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Als Marens* Lebensgefährte mit 36 Jahren an Krebs stirbt, ist ihre Freundin Karla* erfüllt von Trauer und Mitleid. Aber auch von Angst. Wie soll sie Maren begegnen? Wie soll sie sich verhalten? Wie vermeidet sie es, etwas Falsches zu sagen? Geht sie Maren auf die Nerven, wenn sie vorbeischaut? Lässt sie sie allein, wenn sie nicht vorbeischaut? Klingen Beileidsbekundungen nicht immer wie leere Floskeln? Wie kann sie ihr helfen in der schweren Zeit?
Wenn der Tod nicht zum Leben gehört
Die meisten Menschen sind mit der Trauer eines anderen überfordert, fühlen sich hilflos und unfähig. Vor allem dann, wenn sie bisher selbst wenig Erfahrung mit dem Tod gemacht haben. Dies ist hierzulande nichts Außergewöhnliches: Aufgrund des medizinischen Fortschritts werden viele Menschen erst spät mit dem Tod konfrontiert. In anderen, ärmeren Ländern gehört er zum Leben, zum Alltag. "Bei uns aber gibt es keinen allgemeinen Erfahrungsschatz mehr, was Trauer angeht", sagte Doris Dörrie einmal in der BRIGITTE. Die Regisseurin hat 1996 ihren Mann Helge Weindler verloren. "Nur wenige Menschen bei uns wissen, wie sich Trauer anfühlt." Um so radikaler zeigt ein Todesfall die eigenen Grenzen, die eigene Endlichkeit und die eigene Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen.
Es gibt keinen Trost, es gibt nur Beistand
Wer mit Trauer konfrontiert wird, sollte wissen: Es gibt keinen Trost, es gibt nur Beistand. Das Wichtigste, das man für einen Menschen im Trauerprozess tun kann, ist, da zu sein. "Nähe zeigen, ab und zu anklopfen, immer wieder kleine Einladungen platzieren", empfiehlt der freie Theologe Jochen Jülicher, der seit sieben Jahren in der Trauerbegleitung aktiv ist. Das Angebot, "Du kannst mich jederzeit anrufen" dagegen nützt gar nichts. Dieser Satz macht den Trauernden zum Bittsteller - in einer Situation, in dem es ihm unmöglich ist, auf andere Menschen zuzugehen. Viel besser ist die konkrete Ankündigung: "Ich ruf dich morgen wieder an!" oder "Ich komme Mittwoch wieder vorbei". Doris Dörrie bestätigt diese Erfahrung im Magazin chrismon: "Der Trauernde kann nicht anrufen, wenn er was braucht. Nein, man muss immer wieder selbst anrufen, auch hinnehmen, dass der Trauernde sagt: 'Ich kann jetzt nicht telefonieren', und dann trotzdem wieder anrufen."
Es kann auch helfen, konkrete Unterstützung anzubieten: Kann ich dir die Kinder abnehmen? Kann ich dir beim Einkaufen helfen? Sollen wir gemeinsam den Grabstein aussuchen? Wen laden wir zur Beerdigung ein?
Das Wichtigste: Da sein, nah sein
Präsent zu sein ist die wichtigste Aufgabe in der Trauerbegleitung. Dabei spielt es keine Rolle, wenn einem die vermeintlich richtigen Worte fehlen. "Jedes verrenkte Wort ... ist besser als gar keins. Und jede einfache Anwesenheit ist besser als keine Anwesenheit", betont Dörrie.
Eigentlich ist es nicht viel, was man tun muss: Dem anderen offen gegenüber treten, aufmerksam sein, zuhören und ehrlich sein. In der Regel sind spontane Reaktionen richtig, denn sie kommen von innen. Je nachdem, wie das Verhältnis zum Trauernden ist, können auch nonverbale Reaktionen helfen - den anderen fest in den Arm zu nehmen und zu drücken beispielsweise. Und keine Angst vor den Tränen zu haben. Dies hilft viel mehr als zu sagen: "Es war doch eine Erlösung" oder wenn ein Kind gestorben ist: "Du hast doch noch die anderen" oder "Das Leben geht weiter". Solche Worte will niemand hören. BRIGITTE-Redakteurin Beatrix Gerstberger war im sechsten Monat schwanger, als ihr Mann Gabriel Grüner auf einer Recherchereise im Kosovo erschossen wurde: "'Die Zeit heilt alle Wunden', 'Es wird schon wieder eine große Liebe geben' - solche Sätze habe ich als furchtbar empfunden." Einem Menschen, der trauert, sollte man auch nicht unbedingt die eigenen Erfahrungen überstülpen, etwa die mit dem Tod der eigenen Mutter. Das wertet das Leid des anderen ab und bedeutet für viele Trauernde: "Ich erkenne nicht an, wie du trauerst".
* Die Namen wurden von der Redaktion geändert











