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Das Hochzeits-ABC

Ob Geschenk, Danksagung oder Kirche - das Hochzeits-ABC auf BRIGITTE.de.

Andersdenkenden, die

1. Gruppe all jener Menschen im Umfeld des Brautpaares, die andere Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung einer gelungenen Hochzeit haben als das Brautpaar selbst.

Während die ungebetene Einmischung in private Angelegenheiten im Alltag als unschicklich gilt, gehört die Hochzeit - ebenso wie die Geburt des ersten Kindes - zu jenen Ereignissen, die solche Konventionen weitgehend außer Kraft setzen.

Beim so genannten "Senf-Dazugeben" haben sich vor allem folgende Themenkreise als Stimmungsmacher bewährt: die Gästeliste, der Fest-Etat, die Namenswahl. Gängige, jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen umstrittene Mittel zur Abwehr Andersdenkender sind: eine allgemeine Nachrichtensperre, der wiederholte Hinweis auf die Volljährigkeit der Protagonisten, das Zulegen einer Geheimnummer.

2. Synonym für Eltern Schwiegereltern

Brautvater, der

Älterer Herr, von finanziellen und emotionalen Verlustängsten geplagt.

Im Rahmen der irrationalen Kräfte, die eine bevorstehende Hochzeit bei den Beteiligten freisetzt, kommt es auch beim Brautvater mitunter zu unvernünftigen Reaktionen: So neigen Brautväter zu sentimentalen Verstimmungen, weil sie das Ja-Wort als jenen Augenblick deuten, in dem sie die Tochter endgültig und in aller Öffentlichkeit an einen wildfremden Mann verlieren - selbst dann, wenn dieser wildfremde Mann mit der Tochter schon seit Jahren in eheähnlichen Verhältnissen lebt. Vergleichbare Symptome lassen sich bei der Mutter des Bräutigams beobachten.

Um väterlich-archaische Herrschaftsansprüche zu untermauern, versuchen manche Brautväter, die erwachsene, berufstätige Tochter in längst überwundene materielle Abhängigkeiten zu zwingen, auch wenn dies bedeutet, dass sie hierfür ihre Altersvorsorge auf den Kopf hauen müssen.

Ein hierfür typischer Dialog: Braut (B): "Also, wir haben da einen schönen Landgasthof gefunden, da wollen wir mit allen unseren Freunden feiern, ganz locker, ist auch nicht so teuer." Brautvater (BV): "Kindchen, man heiratet doch nur einmal im Leben. Hoffentlich. Und ihr müsst an Tante Traudl und Onkel Rüdiger denken, die sollen sich ja auch wohl fühlen. Wir haben mal beim Schlossrestaurant nachgefragt, die haben einen schönen Ballsaal und das 6-Gänge-Menu ... " B: "Aber Papa, das können wir nicht bezahlen, und die Zimmer sind auch viel zu teuer für unsere Freunde." BV: "Na, Mädchen, wozu hat man denn einen Vater?"

Chromosomen, die

In den Zellkernen befindliche Erbgutträger, die zur Produktion von Erben (veraltet: Stammhalter) benötigt werden.

Die Hochzeit gilt noch heute - vor allem unter den weiblichen Familienmitgliedern der älteren Generation Schwiegermutter - als Startschuss für die Erben-Produktionsphase im Leben eines Paares.

Sofern nicht schon vor der Eheschließung eine Schwangerschaft diagnostiziert wurde, müssen die frisch vermählten Eheleute damit rechnen, vom Zeitpunkt der Hochzeit an zur Reproduktion ihrer Chromosomen aufgefordert zu werden.

Dies kann, je nach Heftigkeit des Enkelwunsches, zurückhaltend ("Braucht Ihr nicht mal eine größere Wohnung?") oder weniger zurückhaltend geschehen: "Die Tochter von unseren Nachbarn hat gerade ihr erstes Kind bekommen, bei euch wird das ja wohl nichts mehr, bevor es mit mir zu Ende geht."

Dankeskarte, die

Traditionell mit einem Foto des frisch getrauten Paares beklebte und von Hand beschriebene Briefkarte,

die das Paar innerhalb von zwei bis zwölf Monaten nach der Hochzeit verschickt, um sich für erhaltene Geschenke zu bedanken - meist ergänzt durch ausgewählte, den Bedürfnissen des Adressaten angepasste Papierabzüge aus dem unüberschaubaren Fundus der Hochzeitsfotos.

