen, welche schlicht nicht von ihr zu erwarten ist.
    Fehlt noch die Erkenntnis, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Geschlechtes sind.
    Frauen lernen mit zunehmendem Alter angeblich besser, mal abwarten was noch von ihr kommt ...
 
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