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Strategien gegen Stress

Kathrin Israel ist Grafikerin in einer Agentur. Arbeit ohne Hektik und Stress kennt sie nicht - Verspannungen und Schlafstörungen sind die Folge. Lesen Sie hier, was Experten ihr raten.

Die Ausgangssituation

Wann genau es mit den Beschwerden anfing und dem Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, daran kann Kathrin sich kaum noch erinnern. Lange her ist es in jedem Fall. Heute arbeitet sie als Grafikerin, hat viele Projekte, Zeitdruck, Stress. "Ich mache mir täglich einen inneren Ablaufplan für die Arbeit. Was ich wann erledigt haben muss. Das mache ich auch in der Freizeit. Wenn wir in den Urlaub fahren, schreibe ich vorher auf, was wir alles angucken müssen", erzählt sie.

Sie sitzt stundenlang am Computer, Nackenschmerzen sind ihr ständiger Begleiter. Sie hat Halskrausen getragen, Krankengymnastik gemacht, Tabletten zur Muskelentspannung geschluckt. Das hat die Schmerzen kurz gelindert, aber sobald Kathrin in alte Gewohnheiten verfiel, kamen sie zurück. Sie hat oft Kopfschmerzen, alle paar Monate auch Migräne. Nachts trägt sie eine Schiene, weil sie im Schlaf mit den Zähnen knirscht. Die ist nach einem Jahr durchgekaut. Kathrin sagt: "Nachts bin ich immer in Bewegung, werde stündlich wach und wandere durch die Wohnung."

Expertenrat der Psychologin

Ilona Wilhelms, Diplom- Psychologin beim Institut für Burnout-Prophylaxe, Hamburg* Kathrin hat zwei Seiten. Sie ist kontrolliert, ruhig und verantwortungsvoll. Aber da gibt es noch eine vitale Kathrin: dynamisch und beweglich, nicht nur körperlich, auch geistig. Diese Seite unterdrückt sie. Und um Teile von sich zu unterdrücken, braucht man viel Kraft. Das spannt an und sorgt in den Muskeln für Schmerzen.

Kathrin sollte ihre vitale Seite stärker ausleben: mit dem Rad zur Arbeit fahren, sich Gleichgesinnte für einen Gospelchor suchen, um in Balance zu kommen. Ob ihr das im Alltag gelingt, kann sie regelmäßig mit einer "Tageslaufanalyse" selbst überprüfen: Jede Tätigkeit eines Tages aufschreiben und bewerten, wie ihr diese gefallen, sie gestresst oder genervt hat. Die meisten Menschen wissen nämlich genau, was sie den Tag über machen, aber nicht, wie es ihnen damit geht. Mit dem Aufschreiben entlarvt Kathrin Stress-Faktoren und kann sie ändern.

* www.burnout-stop.de

Expertenrat der Akupunkteurin

Kim-Nicola Kuhlmann, Hamburg* Aus Sicht der chinesischen Medizin ist es wichtig, dass die Energie im Körper immer am Fließen ist. Sobald sie stagniert, kommt es zu Beschwerden wie Schmerzen und Verspannungen. Bei Kathrin manifestiert sich die Stagnation vor allem im Nacken. Sie wird durch mehrere Dinge verursacht: Stress und Zeitdruck, mangelnde Bewegung. Gerade die ist wichtig, weil sie auch das Qi, die Lebensenergie, in Fluss hält. Yoga täte Kathrin gut. Dabei bewegt sie sich und kommt geistig zur Ruhe, was ihr zu einer ruhigeren Arbeitsweise verhelfen kann. Und Kathrin könnte noch an ihrer Ernährung drehen: morgens z. B. ein warmes Frühstück.

Eine begleitende Akupunktur hilft, die Energie wieder in Bewegung zu bringen.

*www.komplementaere-medizin-hamburg.de

Expertenrat der Physiotherapeutin

Annika von Tluck, Reha am Kaifu, Hamburg* Kathrin ist eigentlich eine Großbaustelle. Ihre Nackenmuskulatur ist extrem angespannt, sie hat deshalb eine Schonhaltung eingenommen. Zum Teil kommt die Anspannung durch das lange Sitzen, zum Teil durch ihren Körperbau: Kathrin hat ein weiches Bindegewebe, ist sehr beweglich und instabil. Grundsätzlich muss man also die tiefen Muskeln stärken, um die Verspannungen zu lindern. Das geht nur durch gezieltes Muskelaufbautraining.

