Trennungsschmerz: Wie schaffe ich den Sprung in ein schönes neues Leben?
BRIGITTE: Manchmal ist es gar nicht der Partner, an dem wir uns innerlich abarbeiten, sondern seine Neue. Ex gegen Next: Warum kochen die Gefühle da so hoch?
Heide Gerdts: Weil die Neue mit keinen Emotionen belastet ist, im Gegensatz zum Ex-Mann. Der wurde mal geliebt, wird vielleicht immer noch geliebt. Viele positive Erinnerungen sind mit ihm verbunden. Und die Next ist einfach nur eine Konkurrentin. Die man oft genug nicht mal kennt. Deshalb ist sie ein gutes Objekt, auf das man zerstörerische Gefühle richten kann, ohne dass etwas in einem selbst zerstört wird, weil das Herz nicht dran hängt.
BRIGITTE: Das heißt, es ist durchaus sinnvoll, die Neue zu hassen?
Heide Gerdts: Man muss schon darauf achten, wie man mit diesem Hass umgeht. Wer mit Freundinnen lästert und schimpft, macht nichts kaputt. Auch wenn das Gefühle sind, die eigentlich zu dem Mann gehören. Den man lieber verschont, vielleicht auch mit dem unbewussten Wunsch, dass man doch noch mal zusammenkommt. Männer machen das übrigens sehr ähnlich: Wenn ein Mann von einer Frau verlassen wird, konkurriert der auch eher mit dem anderen Mann und wertet ihn ab.
BRIGITTE: Wenn sich nach einer Zeit der Verzweiflung der erste Optimismus, die erste Lebensfreude regt - wie schaffe ich es, an diesem Gefühl dranzubleiben, es Stück für Stück auszubauen?
Heide Gerdts: Gut ist, wenn Sie in diesem Moment ganz genau gucken: Was gibt mir denn gerade diese Lebensfreude, ganz konkret? Sehr oft leben Menschen auf, wenn sie feststellen, dass sie plötzlich wieder ein erotisch-sinnliches Interesse an anderen haben. Wenn das in einem auftaucht, kann es ein Wendepunkt sein. Viel mehr noch, als wenn einem Interesse entgegengebracht wird. Das kitzelt bestenfalls das Ego. Wenn man aber selber merkt, dass man sich wieder für andere interessiert, Lust hat, neue Kontakte einzugehen, dann sollte man diesen Impulsen unbedingt nachgehen.
BRIGITTE: Funktioniert Zuversicht auch ohne Flirt? Den hat man ja nicht immer zur Hand.
Heide Gerdts: Klar, oft sind es zunächst mal ganz andere Erlebnisse, die einem guttun. Sie sitzen irgendwo draußen und merken zum ersten Mal seit Langem, wie eine Freude in Ihnen aufkommt, weil der Duft von Herbstlaub in der Luft liegt.
BRIGITTE: Ist es sinnvoll, nach der Trennung Veränderungen zu forcieren? Aus dem Wunsch heraus, dass es weitergehen muss, kühne Ziele zu definieren? Sich einen anspruchsvolleren Job zu suchen, umzuziehen oder einem Traum zu folgen und endlich Tango-Tänzerin zu werden?
Heide Gerdts: Wenn man merkt: Der Gedanke an einen beruflichen Neustart beflügelt mich - wunderbar. Aber wenn es einen vor allem anstrengt, muss man das vertagen. Dann sind erst mal andere Sachen dran. Zu akzeptieren, die Beziehung ist gescheitert, aber ich bin deswegen kein anderer Mensch. Der Verlust der Identität, die einem Beziehung geben kann, ist nicht so leicht zu verdauen, und das kann man auch nicht aus der Welt schaffen, indem man gleich Vollgas gibt. Das geht meistens erst, wenn sich das Dunkel ein wenig gelichtet hat.
BRIGITTE: Häufig ist der Wunsch nach einem grandiosen Neustart dadurch motiviert, dass man in eine Glücks-Konkurrenz mit dem Ex-Partner tritt. Man will gleichauf sein mit dem anderen.
Heide Gerdts: Vergleichen ist der absolute Killer für das eigene Wohlbefinden. Und was hat man davon, wenn es dem anderen schlechter oder besser geht? Viele Frauen sagen ja: "Im Moment steht mein Ex vielleicht besser da. Aber in Wahrheit lässt er den Schmerz gar nicht an sich ran, der vermeidet Gefühle, und irgendwann holen sie ihn ein." Aber oft genug holt den gar nichts ein, dem anderen geht es vielleicht schlicht gut mit seiner neuen Situation. Und wenn man sich dann ständig vergleicht, ist man verratzt. Stattdessen sollte man sich lieber vor Augen halten, dass die eigene tiefe Emotionalität eine Qualität ist. In guten Zeiten hat der Partner einen genau dafür ja auch geliebt. Das ist was Tolles, aber man hat dann auch mehr Tiefs, die man fühlt. Sie haben die Freiheit zu entscheiden, wie Sie auf sich selbst gucken. Und das kann einen großen Unterschied machen.













