Kinderbetreuung: Wie finde ich eine gute Tagesmutter?

Der Fall einer Tagesmutter, die ein Baby zu Tode geschüttelt hat, verunsichert viele Eltern. Wie finde ich die richtige Betreuung für mein Kind? Antworten gibt Annerose Marotzke-Richter vom Bundesverband für Kindertagespflege.

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In München steht eine Tagesmutter vor Gericht, die ein 14-monatiges Baby zu Tode geschüttelt hat. Der Fall hat viele Eltern verunsichert. Sie fragen sich: Kann ich der Tagesmutter meines Kindes vertrauen? Wie finde ich die richtige? BRIGITTE.de sprach mit Annerose Marotzke-Richter, der 2. Vorsitzenden des Bundesverbandes für Kindertagespflege. Die 56-Jährige leitet außerdem seit zehn Jahren die Fachberatungsstelle für Kindertagespflege in Lüneburg.

BRIGITTE.de: Was raten Sie Eltern, die eine Tagesmutter für ihr Kind suchen?

Annerose Marotzke-Richter: Ich habe mein eigenes Kind mit drei Monaten zur Kindertagespflege gegeben, und ich war selbst Tagesmutter, als meine Kinder klein waren. Ich kann daher Eltern verstehen, wenn sie zweifeln. Und ich empfehle, darauf zu achten, dass die Tagesmutter nicht isoliert arbeitet, sondern gut eingebunden ist in ein Netz von anderen Tageseltern mit Fachberatung.

BRIGITTE.de: Und wie findet man die?

Annerose Marotzke-Richter: Bloß nicht auf irgendeine Anzeige antworten! Ein Kind ist keine Waschmaschine. Das Jugendamt vermittelt selbst oder kann anerkannte Träger nennen. Ab Sommer gibt es das Gütesiegel des Bundesfamilienministeriums für die Qualifizierung von Tagespflegepersonen. Das schafft schon mal Klarheit. Und bei der konkreten Auswahl entscheidet das Gefühl.

BRIGITTE.de: Spielt Sympathie dabei eine Rolle?

Annerose Marotzke-Richter: Natürlich. Wir empfehlen eine Tagespflegestelle, dann gehen die Eltern unverbindlich zu einem ersten Gespräch: Stimmt die Chemie? Möchte ich mein Kind gern hierhin bringen? Wenn sie sagen, nee, ich weiß nicht so recht, ist es besser, mit der Fachberatung erneut Kontakt aufzunehmen und gegebenenfalls weiter zu suchen.

BRIGITTE.de: Das sind ja oft sehr vage Gefühle. Zum Beispiel kann es sein, dass die Wohnung nicht gefällt ...

Annerose Marotzke-Richter: Oh ja, das kann ein Zeichen sein, dass die Tagesmutter nicht zu dieser Familie passt - obwohl sie gute Arbeit macht.

BRIGITTE.de: Nehmen wir mal an, der erste Eindruck ist positiv. Wie geht es dann weiter?

Annerose Marotzke-Richter: Gut ist, wenn sie am Anfang mindestens fünf Tage für eine Stunde zusammen mit ihrem Kind bei den Tageseltern sind. Wenn das Kind sich immer stärker den Tageseltern zuwendet und Blickkontakt halten kann, ziehen sich die Eltern mit einem Verabschiedungsritual immer länger zurück. Langsam wird die Zeit ohne die Eltern gesteigert. Das Kind gibt immer das Tempo vor. Manche Kinder brauchen eine Woche, manche drei Wochen.

BRIGITTE.de: Wie detailliert sollten denn Fragen des Erziehungsstils geklärt werden?

Annerose Marotzke-Richter: Gewaltfreie Erziehung, das ist völlig klar. Die Wohnung muss rauchfrei sein. Die Tagesmutter sollte den Eltern ein schriftliches Konzept geben, in dem sie einen normalen Tagesablauf und ihre Schwerpunkte beschreibt. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zum Ernährungsstil: Sind Süßigkeiten erlaubt oder verboten? Gibt es regelmäßig Obst? Kocht sie mit den Kindern?

BRIGITTE.de: Und vor dem Essen wird gebetet...

Annerose Marotzke-Richter: Ja, schließlich gibt es Eltern, die möchten nicht, dass gebetet wird. Oder eine Tagesmutter geht bei Wind und Wetter raus - manche Eltern finden das toll, andere stören sich sehr an Flecken in der Kleidung, die wollen das vielleicht nicht so gern. Auch die Fernsehfrage muss geklärt werden. Kinder unter drei Jahren sollten aber grundsätzlich kein fernsehen. Was ist, wenn ältere Kinder in der Gruppe sind? Dürfen die Großen die Sendung mit der Maus gucken, wenn es tagelang regnet? Und was machen die Kleinen in der Zeit?

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  • Interview: Claudia Kirsch
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