Silvester: Hauptsache, ein Lebensplan?

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"Die Heldin aus dem Traum aufs Leben loslassen" nennt der Paartherapeut Mary diese Strategie - und seine persönliche Silvester-Empfehlung lautet: "Der Figur, die man gern wäre, drei Entscheidungen überlassen, die innerhalb der nächsten drei Monate umgesetzt werden. Sie wären gern mutig? Was würden Sie tun, wenn Sie es wären? Tun Sie es. Sie wären gern besonnen? Was würden Sie tun, wenn Sie es wären? Tun Sie es."

Und, werte wohltemperierte Leserin, werden Sie bereits nervös? Breitet sich eine kleine, aber tödliche Dosis Tatendrang in der ansonsten trägen Seele aus? Räkeln sich Träume, nehmen verwegene Pläne Gestalt an? Ich sage Ihnen was: Wer am Ende dieser Geschichte nicht sein Leben verändert - und wenn es nur der Wechsel des Stromanbieters ist -, der hat entweder kein Problem, Glückwunsch an dieser Stelle, oder ein großes, nämlich dasselbe wie ich: Wann immer ich mir vornehme zu handeln, bin ich allein von meinem heroischen Entschluss so begeistert, dass mir die Tat selbst oftmals als eher zweitrangig und vernachlässigenswert vorkommt. Ich war mehrmals so stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, mir vorzunehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, dass ich mir quasi als Belohnung dafür das Rauchen nicht abgewöhnt habe. Zum Glück las ich in der "Psychologie heute" etwas über dieses idiotische Verhalten und schloss daraus, dass es sich bei dieser Neurose um eine verbreitete handelt: "Allein der Entschluss, eine Änderung einzuleiten, verursacht positive Gefühle. So ist es kein Wunder, dass sich Menschen oft in der Phase zwischen Entschluss und Tat am wohlsten fühlen."

Aber nur so lange, bis er dort von seinen Sehnsüchten und Träumen und unverwirklichten Plänen wieder aufgespürt wird. Die Dinger lassen sich glücklicherweise nicht so leicht abschütteln. Ich rauche nicht mehr. Ich warte weniger. Die matschfarbenen Krokostiefel werden im nächsten Jahr in meinem Kleiderschrank und der Traum vom Haus am Meer wird im nächsten Jahr in meinem Herzen keinen Platz mehr wegnehmen. Mag weder Kroko noch das Meer besonders. Weg damit.

Was denn? Schon Mitternacht?

"Ob es besser wird, wenn es anders wird, weiß ich nicht, dass es aber anders werden muss, wenn es besser werden soll, weiß ich", sagte Georg Christoph Lichtenberg. "Wenn du das tust, was du immer getan hast, wirst du das bekommen, was du immer bekommen hast", sagt Sabine Asgodom. "Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an; denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück; wir müssen ein Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können", sagte Anatole France. "Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne", sagt Sascha Lobo. Dem ist wieder einmal nichts hinzuzufügen.

Na dann: Prost Neujahr!
Genieße Silvester, denn es ist dein letztes.
Im nächsten Jahr wirst du ein anderer Mensch sein.

Den Text von Ildikó von Kürthy lesen Sie auch im Dossier der aktuellen Brigitte, Heft 1, seit 17.12. am Kiosk.
Für gute Laune an Silvester darin außerdem:
Schön ausgehen: Party-Make-ups
Annett Lousian in Partymode im Stil der 50er
und natürlich: Das große Jahreshoroskop

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  • Artikel vom 29.12.2008
  • Text: Ildokó von Kürthy
    Foto: Getty Images
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 01/09
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