Diagnose manisch-depressiv

  • 34 Kommentare
  •  
  •  
In diesem Artikel:

Anfangs war sie vorsichtig: Die depressive Phase hatte begonnen. Er verließ das Haus nicht mehr, lag nur noch im Bett. Sie schaute sich das eine Woche lang an. Dann setzte sie sich an den Computer, suchte nach Selbsthilfegruppen, Erfahrungsberichten, Anlaufstellen. Der erste Schritt: Sie ließ sich bei der Justizvollzugsanstalt beraten, wie man die Schulden in den Griff bekommen kann. Daniela ist ein Rätsel, wie er es überhaupt geschafft hat, immer neue Kredite irgendwo rauszuleiern. In Zukunft wird ihm ein Berater zur Seite stehen, der sein Geld verwaltet. Markus wird nur ein Taschengeld zur freien Verfügung haben. Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. Aber Daniela hat ihm klar gemacht, dass sie mit den Geldangelegenheiten nicht direkt zu tun haben will, das wäre zu viel Verantwortung. Und er weiß, dass sich etwas ändern muss - für Daniela. Seit sieben Jahren macht er schon eine Gesprächstherapie. Der Therapeut hat ihm oft geraten, auch eine Neurologin aufzusuchen. "Ich habe ihn einfach genommen und bin zu einer Neurologin gefahren. Habe so lange bei der Sprechstundenhilfe insistiert, bis wir einen Termin bekamen. Bin mit ihm im Wartezimmer gesessen. Die Ärztin hat sofort verstanden. Sie hat ihm Medikamente gegeben, die nächsten Termine sind schon ausgemacht. Ich werde ihn vor der Arbeit hinbringen, nur nach der Arbeit muss er alleine zurück".

Daniela organisiert, plant und hilft ihrem Freund. Ihr eigenes Leben hat sie auf Eis gelegt. Wenn sie abends nach Hause kommt, ist sie ganz für ihn da. Was bei der Arbeit passiert ist, vergisst sie dann, nur er ist wichtig. Sie weiß: in dem Moment, wenn sie den Schlüssel im Schloss umdreht, beginnt sein Tag. Dann lebt er auf, breitet seine ganze Seele vor ihr aus, lädt alle trüben Gedanken ab: seine Angst, nie ein normales Leben führen zu können, ein Versager zu bleiben, nichts wert zu sein. Auch sie wird ihn irgendwann verlassen, fürchtet er manchmal, schließlich hat sie etwas Besseres verdient. "Mit Floskeln wie 'das wird schon' kann ich ihm natürlich nicht helfen. Ich versuche, seine Gedanken zu verstehen, mich ganz auf ihn einzustellen. Die Gespräche mit mir sind für ihn schon anstrengend" sagt Daniela. Aber sie hat auch Angst, etwas falsch zu machen. Im Internet findet sie zwar Ratschläge, aber die sind oft auch widersprüchlich. Irgendwo steht, dass es helfen kann, ein Tagebuch zu führen. Anderswo heißt es, das verleite in der Depression nur dazu, sich wieder und wieder sich mit den negativen Gedanken zu beschäftigen.

  • Julia Weidenbach
Letzte Kommentare
  • Andrea
    am 21.03.12 um 19:42
    Chinzano,

    ich kann dieses hin und hergerissen vollkommen nachvollziehen...
    Es kommt drauf an wie schwer er diese Krankheit hat. Ein geregelter Ablauf ist wichtig. Mein Vater ist selber Unternehmer und seid 14 Jahren MD. Gerade in der Anflugphase der Manie sind die Menschen sehr leistungsfähig nur wenn es drüber ist müssen sie in in Klinik und wieder medizinisch eingestellt werden.
    Viele berühmte Leute haben auch diese Krankheit. Fragen Sie ihn ob er einsichtig ist und wie er sich die Zusammenarbeit vorstellt.

    LG Andrea

  • Chinzano
    am 21.03.12 um 08:53
    hallo ,
    ich bin Arbeitgeber u steh im Moment mächtig zwischen 2 Stühlen.mein Mitarbeiter leidet unter dieser Krankheit.war die letzten 4 monate in der Klinik und möchte wieder an seinen Arbeitsplatz mit Eingewöhn-zeit die sich 6 wochen hinzieht.nun kreisen meine Gedanken u ich bin hin u hergerissen. Er macht seinen Job gut u menschlich ist alles im team ok.alle warten wieder auf Ihn.zwar ist ein Unternehmer kein Sozialamt u mein inneres sagt mir er braucht eine chanche wieder ins Arbeitsleben zurück.auf der anderen Seite brauch er sehr viel Aufmerksamkeit u kontrolle ob er seine Aufgaben richtig u ordnungsgemäß erledigt.weiterhin muß ich bei der Arbeitsverteilung berücksichtigen,welche Aufgaben ich ihm übertrage um ihn nicht zu überfordern,was sehr viel organisation nebenbei erfordert . welcher chef hat diese in dieser Wirtschaftslage.
    wer kann mir da Tip´s oder Erfahrung mitteilen.
    mfg Chinzano
  • BRIGITTE.de-Team
    am 29.11.11 um 11:09
    Liebe silwana,

    wir raten Ihnen, sich mit Ihren Fragen direkt an den behandelnden Arzt zu wenden. Er kann Ihnen am besten Auskunft geben.

    Viele Grüße
    Ihr BRIGITTE.de-Team

mehr (34)
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO