Vornamen und Vorurteile: "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!"

Lehrer haben offenbar Vorurteile gegenüber bestimmten Vornamen. Das hat eine Studie der Universität Oldenburg bestätigt. Kinder mit dem Namen Kevin haben demnach besonders schlechte Karten.

Wie soll das Kind heißen: Kevin und Maurice oder doch lieber Alexander und Lukas? Wenn es um die Bildungschancen von Kindern geht, haben letztgenannte offensichtlich die Nase vorn. Das hat die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Astrid Kaiser zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Julia Kube in einer großen Online-Studie über Vornamen herausgefunden.

Knapp 2000 Grundschullehrer hat sie zu ihren Vorurteilen gegenüber bestimmten Namen befragt. In den insgesamt 500 Fragebögen trafen die Lehrkräfte Aussagen zu ihren Namensvorlieben und den zugehörigen Assoziationen. Darunter Fragen wie: "Welche Vornamen würden Sie Ihrem Kind auf keinen Fall geben?" Oder: "Nennen Sie Namen, die bei Ihnen Assoziationen zu 'Verhaltensauffälligkeit' hervorrufen." In einem zweiten Schritt ließ Kube die Lehrer dann vorgegebene Namen bewerten.

Das Ergebnis sollte werdende Eltern mit einem Faible für englische Namen nachdenklich stimmen: Denn Kinder mit einem y am Namensende kommen bei den Lehrern besonders schlecht weg: Mandy und Cindy würden eher mit Problemkindern in Verbindung gebracht, mit Charlotte, Sophie oder Johannes assoziieren die Lehrkräfte hingegen am ehesten Stärken wie Freundlichkeit und Leistungsbereitschaft. Auffallend ist dabei, dass die positiv bewerteten Namen fast alle unter den beliebtesten Vornamen 2008 dabei sind. Spielt der Trend hier eine Rolle?

Besonders schlecht im Urteil der Lehrer schloss der Name Kevin ab. Mit dem ehemaligen Trendnamen wird am häufigsten eine Verhaltensauffälligkeit verbunden. In einem Fragebogen fand sich sogar der Kommentar: "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!"

Das Fazit der Erziehungswissenschaftlerin Kaiser lautet: "Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Pädagogen stärker für die Gefahr solcher Vorurteile zu sensibilisieren", die Lehrer und Lehrerinnen müssten eine kritische Distanz halten und dafür sensibilisiert werden, Schüler nicht vorschnell in Schubladen zu stecken.

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