Trennungsschmerz: Wie schaffe ich den Sprung in ein schönes neues Leben?

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BRIGITTE: Und wenn es eine angemessene Wut ist?

Heide Gerdts: Dann hilft es, dieses Gefühl körperlich auszudrücken. Wie alle Gefühle ist auch Wut körperlich manifest: Die Wut, die im Bauch sitzt, wo sich alles verkrampft. Die Wut, die im Nacken sitzt, der völlig verspannt, alles festhält. Wenn es Ihnen nicht allzu doof vorkommt: Kaufen Sie sich einen Teppichklopfer, und hauen Sie damit auf die Matratze ein. Oder gehen Sie im Fitness-Studio an den Boxsack, oder Sie fahren in den Wald, wo keiner Sie hören kann, und dort schreien Sie laut.

BRIGITTE: Manchmal kann man die Wut aber gar nicht hinter sich lassen, weil sie durch den Ex-Partner immer wieder neu angefacht wird. Zurück in den Wald und noch lauter schreien?

Heide Gerdts: Wut körperlich auszudrücken tut immer dann gut, wenn wir andere nicht verletzen und sich danach ein Gefühl der Erleichterung einstellt. Aber wenn wir feststecken, müssen wir trotzdem Strategien entwickeln, wie wir zu dem anderen eine bewusste Distanz aufbauen können. Man kann ja diesen Menschen nicht ändern, und deshalb müssen Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die in Ihrer Macht liegen. Beispielsweise für mehr innere Balance zu sorgen, indem Sie sich auf Ihre Ressourcen besinnen, so dass Sie auf das Wohlwollen oder die Zustimmung des Partners nicht mehr so stark angewiesen sind.

BRIGITTE: Klingt nachvollziehbar, aber leider unrealistisch. Oft sind solche Gefühle doch einfach übermächtig.

Heide Gerdts: Mag sein, aber je mehr man mit dem Ex zu regeln hat, desto wichtiger ist es, die Wut irgendwo anders zu deponieren. Und man sollte andererseits auch nicht unterschätzen, wie sehr einen Wut stabilisiert. Deswegen ist es auch so schwer, davon abzulassen. Wenn man wütend ist, fühlt man sich stärker, als wenn man traurig ist. Das lässt Menschen oft festhalten an einer chronischen Wut, weil sie spüren: Wenn sie die loslassen, kommt die Trauer. Die Einsamkeit. Und das ist für viele schwerer auszuhalten. Aber wenn man an der Wut festhält, schafft man nur schwer den Sprung in eine neue Beziehung oder zu mehr Lebensfreude, man ist davon richtiggehend verseucht und verliert den Blick für Schönes und Leichtes. Umgekehrt gibt es Menschen mit chronischen Trauerreaktionen, die gar nicht wütend werden können. Bei Frauen kommt das häufig vor, die heulen und heulen und hängen in diesem Gefühl fest, weil sie sich Wut nicht zugestehen.

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  • Interview: Christine Hohwieler
    ein Artikel aus der BRIGITTE 22/09
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