Oldenburg: Qigong gegen Stress in der Schule
Interview mit Dr. Johann Bölts, vom Institut für Psychologie an der Universität Oldenburg
BRIGITTE: Hat sich das bessere Lernklima in den teilnehmenden Klassen auch auf die Noten ausgewirkt?
Bölts: Nein, dazu war Zeitraum vermutlich zu kurz. Wir hatten nur drei mal eine Woche innerhalb eines Schulhalbjahres zur Verfügung. Ich bin aber überzeugt, dass sich die positiven Effekte langfristig auch in den Zeugnissen zeigen werden.
BRIGITTE: Gibt es Beispiele?
Bölts: An einer Grundschule hier in Oldenburg wird Qigong ab der ersten Klasse praktiziert. Der Lehrer setzt die Methode zum Beispiel gezielt vor Diktaten ein. Er berichtet, dass vor allem Kinder, die unter Stress viele Fehler machen, dadurch besser abschneiden. Und auch das Schriftbild der Schüler hat sich stark verbessert.
BRIGITTE: Warum hat die Qigong-Klasse in Ihrem Versuch am besten abgeschnitten?
Bölts: Wahrscheinlich ist Qigong gut geeignet, um achtsamer mit sich selbst umzugehen und bei Anforderungen gelassener zu reagieren. Die Bewegungen werden häufig mit Tiernamen assoziert, sind dynamischer als beispielsweise im Yoga. Deshalb fällt Kindern und Jugendlichen der Zugang vermutlich leichter.
BRIGITTE: Nun kann nicht jeder Lehrer Qigong unterrichten...
Bölts: ...aber es lernen. Die Lehrer profitieren ja selbst sehr stark von einem guten Lernklima. Wir wollen jetzt in der Lehrerausbildung Qigong anbieten, als Strategie gegen einen späteren Burn-out. Und wir bieten hier an der Uni ein Kontaktstudium Qigong. Wir sagen aber auch ganz klar: Das alles reicht nicht. Wenn man die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre verkürzt, muss man den Stoff sinnvoll reduzieren. Sonst macht das Schüler und Lehrer krank.













