Wenn ein Kind stirbt: Was hilft Eltern und Geschwistern?

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Immer wieder werden Kinder und Jugendliche missverstanden, hat Johann-Christoph Student beobachtet, da sie anders trauern als Erwachsene. Gerade Kinder können todtraurig sein und einen Moment später wieder kichern und herumalbern. Jugendliche tun sich schwer, ihre Gefühle auszusprechen, und wenn, dann meist in Andeutungen, oder sie vertrauen sich ihrem Tagebuch an. Oft distanzieren sie sich von der kollektiven Trauer in der Familie - was die Eltern verletzt. Sie entwickeln ihre eigenen Rituale. Hören Musik, die sie mit den Verstorbenen verbindet, tragen ihre Kleider, lesen ihre Bücher oder richten eine eigene Gedenkstätte ein, in ihrem Zimmer oder irgendwo im Wald.

Oft lasten irrationale Schuldgefühle auf den Schultern trauernder Geschwister - meist mit der bösen Kraft des Unbewussten. Der Ravensburger Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Markus Löble, schreibt: "Manche Kinder sind still für sich überzeugt: Der Falsche hat überlebt, und das bin ich." Je stärker der tote Bruder, die tote Schwester in der Familie glorifiziert werden, desto größer ist die Gefahr, dass die Zurückgebliebenen ihre eigene Daseinsberechtigung anzweifeln, sich als schlechte Alternative empfinden. Manche manövrieren sich in eine unlösbare Situation: "Sie leben zwei Leben - ihr eigenes und das des toten Geschwisters", schreibt Löble, "sie wollen die Eltern für den Tod des Kindes entschädigen - und müssen daran scheitern." Ein Problem, das ganz besonders für Kinder gilt, die nach dem Tod eines Bruders oder einer Schwester geboren werden. Wenn die Eltern auch unfähig sind, sich in die Extremsituation ihrer Kinder einzufühlen, einige Grundbotschaften sollten sie immer wieder aussprechen, rät Professor Student, der Leiter des Stuttgarter Hospizes: "Du kannst nichts dafür" etwa oder "Wir sind froh, dass wir dich haben - genau so, wie du bist".

  • Nina Poelchau
BRIGITTE im ABO