Trennung: Kann man Loslassen lernen?

"Wenn du auf einem toten Pferd sitzt, dann steig ab", sagt ein indianisches Sprichwort. Heftig, aber einleuchtend. Nur was, wenn das Loslassen gar nicht so einfach ist? 21 Antworten.

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01 "Love it, change it or leave it" heißt ein bekannter Spruch. Und manchmal bleibt einem tatsächlich nur die letzte Möglichkeit. Aber warum ist es so schwer?
Weil es bedeutet, sich innerlich von einem Wunsch zu verabschieden. Und was kommt dann: die große Leere? Die große Freiheit? "Loszulassen macht Angst, weil wir etwas unwiderruflich verlieren könnten", erklärt die Berliner Forscherin und Psychologin Dr. Ann Elisabeth Auhagen*. Und Verluste sind für die meisten Menschen nun mal etwas Negatives.

02 Klingt einleuchtend, wer verliert schon gern etwas ...
Manchmal aber geht es nicht anders. Gelegentlich ist es leider so, dass wir uns quälen und alles versuchen - doch das, was wir uns wünschen, klappt partout nicht. Das Glück lässt sich nun mal nicht zwingen. Aber in dieser Situation haben wir die Wahl: Wie reagieren wir darauf? Wie begegnen wir dem Schicksal? Klammern wir weiter, obwohl es wirklich keinen Sinn mehr macht? Wenn wir gezwungen sind, uns von einem Traum, einer Idee, einer Liebe zu verabschieden, liegt es letztlich an uns, mit welcher inneren Haltung wir den Umständen begegnen.

03 Was aber, wenn das unser allergrößter Wunsch ist, zum Beispiel der nach einem Kind. Kann man dann überhaupt loslassen?
Viele Frauen beschreiben ungewollte Kinderlosigkeit als die schwerste Krise ihres Lebens. Andererseits betrachten Psychologen solche Ereignisse gelegentlich auch als Sollbruchstellen unserer Seele. Sich mit so einem Lebensthema ernsthaft zu beschäftigen, zu ergründen, warum einem der Verlust so weh tut und wie man dennoch damit weiterleben kann lässt einen reifen. "Auch hier hilft eine etwas andere Betrachtungsweise", sagt Auhagen. In schweren Krisen sieht die Psychologin die Chance, das eigene Leben neu zu überdenken. Sie rät deshalb, sich Fragen zu stellen wie diese: "Ist es vielleicht nicht gut für mich, Kinder zu haben, zumindest jetzt nicht?" Oder: "Welchen Sinn hat mein Leben? Welche Rolle spielen Kinder darin? Wie könnte ich den Sinn anders definieren?" Auch wenn es manchmal noch so unverständlich erscheint: Manche Dinge stellen sich im Nachhinein als positiv heraus. Oder zumindest macht man seinen Frieden damit. Bei diesem Prozess hilft oft die Erinnerung an etwas anderes, das nicht geklappt hat - worüber man heute froh ist.

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  • BRIGITTE BALANCE Heft 01/08
    Text: Anne Bärbel Köhle Illustration: Thordis Rüggeberg
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