Weiß, das

Häufigste, weil traditionelle Farbe der Brautbekleidung (Unterwäsche):

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http://www.brigitte.de/liebe/heiraten/hochzeit-lexikon/index.html

Weiß, die Farbe der Unschuld, symbolisiert - ebenso wie der Schleier - die Jungfräulichkeit der Braut, darf jedoch in liberalen Gesellschaften auch dann getragen werden, wenn die zu Vermählende als Frau mit Vergangenheit gilt. Ab der zweiten Hochzeit - also dann, wenn die Vergangenheit amtlich dokumentiert worden ist - verzichten die meisten Bräute allerdings auf das Tragen eines weißen Kleides, selbst dann, wenn sie am Ende ihrer letzten Ehe keuscher gelebt haben als jemals zuvor in den Jahren seit der Pubertät.

In modebewussten Kreisen tendieren Bräute eher zu cremefarbenen Kleidern. Die pragmatische Braut wählt ein Kleid schlichteren Schnittes, das ihr erlaubt, sich selbst davon zu überzeugen, dass man es nach der Hochzeit färben und zum Abendkleid umfunktionieren könne - eine Absicht, die es ihr einerseits erleichtert, dem Brautausstatter mehrere hundert bis tausend Euro in den Rachen zu schmeißen, die aber andererseits mit 99-prozentiger Sicherheit niemals in die Tat umgesetzt wird.

Die Schicksale von Brautkleidern ähneln sich: Zunächst hängt es, falls nicht schon früher aus Gründen der Erinnerungshygiene (Trennung) entsorgt, cirka zehn Jahre im Kleiderschrank. Dann ruft die inzwischen geborene und sprechtüchtige Tochter eines Tages: "Wie hast du eigentlich als Braut ausgesehen, Mama?" Mama schlüpft in das Kleid, bleibt, sofern die Nähte nicht sogleich platzen, entweder stecken oder stellt fest, dass der Reißverschluss nicht mehr zu schließen ist - ein Umstand, der ihr das eben noch ihre Lippen umspielende romantisch-sentimentale Lächeln schlagartig aus dem Gesicht zaubert.

Mama sagt: "Man soll der Vergangenheit nicht hinterher weinen, was zählt ist die Zukunft!" Mama schenkt ihrer Tochter das Brautkleid, um damit Prinzessin zu spielen. Das Brautkleid landet in der Verkleidungskiste, von dort aus erreicht es ein paar Jahre später erfolgreich seine eigentliche Bestimmung: die Altkleidersammlung.

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