Kinderbetreuung: Mütter für den Notfall

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Der schönste Dank: Ein großes Lächeln

Diana Aslan ist eine so genannte Notmutter. Die Lehramtsstudentin hat sich für diesen Job neben dem Studium entschieden, weil sie so die Möglichkeit erhalte "in die Familien hinein zu horchen". Die 22-Jährige hatte die besten Voraussetzungen in Sachen Kinderbetreuung, ist sie doch die älteste von fünf Geschwistern. Ihre Erfahrungen als Babysitter hatte sie also schon, aber wie war es für sie, das erste Mal vor mehr als einem Jahr als Notmutter zu fungieren? Ein vierjähriges und ein acht Monate altes Kind sollte sie vier Tage lang unter ihre Fittiche zu nehmen. Die Mutter war berufstätig und konnte sich nicht freistellen lassen, während der Vater verreisen musste.

"Total aufgeregt" sei sie gewesen: Wie würden die Kinder auf sie - eine Fremde - reagieren? Würde die leibliche Mutter sie überhaupt als adäquaten Ersatz akzeptieren? "Solche Fragen schossen mir durch den Kopf." Doch nach kurzer Zeit schon konnte Diana Aslan ihre Skepsis über Bord werfen: die Erfahrungen war durchweg positiv. "Grundvoraussetzung ist natürlich, dass man sich in die Familie und ihre individuellen Rituale und Gewohnheiten einfügen kann", betont sie. Sie könne nicht daher kommen und alles anders machen, weil sie persönlich es vielleicht so besser findet. Mit der Zeit sei sie immer selbstbewusster geworden.

Insbesondere die Toleranz der Kinder sei ihr gegenüber bisher immer groß gewesen. "Ich hatte keine Schwierigkeiten, auch nicht mit älteren. Auf eine fremde Instanz reagieren Kinder halt doch anders als auf nahe Verwandte", sagt die Notmutter. Wobei es Unterschiede gebe: Einmal betreute Diana Aslan ein Kind, dessen kranke Mutter mit zu Hause war. "Da musste ich schon mit mehr Fingerspitzengefühl agieren, weil meine Autorität ein wenig in Frage gestellt wurde. Der Kleine ist halt immer zuerst zu Mama gegangen, was ja völlig normal ist." Aber solche Situationen "trainieren", meint die Lehramtsstudentin mit einem Augenzwinkern.

Mit einer Familie ist Diana Aslan mittlerweile regelrecht befreundet. Ihr hatte die Notmutter ganze acht Wochen - die gesamten Semesterferien - zur Seite gestanden. "Das ist gar kein Wunder", sagt sie, "in dieser Zeit wird man fast zum Familienmitglied." Denn die Betreuerin übernimmt ja neben dem Babysitting und Spielen mit den Kids auch viele Aufgaben im Haushalt: "Eben alles, was die Eltern sonst auch so tun müssen: Einkaufen, Waschen, Kochen, Kinder in die Schule oder Kita bringen..." Natürlich halte es sich in Grenzen, Putzfrauen oder Handwerker seien sie schließlich nicht.

"Wissen Sie, was das Beste ist, was ich bisher ganz oft erleben durfte?", resümiert Diana Aslan nachdenklich. "Ich bin mit einem kleinen Lächeln gekommen und wurde mit einem großen Lächeln empfangen - und mit einem noch größeren verabschiedet. Das ist der schönste Dank."

Infos zum Notmütterdienst e.V.

Der Notmütterdienst e.V. (NMD) wurde im Jahr 1969 als gemeinnützige Organisation ins Leben gerufen. Er bietet unbürokratisch und schnell Hilfe. Sei es, dass in einer Familie die Mutter vorübergehend ausfällt und die Kinder unversorgt sind, sei es, dass ein älterer Mensch ständig Hilfe und Betreuung benötigt, um in der eigenen Wohnung verbleiben zu können. Eine "Notmutter" kann entweder beim Jugendamt oder den Krankenkassen beantragt oder aber von den Familien privat bezahlt (12,50 Euro pro Stunde) werden. Der NMD bietet Rund-um-die-Uhr-Betreuung im gesamten Bundesgebiet. Zusätzlich in Hamburg, in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet auch stundenweise Hilfe - sowohl tagsüber als auch nachts.
Falls Sie selbst eine Notmutter werden wollen, können Sie einfach per Mail an hamburg@nmd-ev.de Bewerbungsunterlagen anfordern.

Flexible Kinderbetreuung: Weitere Adressen

Alternativen zum Kindergarten oder Babysitter bieten häufig auch die von der Bundesregierung geförderten Mehrgenerationenhäuser. Hier finden Sie Häuser in Ihrer Region: www.mehrgenerationenhaeuser.de/.

Die Oma hat keine Zeit? Dann suchen Sie sich doch eine "Leihoma" oder einen "Leihopa", sprich, Senioren, die in ihrer freien Zeit Kinder betreuen. Kontakt zum Beispiel über www.leihomas-leihopas.de

Babysitter in Ihrer Nähe gibt's bei www.babysitter.de oder www.babysitter-notdienst.de

Einige Beispiele für offene Kinderbetreuung in verschiedenen Städten:
Münster: Mehrgenerationenhaus und Mütterzentrum
Kaufbeuren: Die "Kinderstube Kaufbeuren" ist eine Elterninitiative, die auch stundenweise Kinder betreut
Ravensburg: Die Spielgruppe Pfiffikus ist eine ehrenamtliche Betreuung für Kleinkinder im Alter von 0 - 4 Jahren.
Stuttgart Im Eltern-Kind-Zentrum gibt es offene Angebote für Kinder von Freiwilligen
Trier: In der offenen Kinderbetreuung des Familien-Zentrums in Trier können Eltern ihre Kleinkinder stundenweise abgeben.
Hamburg: Der Hamburger Kinderhafen richtet sich speziell an berufstätige Eltern und bietet eine "Rund-um-die-Uhr-Betreuung"
München: Die "Child Care Company" ist eine bilinguale Kinderkrippe mit vielen Zusatzleistungen wie Pick-up-, Babysitter- und Tagesmutter-Service

Für die Recherche: Bei www.qype.com kann jeder Adressen vorstellen und bewerten. Wer den Namen seiner Stadt plus "Kinderbetreuung" eingibt, kann mit etwas Glück hilfreiche Tipps finden.

Auch beim Portal www.meinestadt.de findet man viele Adressen zum Thema Kinderbetreuung am eigenen Wohnort.

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  • Artikel vom 09.12.2008
  • Text: Daniela Barth
    Foto: macavity/photocase.com
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