Viele schlittern in eine Lebenskrise: Wer bin ich? Wo komme ich her?
Ein Tabuthema? Bei uns schon. In England nicht mehr
Thomas Katzorke, der Leiter der größten deutschen Samenbank in Essen, schätzt, dass von rund 100 000 Spenderkindern in Deutschland mindestens 90 000 nicht wissen, wie sie gezeugt wurden. Fast alle Kinderwunschpaare sagten ihm klipp und klar, dass sie ihren Kindern auf keinen Fall die Wahrheit sagen wollen: "Manchen ist es einfach peinlich, dass der Mann zeugungsunfähig ist." Andere wollen das Kind nicht "unnötig" belasten und zum Außenseiter machen. Oder fürchten, es könnte den sozialen Vater nicht annehmen.
Die Gesetze in den meisten Ländern unterstützen die Heimlichtuerei, indem sie die anonyme Spende vorschreiben. Zum Schaden der Kinder, meinen Familienforscher weltweit. Und immer häufiger protestieren inzwischen auch die Wunschkinder, für die der ganze Zeugungsaufwand betrieben wurde. Die "Donor Kids", zu Deutsch "Spenderkinder", fordern ihr Recht ein, zu wissen, von wem sie abstammen, und verweisen dabei auf die Kinderrechts-Charta der Vereinten Nationen. Unterstützt werden sie dabei von Psychologen und Elternorganisationen wie dem britischen "Donor Conception Network" mit seinen über 1000 Mitgliedern, meist Eltern von Kindern, die aus einer Keimzellspende stammen. Das Netzwerk hat das Thema in die britische Öffentlichkeit gebracht und damit enttabuisiert. Seit 2005 gibt es nun auf der Insel keine anonyme Keimzellspende mehr. Die persönlichen Daten jedes einzelnen Samenspenders und jeder Eizellspenderin werden in einem nationalen Register dokumentiert, bei dem Kinder ab 18 Jahren dann ihre genetische Abstammung erfragen können. Vorausgesetzt, sie wissen über die Art ihrer Entstehung Bescheid.













