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Scheidung: Was geht jetzt in meinem Kind vor?

Je nach Alter reagieren Kinder ganz unterschiedlich auf die Trennung ihrer Eltern. Familientherapeutin Elke Wardin beschreibt einige typische Verhaltensweisen und gibt Tipps.

Eine Trennung der Eltern ist für viele Kinder eine schwere Veränderung. Jungen reagieren oft ruppig und aggressiv, während Mädchen sich häufig in sich zurückziehen. In der Regel halten diese Symptome mehrere Monate bis hin zu einem Jahr und manchmal auch noch länger an und legen sich, wenn im Familienleben wieder Alltag und vor allen Dingen Sicherheit und Entlastung eingekehrt ist. Besondere Aufmerksamkeit ist gefragt, wenn ein Kind sich während der Trennung seiner Eltern unauffällig und scheinbar völlig normal verhält - dann stellt sich die Frage, wie es seine Ängste verarbeitet.

Kleinkinder

"Bei kleinen Kindern, die sich noch nicht gut durch Sprache ausdrücken können, spürt man ganz deutlich Angst. Die Kinder sind oft weinerlich, manche machen Rückschritte in der Entwicklung: Sie nässen wieder ein, obwohl sie eigentlich schon trocken waren, und zeigen starke Trennungsängste.

Das können Eltern tun:

Viele Kinder weichen den Eltern nicht mehr von der Seite. Sie wollen im wahrsten Sinne des Wortes spüren, dass ihre Mutter oder ihr Vater noch da sind, und haben ein sehr großes Bedürfnis nach Nähe. Oft wollen die Kinder auch wieder ins Bett der Eltern zurück. Es ist wichtig, ihnen in dieser Situation diese Nähe auch zu geben und sich Zeit für sie zu nehmen."

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Kindergartenkinder

"In diesem Alter erleben die Kinder vor allem Trauer und Verlassenheit. Und sie übernehmen unbewusst oft die Schuld und die Verantwortung für die Trennung der Eltern. Dieses Alter zeichnet sich dadurch aus, dass die Kinder sich selbst als Mittelpunkt der Welt sehen. Deshalb glauben sie, dass sie es beeinflussen können, ob die Eltern wieder zusammenkommen - indem sie sich anders verhalten als vorher und somit keinen Anlass mehr für Streitigkeiten bieten.

Von ihnen kommen oft Äußerungen wie: "Wenn ich jetzt mein Zimmer immer aufräume, dann müsst ihr nicht mehr streiten, dann kann Papa zurückkommen." Die Kinder legen ein überangepasstes Verhalten an den Tag - und überfordern sich natürlich selbst mit dem Versuch, die Eltern wieder zusammenzubringen.

Weil sie deshalb ständig angespannt sind, leiden sie leicht unter psychosomatischen Störungen: Bauchschmerzen, Bettnässen, Daumenlutschen, Schlafstörungen. Und Kinder im Kindergartenalter haben eine große Angst davor, dass auch der andere Elternteil sie verlassen könnte. In einem Fall in meiner Praxis konnte ein Vater nicht mal aus dem Zimmer gehen, ohne dass das Kind sagte: 'Bleib hier, ich hab Angst'"."

Das können Eltern tun:

"Kindergartenkinder brauchen ähnlich wie Kleinkinder viel Zeit und Aufmerksamkeit, so dass sie sich emotional geborgen fühlen können. Sie möchten nicht allein zu sein. Eltern sollten darauf achten, immer wieder Situationen mit emotionaler Nähe zu schaffen, beispielsweise Kuscheln auf dem Sofa. Bei diesen Gelegenheiten können Kinder einzelne Gedanken und Fragen, die ihnen zur neuen Familiensituation einfallen, ansprechen. Eltern können auch Bilderbücher zum Thema einsetzen, um die Trennungssituation zur Sprache zu bringen.

