Dr. Maja Storch: "Sie können sich nicht falsch entscheiden"
BRIGITTE.de: Es gibt häufig kein sowohl als auch.
Dr. Maja Storch: Es gibt immer ein sowohl als auch.
BRIGITTE.de: Eine Frau wird schwanger. Sie überlegt, ob sie abtreiben soll. Da gibt es kein sowohl als auch.
Dr. Maja Storch: Auf den ersten Blick nicht, das stimmt. Und ganz am Schluss natürlich auch nicht. Es gibt aber Nuancen dazwischen. Ich würde diese Frau fragen: "Warum haben Sie ein ungutes Gefühl, wenn Sie daran denken, ein Kind zu bekommen?" Vielleicht hat sie Angst, eine schlechte Mutter zu sein. Vielleicht hat sie Angst um ihren Job. Vielleicht will der Vater nichts von dem Kind wissen, und sie traut es sich nicht zu, das Kind allein groß zu ziehen. Wenn ich weiß, was die schlechten Gefühle erzeugt, kann ich sehr wohl eine sowohl als auch Lösung finden.
BRIGITTE.de: Indem ich neue Möglichkeiten bedenke, die mir ein besseres Gefühl geben? Also: Ich bekomme das Kind, aber nicht unter den Bedingungen, die ich als zwangsläufig vorausgesetzt habe?
Dr. Maja Storch: Richtig. Die Frau, die Angst hat vor dem Alleinsein, ist vielleicht in einer WG mit einer Freundin gut aufgehoben. Entweder oder - so arbeitet der Verstand. Sobald sie aber mit dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis arbeiten, kommen Sie in die Sowohl-als-auch-Ebene. Die gemischten Gefühle, die Sie am Anfang als schwierig bezeichnet haben, helfen uns hier. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist. Und das hilft uns, kreative Lösungen zu finden.
Zur Person: Dr. Maja Storch, 51, ist Diplom-Psychologin, Psychoanalytikerin und Trainerin. Sie leitet das Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich, ein Spin-off der Universität Zürich und ist Autorin mehrerer Bücher. www.ismz.ch
Exklusiv für Brigitte.de-User: Hier lesen Sie einen Vorabdruck aus Maja Storchs neuem Buch "Machen Sie doch, was Sie wollen", das bei Huber erschienen ist (136 S., 17,95 Euro).














als "klug" oder konsequenterweise, auch wenn es hier nicht angesprochen wird, als "dumm" bezeichne: Ist doch eigentlich wurscht, oder? Ihrer eigenen Argumentation folgend müsste sie jedenfalls sagen: Es gibt keine falschen, nur dumme Entscheidungen. Super, das hilft weiter. Richtig ist, dass man sich für "falsche" oder "dumme" Entscheidungen nicht verdammen muss, denn was die "richtige" oder "kluge" Entscheidung war, bestätigt sich letzten Endes immer erst hinterher.