Aus folgenden Gründen oft Anlass für erste eheliche Missstimmungen:

a) Der mit dem Schreiben von 100 Dankeskarten verbundene Spaßfaktor entspricht ungefähr dem einer zahnärztlichen Wurzelbehandlung.

b) Das zum Erstellen der Abzüge nötige Sortieren, Nummerieren und Sichten der Originalfotos verhindert für Wochen die Reinigung des Wohnzimmerfußbodens.

Ehearbeit, die

1. In christlichen Kreisen verwendete Bezeichnung für die seelsorgerische Arbeit mit Ehepaaren zur Verbesserung der Beziehungsqualität, damit das vor Gott gegebene Eheversprechen "... bis dass der Tod uns scheide." nicht gebrochen werden muss.

zur Verbesserung der Beziehungsqualität, damit das vor Gott gegebene Eheversprechen "... bis dass der Tod uns scheide." nicht gebrochen werden muss.

2. Substantivische Kurzform der in der weltlich-paartherapeutischen Szene gebräuchlichen Formel "an der Beziehung arbeiten", mit der die Notwendigkeit beschrieben wird, sich nach Beendigung der Flitterwochen dem ehelichen Berufsalltag zu stellen. Zum Anforderungsprofil eines Ehearbeiters gehören: Teamgeist, Belastbarkeit, ein ausgezeichnetes Kommunikationsvermögen, respektvoller zwischenmenschlicher Umgang, fundierte Erfahrungen im Bereich Krisenmanagement und Public Relations, Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Flexibilität und Veränderungsbereitschaft, ein ausdauernder Leistungswille, regelmäßige psychologische Fortbildungen.

Familienehre, die

Die von der Umwelt tatsächlich oder angeblich gezollte Anerkennung, die den Mitgliedern einer Familie zuteil wird.

Die Ehre einer Familie kann auf ihrem sozialen Status oder ihrer kollektiven sittlichen Überlegenheit beruhen. Sobald anlässlich einer Vermählung Pläne bekannt werden, die Außenstehenden Anlass zu Zweifeln am materiellen Status der Familie oder ihrer sittlichen Überlegenheit geben könnten, werden aus Familienmitgliedern schnell Andersdenkende.

Meist aber gründet die Familienehre auf einem einfachen Ausschluss-Prinzip, das von den älteren Familienmitgliedern mit Sätzen wie "So etwas hat es bei uns nicht gegeben!" beschrieben wird.

Geschenke, die

Von den Hochzeitsgästen anlässlich der Vermählung präsentierte, eher hochpreisige Gaben.

Vom Standpunkt der Geschenke-Frage aus betrachtet ist es vorteilhaft, möglichst jung zu heiraten: Wer direkt vom WG-Zimmer ins Ehebett zieht, kann die traditionellen Hochzeitsgeschenke - Porzellan, Silber-Besteck, Küchengeräte, hochwertige Handtücher und Bettwäsche, Kerzenhalter - zur Vervollständigung seines bisher nur rudimentären oder ausschließlich aus IKEA-Beständen erworbenen Hausrates tatsächlich gebrauchen.

Gelingt es dem Brautpaar, die Gäste glaubhaft davon zu überzeugen, dass das junge Glück in finanziell prekären Verhältnissen lebt, so gilt auch der Wunsch nach Bargeld als statthaft - und wird von den zum Schenken Verpflichteten sogar oftmals mit Erleichterung aufgenommen. Statt sich über originelle Geschenke den Kopf zu zerbrechen, müssen sie nur noch eine originelle Geschenkdarbietung erfinden, zum Beispiel: dem Brautpaar ein Sieb überreichen, mit dem es die tausend 10-Cent-Stücke aus einer mit Sand gefüllten Badewanne sieben kann.

Wenn dagegen zwei Menschen, die bereits alles haben, was der Mensch zum Leben braucht, sich zu einem Hochzeitspaar zusammentun und fortan alles doppelt haben, was man zum Leben braucht, fällt den geschenkemäßig nicht eindeutig instruierten Gästen oft nur noch der Griff zu dem ein, was garantiert kein Mensch jemals braucht: Nudelmaschinen, Tischstaubsauger, Bowle-Schalen, lustig bedruckte Grill-Schürzen, Eis- und Popkornmaschinen, Etageren, elektronische Bratenthermometer.

Hochzeitsnacht, die

Der sich an die abendliche Hochzeitsfeier anschließende, von zahlreichen Mythen umrankte Zeitraum zwischen zirka 5 bis 9 Uhr morgens, zu dem sich das jungvermählte Paar auf sein Zimmer zurückzieht, um in einen komaähnlichen Schlaf zu fallen. Berichte des Brautpaares, laut denen es in der Hochzeitsnacht zu sexuellen Handlungen gekommen sein soll, dienen der privaten Legendenbildung und sollten wohlwollend aufgenommen, aber keinesfalls geglaubt werden.

Insel, die

Über den Wasserspiegel hinausragende, vollständig von Wasser umgebene Landmasse, daher Sinnbild für Abgeschiedenheit, Abenteuer und Alltagsferne.

1. Insofern beliebtes Hochzeitsreiseziel für besonders romantisch veranlagte Paare, die den offiziell beglaubigten Zustand der Zweisamkeit zelebrieren möchten.

2. Insofern beliebtes imaginäres, gelegentlich reales Fluchtziel für besonders desillusionierte Partner, die nach gescheiterter Ehearbeit dem offiziell beglaubigten Zustand der Zweisamkeit zu entkommen wünschen.

Junggesellenabschied, der

Vor der Hochzeit stattfindende, fröhlich verpackte Trauerfeier, veranstaltet von Freundinnen der Braut, bzw. Freunden des Bräutigams, um gemeinsam ein letztes Mal die - alsbald im finsteren Verlies der Ehe schmachtende - Sau herauszulassen.

Kirche, die

Christliches Gotteshaus, meist bestehend aus einem Kirchturm und einem Kirchenschiff,

in dem ein langer Gang zwischen den Besucherbänken zum Altar führt - hervorragend geeignet zum Präsentieren des Brautkleides. Wegen seiner festlichen Atmosphäre und des dort erhältlichen himmlischen Segens auch unter kirchenfernen Brautleuten beliebte Trauungs-Kulisse. Brautpaare, die mit kirchlichen Ritualen wenig vertraut sind, sollten beachten:

1. Wer Wert auf einen originellen Trauspruch legt, sollte nicht "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1. Johannes 4, 16) wählen.

2. Erröten während des Trauungs-Gottesdienstes erspart sich, wer zuvor das Vaterunser auswendig lernt.

3. Beim Segen kniet das Brautpaar nieder, daher unbedingt die Preisschilder von den Schuhen entfernen.

Liebe, die

Eine vor allem in westlichen Kulturkreisen als unabdingbar betrachtete Voraussetzung für das Gelingen der Ehe.

Bei der Liebe handelt es sich um ein komplexes Gefühl, zu dessen einzelnen Bestandteilen unter anderem Zuneigung, Vertrauen, Treue, Respekt, Toleranz, Leidenschaft, Anteilnahme, Verantwortung, Verständnis, Bewunderung, Gewohnheit, gemeinsame Interessen und Ziele gehören können.

Die exakte Definition ist bis heute ungeklärt und kann von Paar zu Paar erheblich variieren. Für das Gelingen der Ehe ist es allerdings zweckmäßig, dass die Brautleute selbst eine möglichst ähnliche Vorstellung von Liebe haben.

Morgengabe, die

Geschenk, das der Bräutigam am Morgen nach der Hochzeitsnacht der Braut zu ihrer alleinigen Verfügung übergibt.

Nach altem deutschem Recht stand dieses Geschenk der Frau zu, um sie für den Fall der Witwenschaft abzusichern. Heutzutage ein nur noch selten praktizierter Brauch, der die gegenseitige Verbundenheit stärken und Glück bringen soll.

Zeitgemäße Morgengaben sind zum Beispiel:

1. Die schriftliche Zusicherung des Mannes, sich auch nach der Fortpflanzung partnerschaftlich an der Haus- und Erziehungsarbeit zu beteiligen.

2. Ein notariell beglaubigter Vertrag, der die Unterhaltsansprüche der Ehefrau im Falle der Trennung regelt - vor allem dann wenn sie plant, während der Familiengründungsphase länger als drei Jahre (vorwiegend) zu Hause zu bleiben.

Namenswahl, die

Die Entscheidung, wer nach der Hochzeit mit welchen Nachnamen weiter lebt.

Das deutsche Namensrecht sieht folgende Wahlmöglichkeiten vor:

1. Die Frau nimmt den Namen des Ehemannes an: Aus Eva Stock und Adam Sauer werden Eva und Adam Sauer.

2. Der Mann nimmt den Namen der Ehefrau an: Eva und Adam Stock.

3. Beide Eheleute behalten ihren Namen, müssen aber spätestens nach der Geburt eines Kindes den so genannten Familiennamen festlegen - also jenen Nachnamen, den alle gemeinsamen Kinder tragen: Eva Stock und Adam Sauer sind die Eltern von Kain und Abel Stock. Oder: Eva Stock und Adam Sauer sind die Eltern von Kain und Abel Sauer. Ein Doppelname, gebildet aus dem Namen der Mutter und dem Namen des Vaters, ist nicht möglich: Eva Stock und Adam Sauer können ihre Kinder nicht Kain und Abel Stock-Sauer nennen.

4. Die Ehefrau nimmt den Namen ihres Ehemannes an, bestimmt ihn damit zum Familiennamen, der an die gemeinsamen Kinder weitergegeben wird - und stellt ihren Geburtsnamen dem Familiennamen voran: Eva Stock-Sauer und Adam Sauer sind die Eltern von Kain und Abel Sauer.

5. Die Ehefrau nimmt den Namen ihres Ehemannes an und stellt ihren Geburtsnamen dem Familiennamen nach: Eva Sauer-Stock und Adam Sauer sind die Eltern von Kain und Abel Sauer.

6. Der Ehemann nimmt den Namen der Ehefrau an und stellt seinen Geburtsnamen dem Familiennamen voran: Eva Stock und Adam Sauer-Stock sind die Eltern von Kain und Abel Stock.

7. Der Ehemann nimmt den Namen der Ehefrau an und stellt seinen Geburtsnamen dem Familiennamen nach: Eva Stock und Adam Stock-Sauer sind die Eltern von Kain und Abel Stock.

Aus der Namenswahl meinen viele Außenstehende Rückschlüsse auf die Beziehungsbalance des Paares ziehen zu können, daher handelt es sich um einen Akt von hoher symbolischer Bedeutung. Brautleute, die sich gegen die traditionelle Namenswahl (die Frau nimmt den Namen des Ehemannes an) entscheiden, müssen nach wie vor damit rechnen, dass ihre Entscheidung hyperkritische, zum Teil archaische Reaktionen provoziert Andersdenkende, Familienehre - vor allem dann, wenn auch die Kinder nicht den Namen des Mannes tragen sollen.

Oldtimer, der

Wegen seiner im Straßenverkehr seltenen und darum auffälligen Optik wird der Oldtimer gerne als Hochzeitsauto gewählt.

Wer im Oldtimer zur Trauung und von der Trauung zum Festort gefahren werden möchte, jedoch nicht selbst über einen Oldtimer verfügt, sollte sich beizeiten um einen guten Bekannten mit Oldtimer bemühen. Oldtimer-Clubs in Ihrer Nähe finden Sie im Internet.

Ersatzweise kann bei den Eltern Auskunft darüber eingeholt werden, ob sich unter den entfernten Verwandten ein auf dem Lande lebender, bäuerlich sozialisierter, geiziger Großonkel befindet: Viele dieser Großonkel bewahren im Schuppen oder in der Scheune ihren ersten Mercedes auf. Selbst wenn der Mercedes nur 20 Jahre alt ist, lohnt sich die Kontaktaufnahme: Die so genannten Youngtimer gelten in Kennerkreisen als geschmackvolle Alternative zum Oldtimer.

Pralinenhochzeit, die

Ausdruck für eine Hochzeit, bei der die Braut "gefüllt", also schwanger ist.

In moralisch restriktiven Gesellschaften war und ist der Typus der "bewussten Pralinenhochzeit" verbreitet, bei der die Brautleute sich kurzfristig zur Heirat entschließen (müssen), weil das vorehelich gezeugte Kind in geregelte Verhältnisse geboren werden soll.

