Welches Schulsystem brauchen unsere Kinder?

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Prof. Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin

"Letztlich geht es bei der Verkürzung der Schulzeit bis zur Hochschulreife darum, die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Zeitersparnis herzustellen - Zeit gehört ohne Zweifel zu den knappen Ressourcen unserer Gegenwart. Doch bei der Umsetzung von G8 hat man sich zu wenig Zeit genommen für die Konzeption einer geeigneten Lernumgebung sowohl für die Schüler als auch für deren Lehrer. Dabei hat unsere "1. World Vision Kinderstudie" gezeigt, wie lohnenswert es wäre, auch die Kinder selbst in den Reformprozess einzubeziehen, sie nach ihrer Meinung zum 'Umbau' ihrer Schule zu fragen: Sie wünschen sich für die Ganztagsschule Zeit für Sport, Projektarbeit, aber auch Hausaufgabenunterstützung."

Renate Schmidt, MdB, Ministerin a. D., 3 Kinder

"Wir brauchen Ganztagsschulen, die nicht den Unterricht einfach in den Nachmittag verlängern, sondern ihn rhythmisieren, zwischen Lernen und Freizeit abwechseln. Vor allem sollen nicht die Eltern, sondern die Lehrer verantwortlich für den Schulerfolg sein: Im PISASiegerland Finnland kennt man etwa keinen Nachhilfe-Unterricht - bei uns geben Eltern jährlich 1,8 Milliarden Euro dafür aus. Das hat zur Folge, dass bei uns ein Kind aus einer armen, bildungsfernen Familie eine bis zu sechsmal schlechtere Chance hat, Abitur zu machen, als ein Kind aus gut situierter Familie - bei gleichen Begabungen. Dies ist die größte Ungerechtigkeit in Deutschland."

Rita Süssmuth, CDU, Bundestagspräsidentin a. D.

"Wir haben aus PISA einseitig die falschen Schlüsse gezogen. Kinder brauchen Ganzheitlichkeit: emotionales, soziales, keineswegs vorrangig kognitives bzw. verkopftes Lernen. Das Musische ist so wichtig wie Sprache, Mathe und Naturwissenschaften. Die dringlichste Aufgabe heißt persönliche Zuwendung und individuelle Förderung, fußend auf den Stärken, nicht auf den Defiziten. Wir zerstören die Lust zu lernen, indem wir bereits in der Grundschule bei allen Beteiligten den Leistungs- und Verteilungsdruck ständig verstärken."

Andrea Lüdke, Schauspielerin, 3 Kinder

"Kinder müssen sich auch mal langweilen dürfen, sich nur zum Spielen verabreden, Zeit haben zu träumen. Wenn sie immer ein Tagespensum abarbeiten müssen wie kleine Erwachsene, läuft was verkehrt. Mein Hauptkritikpunkt am jetzigen Schulsystem bleibt aber: Bei Klassenstärken von über 30 Kindern ist Stress programmiert, differenziertes Lernen und Lehren äußerst schwierig."

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  • Artikel vom 07.03.2008
  • Foto: Maja Metz
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