Eltern sollten Kindern versichern, dass sie auch nach der Trennung mit dem Kind zusammen leben möchten, aber eben in zwei Wohnungen. Wichtig ist, dass Eltern konsequent ihre Zusagen einhalten, so werden die Kinder sicherer darin, dass ihnen beide Eltern erhalten bleiben. Die Kinder sollten das Gefühl haben, dass sie so sein dürfen, wie sie sind und dass die Erwachsenen die Verantwortung für die Familiensituation übernehmen.

Grundschulkinder

"Im Grundschulalter sind die Kinder noch stärker ihren Gefühlen ausgeliefert. Denn sie nehmen auch intellektuell wahr, was sie fühlen: Traurigkeit, Hilflosigkeit, Zorn - auch Scham spielt eine große Rolle. Sie glauben, sie hätten versagt, weil es in ihrer Familie nicht mehr so läuft wie früher, und haben Angst, das gegenüber Klassenkameraden oder Nachbarn zuzugeben.

Manche Kinder leiden unter depressiven Verstimmtheiten. Der Gefühlsschwall, dem sie ausgeliefert sind, führt natürlich oft zu Schwierigkeiten in der Schule. Die Kraft und die Energie, die sie eigentlich für ihr eigenes Leben brauchen, stecken sie in die Verarbeitung der Trennungssituation. Es kann ganz normal sein, dass sie deshalb auch mal eine Klasse wiederholen müssen."

Das können Eltern tun:

"Ein klar strukturierter Alltag hilft Grundschulkindern als Orientierung. Kinder in diesem Alter wollen ganz genau wissen, was wann wie sein wird. So können sie sich sicher sein, wann sie welches Elternteil sehen werden und das gibt ihnen Zutrauen in die neue Familiensituation. Ein Sichtbarmachen im Kalender unterstützt zusätzlich. Eltern schützen ihre Kinder mit diesem "klaren Gerüst" davor, dass sie keine "schwarzen Vorstellungen" von ihrer Zukunft entwickeln. Eltern sollten immer nur soviel versprechen, wie sie auch tatsächlich einhalten können. Lieber wenig und dafür zuverlässig, so werden weitere Verunsicherungen der Kinder verhindert.

Eltern helfen ihren Kindern, in dem sie mit ihnen raus gehen und ihnen Raum für Bewegung geben. Dadurch kann das, was Kinder bedrückt, abgeschüttelt werden. Miteinander sprechen ist natürlich auch in dieser Altersstufe enorm wichtig. Getrennte Eltern sollten ihren Kindern immer wieder versichern, dass die Erwachsenen die Verantwortung für die Trennung tragen.

Eltern sollten sich bemühen, die wechselhaften Stimmungen ihrer Kinder zu akzeptieren – diese werden wieder stabiler, wenn die Kinder Sicherheit in der neuen Familiensituation erlangen. Auf gar keinen Fall sollten sie schlecht über das andere Elternteil reden - Kinder lieben beide Eltern und fühlen sich dadurch sonst selbst verletzt und geraten in starke Loyalitätskonflikte."

Kinder über zehn Jahre, Jugendliche

"Kindern über zehn Jahre machen sich in der Regel große Sorgen: um die eigene Situation, aber auch um ihre Eltern. Sie ergreifen schnell Partei für den vermeintlich schwächeren Elternteil. Gegenüber dem anderen zeigen sie Zorn, machen ihm Vorwürfe - und schneiden sich durch dieses Verhalten oft selbst von einem wichtigen Teil ihres Lebens ab.

In der Familie übernehmen sie oft häufig Aufgaben, die sie eigentlich überfordern. Sie schlüpfen in die Rolle des Ersatzpartners, leisten Gesellschaft, hören zu, helfen im Haushalt. Dadurch verlieren sie oft den Kontakt zu ihren eigenen Freunden - dabei sind Gleichaltrige in diesem Alter besonders wichtig für sie. Der Loyalitätskonflikt zwischen den beiden Eltern und auch zwischen Familie und Freunden führt dazu, dass sie häufig überreagieren und widersprüchliche Verhaltensweisen zeigen: Sie sind einerseits schon sehr erwachsen und übernehmen Verantwortung, im Gegenzug sind sie aber impulsiv, ziehen sich auch mal völlig zurück.

