Die 80er - gut, dass sie vorbei sind!

Die 80er sind zwar seit 20 Jahren vorbei, aber derzeit wieder omnipräsent. Muss das sein, fragt sich unsere genervte Kolumnistin.

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Neulich habe ich einen schwarzen, aufgemotzten Ford Irgendwas auf der Autobahn überholt, dessen Fahrer der Welt etwas zu sagen hatte. Nicht etwa "ABI 2005" oder "Emma und Kevin auf Tour" oder schlicht "JÄGERMEISTER", sondern "Back to the 80ies". Aha.

Sofort fühlte ich mich in das schwärzeste Jahrzehnt meines Daseins zurückversetzt, was mich augenblicklich in tiefe philosophische Gespräche mit mir selbst und dann in einen Zustand ratloser Wut stürzte. In Gedanken fing ich an, das gegenwärtige Leben im Jahr 2009 nach weiteren Retrophänomenen zu durchforsten und wurde fündig! Überall! Achtziger-Mottoparties, Bücher über die 80er, Florian Illies romantischer Blick auf mein finsteres Mittelalter, die Hits der 80er im Radio, im Fernsehen, bei iTunes, im Cassettendeck meiner Mutter.

Warum? Warum, frage ich laut und ohne Angst, will mich eigentlich scheinbar jeder, der die Möglichkeit hat, seine Meinung kundzutun (und das sind im Zeitalter des Internets und der Flatrateparties leider unzählige, definitiv aber ZU VIELE Menschen), in diese gruselige Zeit zurückzuschubsen? Und warum fragt mich eigentlich keiner, ob ich das überhaupt will?

Hier eine Zusammenfassung meiner persönlichen Achtziger Jahre: Auf meiner erbarmungslosen Suche nach der eigenen Identität habe ich mir in den 80ern: die Haare abrasiert (wie Robert Smith von The Cure), die Haare wieder wachsen lassen, eine Dauerwelle verlangt und bekommen, mich täglich neu verliebt, mich täglich neu entliebt. Mein gebrochenes Herz mit Batida de Coco oder Grüner Banane (GROSSER GOTT! Ich glaube, das tut man heute ins Spritzwasser vom Auto...) vermeintlich geheilt, mir meine Füße mit spitzen Schnabelschuhen ruiniert, mir meine Füße mit indiskutablen Cowboystiefeln verunstaltet, sechs Cheeseburger bei McDonald's gegessen, weil es neu war und man den Dreck praktisch bei jedem Besuch absorbiert hat, weil es sich so schrecklich international angefühlt hat.

Ich habe mir die Augen zu Musik von den Smiths ausgeheult, meine Eltern verflucht, George Michael für hetero gehalten und angebetet, mit Make-Up und blauer Wimperntusche experimentiert und getanzt, indem ich vor und zurück gelaufen bin. Ich zog mir die Jet-Set-Jeans bis unter die Achseln und trug dazu neongelbe Regenjacken von ELHO. Hieß doch so, oder?

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  • Text: Kathie Kleff
Letzte Kommentare
  • Karla
    am 07.04.09 um 21:11
    Ich fand mein "Pubertätsjahrzehnt" auch ein Stück weit ätzend ... aber da muß man halt durch, egal, ob es sich um die 70er, 80er, 90er oder sonstwas handelt. Man kann doch die 80er nicht rundumverteufeln, nur, weil man da pubertierte....
  • Jetlag
    am 10.02.09 um 08:49
    Ich lege manchmal hobbymäßig Musik auf und muss sagen, dass 80er immer gut ankommt. Auch bei den jüngeren heutzutage. Die 80er haben eine Fülle an Evergreens hervorgebracht, was man von den 90ern und auch den letzten 10 Jahren nicht gerade behaupten kann (viele Eintagsfliegen dabei).

    Die 80er waren auch noch nicht so dominiert von Computer-Games, Spielekonsolen, omnipräsentes Medienspektakel. Da traf man sich noch persönlich und ein Radiorekorder für die Hintergrundmusik reichte, anstatt dass jeder allein zu Hause hockt, sich mit dem 5.1-Surround-System zudröhnt und ein "Treffen" nur noch via Netzwerkspielchen, ICQ oder in Internet-Foren stattfindet.

  • zwerg40
    am 06.02.09 um 14:33
    Das, was Sie bejammern, war doch gerade das Tolle an den 80er Jahren: Wir waren mehr oder weniger frei vom Modediktat + haben alles mögliche ausprobiert, was Frisuren + Kleidung anbelangt, um von den häßlich-gräßlichen 70ern wegzukommen. Wann hatte man jemals so viele Möglichkeiten, seinen eigenen Stil zu finden? Ich rede jetzt nicht von Leggings, Dirty Dancing oder Modern Talking, die LEIDER immer wieder erwähnt werden, aber gucken Sie sich doch einmal die heutige junge Generation an: Alle sehen irgendwie gleich aus, lassen sich Mode + Musikgeschmack von den Medien diktieren, total langweilig! In meiner Jugend in den 80ern haben wir nicht nur aus Geldmangel unsere Klamotten selbst geschneidert oder kreativ aufgepeppt, sondern um uns von der breiten Masse zu unterscheiden. Das findet heutzutage leider nur noch in Form von unästhetischen Gesichts-Piercings statt. Und die Musik von The Smiths hat mich bis heute geprägt, etwas Vergleichbares hat es danach nie wieder gegeben, echt
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