Trennungsschmerz: Wie schaffe ich den Sprung in ein schönes neues Leben?
BRIGITTE: Wie viel Zeit muss ich als frisch getrennte Frau einkalkulieren, bis ich wieder Land sehe? Böse Zungen behaupten ja: so lange, wie die Beziehung gedauert hat.
Heide Gerdts: Unter anderem hängt es davon ab, wie gut oder schlecht die Beziehung zum Ex-Partner ist. Ob man sich geachtet und fair behandelt fühlt. Wenn es gut läuft als Ex-Paar und man sich einigen kann, geht es deutlich schneller. Wenn es hingegen immer wieder zu wechselseitigen Enttäuschungen kommt, weil Absprachen nicht eingehalten werden, man sich mit Gleichgültigkeit und Groll behandelt, dann zieht sich der Trennungsprozess oft schmerzlich in die Länge. Jede Begegnung reaktiviert dann, was einem oft schon vorher an Leid zugefügt wurde. Im Idealfall würde ich sagen: ein Jahr, dann ist das Schlimmste vorbei. Wenn man gemeinsame Kinder hat, dauert es länger, denn man muss ja auch deren Kummer auffangen und hat weniger Zeit, um sich mit seinen eigenen traurigen Gefühlen zu befassen. Oder um Freundinnen zu treffen, Sport zu treiben, die Dinge, die einem guttun in so einer Phase.
BRIGITTE: Und das sind noch immer die sinnvollsten Strategien, um sich bei Liebeskummer aus dem Sumpf zu ziehen?
Heide Gerdts: Ja, Sport ist da wirklich unschlagbar. Wenn Sie sagen "Sumpf", dann reden wir über eine depressive Stimmung. Energetisch gesehen heißt das, dass sich Energie ins Körperinnere zurückzieht und die Muskeln ganz wenig vitalisiert sind. Wenn Sie Sport machen, sei es Laufen oder Training im Fitness-Studio, dann bringt das die Energie wieder in die Muskeln, ein körperlicher Ausdehnungsprozess vollzieht sich, der sich positiv auf die Psyche auswirkt.
BRIGITTE: Das klingt verdächtig unkompliziert.
Heide Gerdts: Aber es funktioniert. Ich empfehle das allen, die an Depressionen leiden, denn es ist wirklich ein wirksames Antidepressivum. Manchmal braucht es auch medikamentöse Unterstützung, aber wenn sie in Bewegung kommen, schaffen es viele tatsächlich ohne Medikament.
BRIGITTE: Und die Freundinnen? Sind auch sie große Retterinnen in der Not?
Heide Gerdts: Können sie sein. Aber in der akuten Trennungsphase sollte man sehr darauf achten: Wer und was stärkt mich wirklich? Und nicht jede Freundin, auch wenn sie noch so lieb ist, tut einem in dieser Situation gut. Fragen Sie sich: Brauche ich das offene Ohr, eine, die gut Resonanz geben kann, die mich hält, mich ablenkt, mich zum Lachen bringt, mir ein schönes Essen kocht oder die mich auch mal mit meinen schwierigen Seiten konfrontiert, mit mir lästert oder mich in meiner Wut bestärkt?
BRIGITTE: Trennungen gehen ja oft mit großer Wut einher, ein Gefühl, das viele in dieser Massivität gar nicht von sich kennen. Wie kommt man da wieder raus?
Heide Gerdts: Erst mal ist wichtig zu unterscheiden: Ist es eine angemessene Wut, die da auftaucht, also beispielsweise eine Reaktion auf eine Kränkung? Oder fühle ich mich wie besessen und besetzt von der Wut? Das kann zum Beispiel ein Hinweis darauf sein, dass ich die Wut benutze, um mich nicht traurig zu fühlen. Oder es ist eine alte, verletzende Beziehungserfahrung angesprochen, ein Thema aus der Vergangenheit, das die Wut sehr groß werden lässt.












