Pubertät: Mutprobe in den Alpen

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Holger Butt sitzt abseits im Schatten, kaut an einem Apfel. Dann erzählt er von der ersten Einkaufstour. Er hat seinen Schülern erklärt, was sie in den Bergen brauchen, Proviant für drei Tage, Käse, Brot, ein bisschen Obst. Manche haben nicht zugehört. Andere haben gedacht, sie wissen es besser. Andere haben sich verrechnet, haben mehr Geld ausgegeben, als ihnen zustand. "Auf dem Berg hat ihr Handeln Folgen", sagt er. Zwei Mädchen, die sich zu einer Essensgruppe zusammengeschlossen hatten, hatten am dritten Tag nur noch trockenes Müsli. Und kein Geld mehr für den Frühstückstee. "Danach hat das Einkaufen bei denen super funktioniert." Verändern sich die Jungen und Mädchen durch die Tour? "Ja und nein", sagt Holger Butt. "Die nehmen zu Hause wieder ihre alten Rollen ein. Und doch verändern sie sich, werden selbstbewusster, auch selbständiger." Und fühlen, weit entfernt von zu Hause, was sie an den Eltern haben.

"Du musst schauen, dass dir die Gruppe nicht wegbricht"

Anthea hat den Rucksack mit Vater und Mutter gepackt. Nur mit der Mutter, da sind beide schnell auf 180. Wenn sie zurück bei ihrer Familie ist, wird es wieder knallen. "Ist halt so", sagt Anthea. "Jetzt aber vermisse ich sie. Und sie mich auch. Das tut zwar weh, ist aber irgendwie auch schön. Ich bin froh, dass ich diese Herausforderung mache."

Lina, braune Haare, schmale Figur, sagt: "Ich würde es nicht noch mal machen." Das Wandern macht ihr keinen Spaß. Und sie vermisst ihre Familie, alle paar Stunden schaut sie auf die Fotos in ihrem Handy. Dann erzählt sie von dem Heimwehtag, gut eine Woche waren sie unterwegs, der erste Muskelkater war überstanden, sie schafften sechs bis acht Stunden am Tag, nicht die läppischen drei vom Anfang. Dann ging das große Heulen los, schon morgens, kurz nach dem Aufwachen. Lina fing an. Und fast alle machten mit. "Da stehst du da. Und musst schauen, dass dir die Gruppe nicht wegbricht", erzählt Holger Butt. Er hat am Heimwehtag mit ihnen darüber gesprochen, warum sie sich zu Hause gerade für das Projekt Alpenüberquerung beworben hatten. Aus 15 Projekten können sie wählen, ihre Wahl müssen sie schriftlich begründen. Obwohl die Alpenüberquerung als die härteste Herausforderung gilt, haben sich viermal mehr Schüler gemeldet, als es Plätze gab. "Die Schüler nehmen die Herausforderung ernst. Die suchen sich das, was wirklich an ihre Grenzen geht", sagt Butt.

  • Fotos: Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hamburg-Winterhude
    Text: Madlen Ottenschläger
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 04/09
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