Nicht lange überlegen
Ein anderer Weg wäre, seine inneren Widerstände zu überwinden. Dieser ist allerdings weit weniger demokratisch, erfordert ein Mindestmaß an Disziplin und lautet einfach: nicht groß überlegen, sondern handeln. Also gar nicht erst darauf warten, dass die Lust auf einen kleinen Dauerlauf einsetzt. Weder nach dem Wetter noch auf den Terminkalender schauen, sondern eine Uhrzeit setzen und loslaufen, nach dem Motto: Ich bin der Boss und entscheide, was gemacht wird. Die Lust stellt sich dann schon ein. Sagt jedenfalls der amerikanische Psychiater Dr. William Glasser, der mit seinem Aktionismus-Modell depressiven Patienten zu mehr Antrieb verhelfen will. Das Prinzip ist ziemlich alltagstauglich: Wenn man sich erst mal aufgerafft hat, ins Theater oder joggen zu gehen, gesund zu kochen oder sich an den Schreibtisch zu setzen, merkt man meistens schon nach kurzer Zeit: Mensch, macht doch Spaß, warum stell ich mich eigentlich immer so an? Dieses Glücksgefühl ist ausbaufähig, und im Idealfall wird aus der Pflichtübung irgendwann ein inneres Bedürfnis.
Bevor wir den nächsten Vorsatz fassen, sollten wir uns aber trotzdem fragen, ob unsere gute Absicht wirklich etwas mit uns zu tun hat. Ob beispielsweise Fitness in unserem Leben wirklich eine Rolle spielen kann und soll. Oder ob wir uns nicht einfach zugestehen, ein Genussmensch zu sein, der nicht in die Turnschuhe kommt. Vielleicht sind wir einfach keine Bildungsbürger, die es ständig ins Theater zieht, und sparen uns von nun an den Stress, eine gute Entschuldigung zu finden, statt dessen ins Kino zu gehen oder die Glotze anzuschalten. Bitte, dann ist es eben so.
Und wir fassen den letzten Vorsatz, ab jetzt einfach keine Vorsätze mehr zu fassen.













