Therapie: Hilfe für die Seele

Die Suche nach einem Therapeuten fällt vielen Menschen in der Krise schwer. Wir haben einige Tipps und Kontaktadressen zusammengestellt.

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Seit der Trennung von ihrem Freund verlässt Anja das Haus nur noch, wenn es unbedingt sein muss. Sie besucht die Vorlesungen an der Universität nicht mehr, den Kontakt zu Freunden und Bekannten hat sie abgebrochen. Jeder Einkauf kostet Überwindung, vor einem Besuch in der Bibliothek fürchtet sie sich wie vor einer Prüfung. Die Angst überkommt sie immer wieder ganz plötzlich: Herzrasen, Schwindel und das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Als Anja einen Brief von ihrem Professor erhält, warum sie nicht mehr ins Seminar komme, steht ihr Entschluss fest: Sie braucht einen Psychotherapeuten. Ein paar Straßen weiter ist eine Praxis, dort wird sie anrufen. Einige Stunden sitzt sie wie gelähmt vor dem Telefon, dann wählt sie die Nummer, ihr Herz klopft wie wahnsinnig, während es klingelt. Eine freundliche Anrufbeantworterstimme springt an - in den nächsten Monaten sei die Therapeutin vollkommen ausgebucht. Aus dem Telefonbuch sucht Anja die Nummer eines anderen Therapeuten heraus und erreicht ihn persönlich - aber wieder kein Termin in den nächsten Wochen. Anja kann nicht warten, sie braucht Hilfe, sofort.

So wie Anja ergeht es vielen Betroffenen, die einen Therapeuten suchen. Wer eine Empfehlung aus dem Bekanntenkreis hat, wird häufig enttäuscht. Denn es ist schwierig, überhaupt einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen. Die Versorgung ist bei weitem nicht flächendeckend. In vielen Städten ist das Angebot besser, denn dort sitzen die Weiterbildungsinstitute für Psychotherapeuten und Universitäten. Auf dem Land hingegen sieht es meist schlechter aus, insbesondere in Ostdeutschland gibt es viel zu wenig Therapeuten. Gerade Therapeuten mit Kassenzulassung haben oft monatelange Wartezeiten. Kinder- und Jugendtherapeuten sind in ganz Deutschland rar. Angesichts der wachsenden Zahl an Menschen mit psychischen Problemen wird sich die Situation wohl eher verschärfen. "In den nächsten Jahren wird es sicher keinen Zulassungsboom geben. Die Ausbildung ist lang und teuer, die Verdienstmöglichkeiten sind nicht besonders gut", gibt Dr. Frank Roland Dreister vom Verband der Vertragspsychotherapeuten zu Bedenken.

Wer einen Therapeuten sucht, muss deshalb viel Energie mitbringen - keine leichte Aufgabe, wenn so wie bei Anja jeder Griff zum Telefonhörer schon ein Kraftakt ist. Um einen Termin auszumachen, ruft man am besten vor der vollen Stunde an, also zwischen zwei Patiententerminen. Dann steigen die Chancen, jemanden persönlich zu erreichen. Weil die meisten Therapeuten ohne Sprechstundenhilfe arbeiten, hat man sonst oft nur den Anrufbeantworter in der Leitung. Viele Therapeuten sind überlastet, so kann man nicht unbedingt mit einem Rückruf rechnen. Falls der Therapeut eine Telefonsprechzeit anbietet, sollte man versuchen, ihn dann zu erreichen. Am besten Sie erkundigen sich bereits beim ersten Telefonat nach der Wartezeit.

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  • Julia Weidenbach und Constanze Löffler
    Artikel vom Mai 2005, aktualisiert im Mai 2007
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