Das Geheimnis der Gelassenheit

Wie lässig wäre es, sich nicht so viel Druck zu machen - sich selbst und anderen. Das Leben wäre so viel leichter. Also, worauf warten wir noch? Gelassenheit kann man lernen. In der Liebe, im Job und in der Freizeit.

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Willkommen auf der Palme, ganz, ganz oben! An manchen Tagen reicht's schon, wenn der Stapel mit Unerledigtem vom Schreibtisch auf den Boden rutscht oder der zweijährige Sohn sich weigert, die Gummistiefel richtig herum anzuziehen. Leckt mich! Alle!

Es sind nicht nur Schicksalsschläge, die Menschen zermürben, sondern Alltagswidrigkeiten.
Daily hassles nennen das US-Psychologen. Sie reiben uns so auf, dass unsere emotionale Temperatur steigt. Das Resultat: Wir schaffen es immer weniger, Dinge geschehen zu lassen, die wir ohnehin nicht beeinflussen können. Ampel auf Rot? Bluthochdruckkrise! Der Liebste ist eine halbe Stunde zu spät dran? Stänkerstimmung!

Doch mangelnde Gelassenheit läutet einen seelischen Klimawandel ein. Gehetzte, ärgerliche oder ängstliche Menschen entwickeln einen Tunnelblick, der die Sicht versperrt auf die vielen Möglichkeiten, die das Leben sonst noch zu bieten hätte. Angespannte Versuchspersonen, die in einem Experiment einen Bildschirm beobachten sollten, nahmen nur noch die Vorgänge im Zentrum wahr. Sie waren nicht imstande, Bewegungen am Rande zu registrieren. Diese Sichtweise schränkt die Handlungsmöglichkeiten ein, gibt uns ein Lebensgefühl à la "Kaninchen vor der Schlange". Das macht sich gerade in Krisenzeiten wie diesen bemerkbar.

Gelassenheit bedeutet, Gefühle zuzulassen, aber auch beobachten zu können.

Heißt das, wir sollen uns Gefühle abtrainieren, bis wir auf einer Art emotionaler Nulllinie herumdümpeln? Mitnichten! Gelassenheit ist mehr: Es bedeutet, Gefühle zuzulassen, aber auch beobachten zu können. Dingen ihren Lauf zu lassen, ohne sie ständig zu beurteilen. Zu akzeptieren, dass wir nicht alles ändern können. Und ein kleines bisschen auch: sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. Fehlt es an Gelassenheit, ist das fast immer ein Hinweis darauf, nicht in der Gegenwart zu sein. "Wir leben erstaunlich große Teile des Tages in Tagträumen, Fantasiewelten", erklärt der Psychologe Heiko Ernst. Und wir tendieren dazu, fünf Dinge gleichzeitig zu tun, aus Zeitnot und dem größenwahnsinnigen Wunsch, alles zu kontrollieren. Dabei geht uns eine Fähigkeit verloren: achtsam zu sein, im Hier und Jetzt zu bleiben. Wem das gelingt, den stört ein bisschen weniger, was in der Vergangenheit geschehen ist und was in ferner Zukunft passieren kann. Auf vieles haben wir sowieso keinen Einfl uss.

Trotz aller Gelassenheit werden wir nicht verhindern können, dass uns das Leben gelegentlich überrollt. Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber du kannst lernen, auf ihnen zu reiten, lautet eine Yogi-Weisheit.

Wie das geht, zeigt unser Gelassenheits-Programm für die Bereiche Liebe, Freizeit und Job:

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  • Artikel vom 02.03.2009
  • Text: Anne-Bärbel Köhle
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE BALANCE 01/09