Bei der heute sehr viel häufiger vorkommenden "fahrlässigen Pralinenhochzeit" verhält es sich umgekehrt: Angesichts einer nach Jahre langem Abwägen beschlossenen Hochzeit verfällt das Paar in eine euphorisch-fatalistische Haltung ("Jetzt ist sowieso alles scheißegal!)", die zur beiderseitigen Unachtsamkeit hinsichtlich der Verhütung führt, so dass noch während der Festvorbereitungen eine Schwangerschaft eintritt.

Während die zukünftigen Großeltern auf die Ankündigung einer "fahrlässigen Pralinenhochzeit" meist ekstatisch reagieren, wird die Freude der schwangeren Braut durch folgende kleinere Unannehmlichkeiten überschattet:

a) Sie muss damit rechnen, dass das im vierten Schwangerschaftsmonat erworbene Brautkleid am Tag der Hochzeit nicht perfekt sitzt.

b) Sie muss während des Hochzeitsfestes den Mutterpass und eine notariell beglaubigte Kopie der Anmeldung zur Eheschließung mit sich führen, um jederzeit belegen zu können, dass die Zeugung des Kindes nach dem standesamtlichen Aufgebot erfolgte - ihr Eheversprechen also nicht auf pragmatischen, sondern romantischen Erwägungen gründet.

c) Sie muss ihre eigene Hochzeit stocknüchtern überstehen.

Quiz, das

Heiteres öffentliches Ratespiel - gerne veranstaltet als Festbeitrag im Rahmen der so genannten "Hochzeitsspiele".

Die beliebteste Quizform ist die, bei der das Brautpaar Fragen zur gemeinsamen Vergangenheit oder zum eigenen Beziehungsalltag beantworten muss, ohne sich abstimmen zu dürfen. Meist neigen die aus dem Freundeskreis stammenden Quizveranstalter aus einem anlassbedingten Harmoniebedürfnis dazu, dem Brautpaar wenig brisante Fragen vorzulegen, zum Beispiel: "Wer räumt die Spülmaschine öfter aus?", "Wie viele Minuten muss das perfekte Frühstücksei kochen?" oder, im gewagtesten Falle, "Licht aus oder Licht an?"

Dabei sollte, wer professionell unterhalten und die Aufmerksamkeit wirklich aller Gäste - auch nach dem vierten Gang des Festmenues - erregen möchte, sich nicht scheuen, die wirklich interessanten Themen jeder Beziehung anzusprechen: "Was hält er von Eva Herman?", "Ihre kühnste erotische Phantasie?", "Zu wie viel Prozent kann sie sich darauf verlassen, dass er tatsächlich, wie behauptet, als erster Abteilungsleiter seines Unternehmens ein ganzes Jahr Elternzeit nehmen wird?", "Was hält sie von seiner Mutter?" oder "Ist einer von euch schon einmal fremdgegangen?"

Rückenmassage, die

Bei der klassischen Rückenmassage wird der weibliche Nacken-, Schulter und Rückenbereich mindestens 15 Minuten von den Händen des Mannes geknetet.

Die stabilisierende Wirkung, die die regelmäßige klassische Rückenmassage auf die Ehe hat, wird von der großen Mehrheit der Männer erschreckend unterschätzt. Hier herrscht nach einhelliger Meinung aller Ehefrauen ein immenser Aufklärungsbedarf:

Die Expertinnen schätzen, dass rund ein Drittel aller Trennungen vermieden werden könnten, wenn Ehemänner das Flehen ihrer Ehefrauen nach einer Rückenmassage wenigstens einmal wöchentlich erhören würden. Denn: Schnurrende Frauen nörgeln nicht. Inzwischen hat auch das Bundesfamilienministerium Handlungsbedarf erkannt und plant eine Kampagne unter dem Motto "Kneten statt Knatsch". Kernbotschaft der Kampagne: Die Hand am Nacken erspart den Gang zum Paartherapeuten.

Schwiegermutter, die

Ältere Frau, von emotionalen Verlustängsten geplagt, die sich in dem Irrglauben äußern, der Sohn sei ohne mütterlichen Beistand nicht überlebensfähig.

Beispielhafte Symptome: Vorwurfsvolles Korrekturzupfen am Krawattenknoten des Bräutigams drei Minuten vor der Trauung, an die Schwiegertochter gerichtete Vorträge über verborgene Eigenheiten ihres zukünftigen Mannes ("Schon als Kind hat er darauf bestanden, nur gebügelte Frotteeunterhosen zu tragen."), an den Sohn gerichtete Beileidbekundungen: "Um Gottes Willen, nichts gegen die Gleichberechtigung, man kann die Zeit nicht zurück drehen - aber dein Vater hat es schon auch genossen, dass das Essen auf den Tisch stand, wenn er nach Hause kam."

