Was tun mit Ex-Freunden?

Kann man sie in Schubladen einsortieren? Die Künstlerin Claire Lenkova hat genau das in ihrem Buch "Alle meine Freunde" gemacht. Ein Interview über Ehrlichkeit und Freundschaften.

  • 0 Kommentare
  •  
  •  

Eine ordentliche Ablage hilft bei der nächsten Steuererklärung. Oder bei der Suche nach dem Garantieschein für die Waschmaschine, die gerade mal ein Jahr alt ist und schon kaputt. Freundschaften hingegen sind oft zu unhandlich, um sie zwischen den Deckeln eines Aktenordners abzuheften.

"Alle meine Freunde" von Claire Lenkova, erschienen bei Kunstmann

"Alle meine Freunde" von Claire Lenkova, erschienen bei Kunstmann

Claire Lenkova hat trotzdem genau das getan und nach dem "Alle meine Freunde"-Prinzip Freunde und Bekannte katalogisiert. Auf Karteikarten hat sie Erinnerungsschnipsel und Steckbriefe über diejenigen zusammengestellt, die ihr im Gedächtnis geblieben sind. Statt Nichtigkeiten wie Lieblingsfarbe/ Lieblingsessen/ Lieblingsband, wie man sie aus den eigenen Freundschaftsbüchern kennt, sind die Karteikarten weniger wohlmeinend und damit umso aussagekräftiger: Den Geruch und Dialekt eines Freundes/ einer Freundin hat Claire Lenkova dokumentiert, den Trennungsgrund katalogisiert.

Wie sie auf die Idee gekommen ist und was sie über Freunde und Freundschaft denkt, erzählt Claire Lenkova im Interview.

BRIGITTE.de: Haben Sie schon Exemplare von "Alle meine Freunde" an alle Ihre Freunde verschickt?

Claire Lenkova: Nein, warum auch? Der Titel ist durchaus ironisch aufzufassen... Es sind dort nicht nur Freunde drin, sondern Menschen, die ich gemocht oder geliebt habe, aber auch Leute, die mir einfach nur auf den Geist gingen. Verehrer, die glaubten, ich sei für sie die Richtige... Da wäre zum Beispiel der Inder, der mir einfach betrunken hinterherlief. Ich nahm ihn mit in meine Wohnung, einfach weil es mich reizt, herauszufinden, wie Leute ticken... Na ja, der Befund war in diesem Falle wenig spektakulär: Ich hatte lange blonde Haare und sollte deshalb mit ihm sofort schlafen. Ich hatte Mühe, ihn wieder aus meiner Wohnung zu bekommen...Oder der Gebissmann, der mein Opa hätte sein können und den ich bei meinem damaligen Nebenjob während des Abis kennengelernt hatte. Er nahm sein Gebiss im Restaurant heraus, fragte höflich, ob mich das störe und glaubte trotzdem noch, sich bei mir Chancen ausrechnen zu können.

Auf der nächsten Seite: "Kein Talent zur Unehrlichkeit"

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  • Interview: Inga Leister
    Fotos: Claire Lenkova/ Kunstmann
Letzte Kommentare
  • Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld unten.
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO