Offenheit: Wie viel darf ich über mich verraten?

Wer offen ist, wirkt authentisch. Und wer Geheimnisse hat, vertraut den anderen nicht. Denken wir. Doch wie viel Offenheit ist im Job und im Privatleben tatsächlich sinnvoll? 10 Fragen, 10 Antworten.

1. Ich bin gerade frisch verliebt, aber es ist kompliziert. Sollte ich so was im Büro diskutieren?

Gegenfrage: Was haben Sie denn davon? Eigentlich steckt dahinter doch eher der Wunsch, den anderen zu erklären, dass man unter Umständen im Moment nicht so viel leisten kann, weil die Seele mit anderen Dingen beschäftigt ist. Aber genau das ist Futter, das man den Kollegen nicht vorwerfen sollte. Fast alle Personalberater sind sich einig: Allzu persönliche Informationen haben im Büro nichts zu suchen. Beziehungskram ebenso wenig wie Krankheiten oder Probleme mit der Kindererziehung. Vorsicht deshalb auch bei privaten Telefonaten, bei denen Beziehungskrisen oder Familientragödien besprochen werden. Selbst sogar wohlmeinende Kollegen können sich ja nicht die Ohren zutackern - und hören mit, ob sie wollen oder nicht.

2. Aber die Probleme könnten sich doch auf meinen Beruf auswirken - sollte ich da nicht ganz offen sagen, was los ist?

So brutal es ist: Wer zu sehr zeigt, dass ihn ein privates Problem bedrückt, dem traut man auch beruflich weniger zu. Natürlich gibt es Situationen, in denen man erzählen sollte, was los ist - weil sich zum Beispiel absehen lässt, dass man Zeit braucht, sich um ein krankes Familienmitglied zu kümmern. In dem Fall ist es aber vernünftig, zu signalisieren, dass man das Problem organisatorisch im Griff hat und genaue Pläne, wie die nächste Zeit läuft, ohne dass der Job darunter leidet.

3. Gibt es denn so was wie eine Faustregel: Wie merke ich, dass ein Mensch vertrauenswürdig ist?

Ein paar Sachen verstehen sich ja irgendwie von selbst: Wenn man jemanden gerade erst kennengelernt hat, sollte man mit ihm oder ihr noch nicht jedes Problem bequatschen. Wann man dann was und wie viel erzählt, ist immer auch ein bisschen Risiko, denn eine Freundin soll einen ja genau da unterstützen, wo man sich schwach fühlt. Und das funktioniert natürlich nur, wenn wir etwas von uns preisgeben.

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  • Text: Anne-Bärbel Köhle
    Foto: iStockphoto.com
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