Streit an Weihnachten

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Der Streit ist da: Einmischen, ja oder nein?

Die Frage, ob Sie als Schlichter auftreten können, hängt entscheidend ab von der Frage, ob Sie innere Distanz zum Streitthema haben, also keine Partei ergreifen, und innere Ruhe ausstrahlen können. Ratsam: Beide Kontrahenten ihren Standpunkt erläutern zu lassen, und nachzufragen, wie diese und jene Meinung zu dem Thema zustande gekommen ist. Wilfried Hasselberg-Weyandt weiß, dass zum Beispiel das Thema Kirche an Weihnachten häufig zu Auseinandersetzungen führt: "Hier sollten Sie nach den individuellen Erfahrungen forschen, fragen, wie es zu der Denkweise kommt. Im besten Fall kommen sich die Streithähne sogar näher: Sie verstehen, dass der andere anders denkt, weil seine Meinung vor einem bestimmten Hintergrund entstanden ist."

Ich streite mich: Wie komme ich da raus?

Wilfried Hasselberg-Weyandt rät, bei aufkommendem Ärger auf den eigenen "emotionalen Magen" zu hören: "Kann ich Themen, die mich gefühlsmäßig nicht zu sehr belasten, vielleicht herunterschlucken, zum Beispiel, wenn der 80-jährige Opa anfängt, von der SS zu schwärmen?" Schaffen Sie das nicht, gilt Ähnliches wie beim Streit schlichten: Nachfragen, versuchen zu verstehen, wie jemand zu einer Meinung gekommen ist. Es kann auch hilfreich sein, dem anderen zu erläutern, was gerade in einem selbst vorgeht, zum Beispiel so: "Weißt du, das ärgert mich schon lange, und jetzt bin ich gerade richtig sauer, dass du schon wieder auf XY herumhackst".

Geraten Sie mit einem Familienmitglied aneinander, das richtig hochgeht und keiner Argumentation mehr zugänglich ist, sollten Sie zunächst abwarten, die Konfrontation vermeiden, später dann aber direkt sagen, dass Sie dieses Verhalten sehr verletzend fanden. Wenn Sie sich gar nicht verständigen können, hilft es vielleicht, jemand Neutralen aus dem Familienkreis zum Schlichten hinzuzuziehen.

"In der Sache einig werden", resümiert Psychologe Hasselberg-Weyandt, "kann man sich sowieso nicht." Aber im besten Fall besser verstehen - womit sogar Streit zur Harmonie an Weihnachten beitragen kann.

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  • Text: Wiebke Peters
BRIGITTE im ABO