Jugendliche haben in Trennungsfamilien oft große Probleme damit, sich altersgemäß zu verhalten: Entweder schaffen sie die Abnabelung vom Elternhaus nicht, weil sie sich zu stark verantwortlich für den vermeintlich schwächeren Elternteil fühlen, oder sie grenzen sich extrem ab. Das natürliche "Rausgleiten aus der Familie", das in diesem Alter entwicklungsbedingt ansteht, fällt ihnen schwer."

Das können Eltern tun:

"Eltern helfen Kindern in diesem Alter besonders, wenn sie ihnen die Rückmeldung geben, dass sie sich in dieser schwierigen Situation professionelle Hilfe holen und die Kinder damit nicht belasten.

Kraft erhalten Jugendliche auch bei Gleichaltrigen - daher sollten Eltern die Zugehörigkeit zu diesen Gruppen unterstützen. Wer das andere Elternteil als "schwach" oder "stark", "gut" oder "böse" darstellt, stürzt die Kinder in einen Loyalitätskonflikt. Daher ist Neutralität Pflicht - auch wenn es schwer fällt.

Es ist für Kinder wichtig mitzuerleben, dass auch ihre Eltern traurig sind. Eltern sollten sich aber niemals bei ihren Kindern ausweinen – damit sind Kinder jeden Alters überfordert. Für Erwachsene ist professionelle Hilfe in diesem Fall der richtige Weg."

Elke Wardin ist Diplom-Sozialpädagogin und Systemische Familientherapeutin. In ihrer Praxis in Bremen berät sie Eltern, die sich trennen. Zudem hält sie regelmäßig Vorträge zum Thema "Mit Kindern über Trennung und Scheidung reden".

Teaserfoto: istockphoto

Kommentare (2)

Kommentare (2)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    @Birgit,



    Sie haben mit der direkten Umsetzung Ihres Entschlusses den Rest Ihrer Familie überfordert. Vater und Sohn waren hierauf nicht vorbereitet und somit kann vor denen auch nicht Ihre Erwartungshaltung zur Akzeptanz direkt erfüllt werden. Was es nun braucht ist Zeit, für Trauer, zum Abbauen von Schmerz (hervorgerufen durch Verletzungen) und für deren Neubeginn. Ihnen bleibt die Rolle derjenigen, die sich anbietet (nicht anbiedert). Der neue Mann in Ihrem Leben ist für das Verhalten Ihres Sohnes nicht maßgeblich. Es kann aber durchaus sein, dass Ihr Sohn das nicht seinem Schirm hat. Wenn sich der Vater am Sohn ausgeheult hat, dann ist das zwar verständlich aber nicht richtig. Kinder sollten niemals, auch nicht partiell, als Partnerersatz missbraucht werden.

    Was Sie machen können: Eine Familienberatungsstelle aufsuchen und um Vermittlung bitten, diesen Schritt aber vorher ankündigen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo, ich bin jetzt seit 1 Jahr von meinem Mann getrennt. Ich habe ihn verlassen, weil ich mich von heute auf morgen in jemanden verliebt habe und nicht mit Kompromissen weiterleben wollte. Mein Sohn, damals 17 Jahre, konnte sich aussuchen, wo er leben wollte. Ich wußte aber schon vorher, dass es ihm bei seinem Vater besser gefallen würde. Wir haben ein Haus, er hat dort alle Freiheiten, Partykeller uws.. Ich wäre aber auch mit ihm zusammen gezogen, wenn er es gewollt hätte. Ich habe es mir zu einfach vorgestellt. Von heute auf morgen hat mein Sohn jeglichen Kontakt zu mir abgebrochen, vermutlich auch wegen meines Freundes, wobei er ihn nie kennengelernt hat. Mein Sohn hat meinen Mann Leiden gesehen, er hat sich sicherlich auch bei meinem Sohn ausgeweint. Ich kann machen was ich will, ich komme nicht mehr an ihn heran. Er haßt mich regelrecht. Dabei waren wir beide immer sehr miteinander verbunden. Ich vermisse ihn sehr und weiß nicht was ich noch machen soll.

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