Angst ist der Motor für Erfolg
BRIGITTE: Herr Professor Bandelow, derzeit haben viele Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit. Was hilft, wenn Sorgen überhandnehmen und wir uns nur noch fragen: Bin ich eigentlich gut genug für den Job?
Borwin Bandelow: Ich empfehle eine Realitätsprüfung: Überlegen Sie, ob Sie von allen Mitarbeitern wirklich derjenige sind, der am pfuschigsten arbeitet. Gerade Frauen schätzen sich häufig falsch ein. Fast immer haben genau die Leute am meisten Angst, die beim Chef gar nicht auf der Liste stehen: die, die aus Angst vor Fehlern sowieso alles richtig machen.
BRIGITTE: Und wenn alle entlassen werden?
Borwin Bandelow: Ich rate zu einem wohldosierten Fatalismus. Wo meine Ängste nichts bewegen können, blockieren sie mich nur. Es macht keinen Sinn, sich darüber zu grämen. Angst ist ein guter Motor, aber ein schlechter Ratgeber. Wenn Sie tatsächlich gekündigt werden, überlegen Sie, ob das wirklich die ganz große Katastrophe ist. Wir neigen dazu, immer genau den Job toll und unersetzlich zu finden, den wir gerade haben, obwohl das objektiv vielleicht gar nicht zutrifft.
BRIGITTE: Ganz schön schwierig, so sachlich mit der eigenen Angst umzugehen.
Borwin Bandelow: Dann besorgen Sie sich ein paar neue Ängste.
BRIGITTE: Wie bitte?
Borwin Bandelow: Machen Sie, was Sie sich noch nie getraut haben: Tango tanzen, Skateboard fahren, einen Mann in der Kneipe ansprechen. Blamieren Sie sich. Haben Sie Angst! Ich bin neulich schlittschuhlaufen gegangen, obwohl ich das nicht kann. Immer schön nach vorn gebeugt, damit ich nicht auf den Hinterkopf falle.













