Stress in der Schule: Was hilft den Kindern?

Ganz Deutschland empört sich über die Bedingungen, unter denen an Gymnasien gelehrt und gelernt wird. Wird es reichen, den Lehrplan zu entrümpeln, um Kindern und Jugendlichen Lust auf Lernen und Leistung zu machen? Nein, meint BRIGITTE-Kolumnistin Julia Karnick.

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Deutsche Akademiker sind zu alt, wenn sie Examen machen. Darum beschlossen die Kultusminister, die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre zu verkürzen. Inzwischen haben fast alle Bundesländer den Beschluss umgesetzt. Ohne den Lehrplan auszumisten und die Unterrichtsbedingungen zu verbessern: Dasselbe Lernpensum muss in weniger Zeit bewältigt werden, in Klassen, in denen bis zu 30 Schülerinnen und Schüler sitzen. Je nach Bundesland haben bereits Fünftklässler an die 35 Schulstunden pro Woche. Hinzu kommen die Hausaufgaben, nicht selten ein bis zwei Stunden täglich.

Spätestens ab der Siebten findet bis weit in den Nachmittag Unterricht statt. All jene Eltern, die Ganztagsschulen aus Prinzip ablehnen, sollten ihr Kind nicht aufs Gymnasium schicken: Das Gymnasium ist eine Ganztagsschule - und zwar eine miserabel durchdachte, in der Kinder und Pädagogen unter gewaltigem Druck lernen und lehren. Unser Sohn verlässt im Sommer die Grundschule, in seinem Zeugnis stehen nur Einsen und Zweien. Noch vor Kurzem stand für uns fest: Wenn möglich, besuchen unsere Kinder das Gymnasium. Doch dann wurden unsere Zweifel immer größer. Denn hört man sich als Mutter eines zukünftigen Fünftklässlers um, kommt man aus dem Entsetzen nicht heraus.

Man hört von Zehnjährigen, die nach Schule und Hausaufgaben zu erschöpft sind, um zu spielen. Von der 13-Jährigen, die jeden Abend Bauchweh hat und von der weniger ehrgeizigen Mutter vom Schreibtisch ins Bett gezwungen werden muss, wo sie nicht einschlafen kann - weil sie Angst hat, immer noch nicht genug gelernt zu haben.

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  • BRIGITTE Heft 07/08
    Text: Julia Karnick
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