Trennung: Der Ex mit seiner Neuen

Der Ex mit seiner Neuen: Kein schöner Anblick. Doch genauer hinzuschauen, kann heilsam sein.

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Es passierte ausgerechnet in ihrem neuen Lieblingscafé. Niemals hatte Lea die beiden zusammen sehen wollen. "Erspar mir diesen Anblick", hatte sie zu ihm gesagt, "und treib dich mit ihr nicht in irgendwelchen Lokalen herum, in denen du vorher mit mir warst." In diesem Café mit seiner Jugendstildecke, den verschwiegenen Ecken und riesigen Spiegeln an den Wänden war Lea nie mit Conrad gewesen. Wohl ein Grund mehr, warum sie sich gleich so wohl gefühlt hatte, warum sie regelmäßig hier war. Es barg keinerlei Erinnerungen. Weder schmerzliche noch schöne. Dass sie just hier mit ansehen musste, wie ihr Mann zärtlich die Finger einer anderen küsste, erschien ihr wie Häme. Sie entkam ihm nicht, ihrem größten Kummer.

Ich hätte gehen sollen, sofort, als die zwei zur Tür hereinkamen, dachte Lea. Aber dann hätte sie irgendwie an ihnen vorbeigemusst, und es hätte wie Flucht ausgesehen - jämmerlich, unbeholfen, würdelos. So war sie sitzen geblieben und hatte versucht, weiter in ihrem Buch zu lesen. Es ging nicht.

Nahezu zwanghaft wanderten ihre Augen zu dem Wandspiegel in der Ecke, in dem sie unbemerkt beobachten konnte, was sich hinter ihrem Rücken abspielte. Wie verliebt die beiden wirkten. Sie hatten sich nebeneinander gesetzt, so als ob eine Tischplatte für sie schon zu viel Trennung bedeutete. Vor ihnen zwei große Milchkaffee-Schalen und dazwischen ein Teller Apfelkuchen mit Schlagsahne. Conrad hasste Sahne. Aber jetzt ließ er sich von der anderen füttern wie ein hungriges Vogeljunges.

Schluckst du alles, was sie dir bietet?, dachte Lea und merkte, dass ihr die Tränen kamen. Heul nicht! Was, wenn Conrad plötzlich herschaut und merkt, dass die Frau, die in ihrer Tasche nach Tempos kramt, seine eigene ist. Die, mit der er immer noch verheiratet ist, die, mit der er eine 15-jährige Tochter hat - die, die er nicht mehr liebt.

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  • BRIGITTE 14/08
    Text: Petra Meyer-Scheffe
    Foto: Getty Images
Letzte Kommentare
  • Ameli
    am 30.03.12 um 20:26
    Grausam ... und das soll "tröstend" sein???
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