Zunächst müssen die Muskeln aber wieder locker lassen. Massagen sind eine unterstützende Maßnahme, Übungen eine andere. So geht's: Die Schultern zu den Ohren ziehen, 15 Sekunden halten, die Muskulatur wird dadurch noch mehr angespannt. Dann den Schultergürtel fallen lassen. So lernt die Nackenmuskulatur wieder, wie Entspannung sich überhaupt anfühlt.

*www.rehaamkaifu.de

... und das hat's gebracht

Nach einer Woche Während der ersten Tage wollte ich fast hinschmeißen. Nach der Massage bei der Physiotherapeutin, die mich eigentlich lockern sollte, fühlte sich jede Bewegung an, als würde jemand mit einem Messer in meinen Nacken stechen. Meine Übungen konnte ich nur ganz vorsichtig machen.

Was die Akupunktur angeht, war ich skeptisch. Ich hatte das mal wegen einer anderen Sache ausprobiert, ohne Erfolg. Beim ersten Termin wollte die Akupunkteurin alles über meinen Lebensstil wissen, denn sie berät mich auch in diesen Dingen. Während der Behandlung wäre ich beinahe eingeschlafen, so entspannt war ich. Das habe ich noch nie erlebt.

Am wenigsten konnte ich mir unter der Coach-Sitzung vorstellen. Zuerst haben wir über mögliche Stressfaktoren gesprochen, die als Ursachen in Frage kommen. Nicht nur die beruflichen, sondern auch die privaten. Letzteres gesteht man sich selbst oft gar nicht ein. Zur nächsten Sitzung sollte ich eine Stress-Skala anfertigen: was ich an einem Tag erledigt habe und wie sehr mich das gestresst hat. Seit ich das gemacht habe, bin ich sensibler für die Sachen, die ich so wegschaffe. Und mir ist aufgefallen, wie viel das ist!

Nach einem Monat Die Anspannung ist nicht plötzlich von mir abgefallen. Dafür leide ich schon viel zu lange darunter. Aber ich habe gelernt, besser damit umzugehen. Jede der drei Strategien hat ihre einzelnen Erfolge gebracht.

Meinem Nacken geht es deutlich besser, ich kann mich richtig bewegen. Das liegt auch daran, dass ich versuche, einmal am Tag die Übungen zu machen, die die Physiotherapeutin mir gezeigt hat. Früher habe ich den Schmerz eher ausgehalten, heute gehe ich die Beschwerden aktiv an.

Die Akupunktur hat so gut gewirkt, dass sogar die Physiotherapeutin bei unserem dritten Massagetermin die Fortschritte festgestellt hat. Die Akupunkteurin hat mir auch Bachblütentropfen gegen die Schlafstörungen empfohlen - seit einer Woche schlafe ich nun durch und fühle mich deshalb viel weniger geschlaucht. Nur ihre Ernährungstipps habe ich nicht befolgt. Ein warmer Brei zum Frühstück? Da wäre der Tag für mich sofort gelaufen. Die Akupunktur werde ich auf jeden Fall weitermachen, ich habe mir schon einen Termin geholt.

Ich versuche jetzt, mich privat wie im Job weniger unter Druck zu setzen. Das klappt nicht von heute auf morgen. Aber auf jeden Fall werde ich mein Freizeitverhalten ändern und meiner vitalen Seite mehr Freiraum geben. Ich fahre zwar nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit, weil mich das wieder unter Zeitdruck setzt. Aber es gibt ein Buch mit den schönsten Fahrradrouten rund um Hamburg. Das habe ich mir gekauft und die erste Route fürs nächste Wochenende schon herausgesucht. Mein Mann kommt sogar mit. Auf manche Dinge habe ich vielleicht auch verzichtet, weil sie ihn nicht so begeistert haben und ich Zeit mit ihm verbringen wollte. Seit meine vitale Seite von einer Außenstehenden erkannt und benannt wurde, habe ich das Gefühl, dass ich sie nicht mehr unterdrücken darf. Das ist ein großer Gewinn für mich.

Text: Angela Meier-Jacobsen Fotos: Max Missal, Olff Appold, defd, privat, plainpicture Ein Artikel aus der BRIGITTE WOMAN 02/09

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