Jedoch zeigt sich im Verlauf der Ehe oft, dass die Schwiegermutter besser ist als ihr Ruf. Spätestens dann, wenn die Schwiegertochter ihr ein Enkelkind gebiert und ihr eine tragende Nebenrolle bei dessen Aufzucht und Pflege gewährt, überwinden die meisten Schwiegermütter ihren durch Kindesentzug verursachten Schmerz und verlagern ihre mütterlichen Energien auf den jüngsten Familienzuwachs.

Trennung, die

Erster Schritt auf dem Wege zu einer späteren formal-juristischen Auflösung der Ehe.

Über die Hälfte aller deutschen Ehepartner werden zur Zeit durch eine Scheidung zum Ex-Ehepartner gemacht. Das erfolgreiche Ignorieren dieser Statistik, bzw. der feste Glaube daran, zur einer Minderheit zu gehören, ist Voraussetzung für den Entschluss zu heiraten.

Unterwäsche, die

Unter dem Brautkleid zu tragende, nur durch den Bräutigam zu besichtigende Kleidungsstückchen - üblicher Weise in weiß gehalten, oft mit Spitze versehen. Dessous-Anbieter haben die Kategorie der "Hochzeitswäsche" erfunden, die sich durch wenig mehr Merkmale von anderen weißen Dessous unterscheidet als durch einen vergleichsweise hohen Preis und die Betonung des Attributs "verführerisch".

Erfahrene Bräute wissen jedoch, dass man auf der eigenen Hochzeit nur ausnahmsweise Zeit und Energie zum Verführen hat, so dass die perfekte Hochzeitswäsche sich in erster Linie durch tadellosen Sitz und hohen Tragekomfort auszeichnet.

Verwandten, die

Oberbegriff für all jene Personen, zu denen man länger als drei Jahre keinen oder kaum persönlichen Kontakt hatte, die man aber dennoch zur Hochzeit einlädt, um familiären Konflikte zu vermeiden.

Bei der Zubereitung der Gästeliste richte man sich, wenn irgend möglich, nach der Salatsoßen-Faustregel: Wie bei der klassischen Essig-Öl-Vinaigrette sollte das Mischungsverhältnis von Verwandten und Freunden maximal eins zu drei betragen. Versuche der Eltern, alte Nachbarn und eigene Kindergartenfreunde in den Kreis der Festgäste einzuschleusen, dürfen brüsk abgewehrt werden, zum Beispiel mit der Bemerkung: "Dann kannst du Frau Redewisch und Herrn Koslowski auch gleich noch zu meiner Beerdigung bitten."

Eine beliebter Kompromiss ist die Einladung ferner Bekannter zum an die Trauung anschließenden Empfang, auf dem Frau Redewisch und Herr Koslowski Glückwünsche und Geschenke abgeben und mit preisgünstigen Häppchen und einem Glas Sekt ruhig gestellt werden können.

Weiß, das

Häufigste, weil traditionelle Farbe der Brautbekleidung

Weiß, die Farbe der Unschuld, symbolisiert - ebenso wie der Schleier - die Jungfräulichkeit der Braut, darf jedoch in liberalen Gesellschaften auch dann getragen werden, wenn die zu Vermählende als Frau mit Vergangenheit gilt. Ab der zweiten Hochzeit - also dann, wenn die Vergangenheit amtlich dokumentiert worden ist - verzichten die meisten Bräute allerdings auf das Tragen eines weißen Kleides, selbst dann, wenn sie am Ende ihrer letzten Ehe keuscher gelebt haben als jemals zuvor in den Jahren seit der Pubertät.

In modebewussten Kreisen tendieren Bräute eher zu cremefarbenen Kleidern. Die pragmatische Braut wählt ein Kleid schlichteren Schnittes, das ihr erlaubt, sich selbst davon zu überzeugen, dass man es nach der Hochzeit färben und zum Abendkleid umfunktionieren könne - eine Absicht, die es ihr einerseits erleichtert, dem Brautausstatter mehrere hundert bis tausend Euro in den Rachen zu schmeißen, die aber andererseits mit 99-prozentiger Sicherheit niemals in die Tat umgesetzt wird.

Die Schicksale von Brautkleidern ähneln sich: Zunächst hängt es, falls nicht schon früher aus Gründen der Erinnerungshygiene entsorgt, cirka zehn Jahre im Kleiderschrank. Dann ruft die inzwischen geborene und sprechtüchtige Tochter eines Tages: "Wie hast du eigentlich als Braut ausgesehen, Mama?" Mama schlüpft in das Kleid, bleibt, sofern die Nähte nicht sogleich platzen, entweder stecken oder stellt fest, dass der Reißverschluss nicht mehr zu schließen ist - ein Umstand, der ihr das eben noch ihre Lippen umspielende romantisch-sentimentale Lächeln schlagartig aus dem Gesicht zaubert.

Mama sagt: "Man soll der Vergangenheit nicht hinterher weinen, was zählt ist die Zukunft!" Mama schenkt ihrer Tochter das Brautkleid, um damit Prinzessin zu spielen. Das Brautkleid landet in der Verkleidungskiste, von dort aus erreicht es ein paar Jahre später erfolgreich seine eigentliche Bestimmung: die Altkleidersammlung.

Xylophon, das

Ein zur Familie der Stabspiele gehörendes, für die musikalische Begleitung eines Hochzeitsfestes eher ungeeignetes Instrument.

Brautpaare, die ihre Gäste zum Tanzen bringen möchten, sollten auf das Engagement eines erfahrenen, massentauglichen DJs achten und dabei auf keinen Fall die Empfehlungen von ernsthaft musikinteressierten Freunden berücksichtigen, deren intime Kennerschaft sich häufig in einem Faible für abseitige Musikstile zeigt: Das Stunden lange Abspielen von kenianischem Experimental-HipHop, ostdeutscher Oppositions-Songs, Südstaaten-Dixie der 40er Jahre oder nepalesischen Klangschalensymphonien führt erfahrungsgemäß zum vorzeitigen Zubettgehen größerer Gästescharen.

Besser geeignet für die extrem heterogene Zielgruppe einer herkömmlichen Hochzeitsgesellschaft ist der übliche Mainstream-Mix aus Schlagerparade, Soul und Pop-Charts, gewürzt mit unbekannteren Tanzstücken. Paare, die ein Fest gänzlich ohne Musik und Tanz planen, müssen darauf gefasst sein, dass Dritte die Sache in die Hand nehmen: Die Autorin weiß von einer Hochzeit, auf der gegen 23 Uhr ein Großonkel der tanzunlustigen Braut mit den Worten "Liebes Brautpaar, lasst euch sagen: Zu einer richtigen Hochzeit gehört Musik! Und das ist mein Geschenk!" einen niedersächsischen Alleinunterhalter begrüßte, der den Rest des Abends mit der Polonaise Blankenese von Gottlieb Wendehals einleitete.

Yes, das

Englisch für "Ja". Fremdsprachliche Mindestanforderung für die Liebe im globalen Zeitalter.

Zweifel, der

Die innere Neigung, getroffene Entscheidungen, bzw. scheinbar Unabänderliches in Frage zu stellen.

Zweifel treten häufig umso stärker auf, je näher der Hochzeitstermin rückt und je stärker die Betroffene zu Perfektionismus neigt. Sie werden von Angstgefühlen und Schlaflosigkeit begleitet, die sich im Einzelfall bis zu Panikattacken steigern können.

Zu unterscheiden ist

a) der Zweifel am perfekten Gelingen des Hochzeitsfestes und

b) der Zweifel am perfekten Gelingen der bevorstehenden Ehe. In besonders dunklen Augenblicken beziehen sich die Angst auslösenden Zweifel auf beide Punkte. Während Zweifel am perfekten Gelingen des Hochzeitsfestes mit der Hochzeit selbst in einen Zustand der Überflüssigkeit oder Gewissheit übergehen, gehört der Zweifel am perfekten Gelingen der Ehe fortan zum Alltag des Paares. Bei einem günstigen Eheverlauf kann er als belebendes Element in die Beziehung integriert und immer wieder überwunden werden. Bei einem ungünstigen Eheverlauf gewinnt der Zweifel schließlich die Oberhand.

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