Alltag
Ist mein Leben zu vernünftig?
1: Eigentlich habe ich mir immer gewünscht, dass mein Leben vernünftig verläuft. Aber jetzt fängt es an, mich zu langweilen ...
Erst mal: herzlichen Glückwunsch. Sie haben vermutlich privat und beruflich schon einiges erreicht, Ihren Platz im Leben gefunden, vernünftig gehandelt. Der Psychologe Stephan Grünewald vom Kölner Rheingold-Institut hat in einer Studie herausgefunden: Von Vernunft und Sicherheitsdenken lassen sich vor allem diejenigen leiten, die ihr Leben als brüchig und unberechenbar erleben. Wer sich dagegen einen Rahmen geschaffen hat, wird wieder offener für Wagnis und Abenteuer, will aus dem gewohnten Trott ausbrechen.
2: Gilt das grundsätzlich?
Brav und vernünftig um jeden Preis?
Ja, das kann man verallgemeinern. Denn Neugier und Sicherheitsdenken sind die beiden Pole, zwischen denen wir uns das ganze Leben lang bewegen - in fast allen Lebensbereichen, von der Beziehung bis zum Job. Wo man sich in dem Spannungsfeld positioniert, hängt allerdings auch vom Zeitgeist ab, also von dem, wie die anderen es machen: Seit den 90er-Jahren hat zum Beispiel die Tendenz, Abenteuer und Kontrollverlust vom normalen Leben abzuspalten, immer mehr zugenommen. Psychologe Grünewald spricht von einem Trend zu "kontrollierten Exzessen". Das heißt konkret: Wir trinken nachts ganz viel und machen uns ganz vernünftig am nächsten Morgen schon wieder mit Sport fit. Wir surfen auf der Suche nach einem Flirt durchs Netz und schauen uns Profile von Partnern an, die wir dann doch nicht kontaktieren. Oder buchen mal eben eine Reise, wenn uns der Sinn nach Abenteuern in fremden Ländern steht.
Ein Artikel der BRIGITTE-Balance
Weitere Fragen und Antworten zum Thema finden Sie in BRIGITTE-Balance Heft 1, ab 9.2. am Kiosk.














