Scheidung: Wie sag ich's meinem Kind?

Mit der Trennung der Eltern ist für die Kinder plötzlich alles anders. Wie kann man ihnen das am besten erklären? Tipps von der Familientherapeutin Elke Wardin.

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BRIGITTE.de: Kinder bekommen es ja häufig mit, wenn die Beziehung ihrer Eltern in der Krise steckt. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ihnen zu erklären, dass man sich trennen will?

Elke Wardin: Eine Trennung oder Scheidung ist ein gravierender Bruch im Leben eines Kindes und seiner Familie. Deshalb sollten Eltern mit ihren Kindern über dieses Thema nur sprechen, wenn sie wirklich fest beschlossen haben, dass sie diesen Schritt tun wollen. Aber sie sollten das Gespräch auch keinesfalls herauszögern, weil zum Beispiel einer von ihnen noch keine neue Wohnung gefunden hat, da die Kinder die atmosphärische Störung in der Familie ohnehin wahrnehmen. Sie brauchen schnell klare Verhältnisse. Es verunsichert sie sehr, wenn das, was sie fühlen, nicht mit dem zusammenpasst, was sie erleben und was ihnen gesagt wird.

BRIGITTE.de: Wie macht man dem Kind klar, dass seine Eltern sich nicht mehr lieben?

Wardin: Kinder können erst im Grundschulalter überhaupt intellektuell begreifen, dass Eltern sich nicht mehr verstehen und auseinandergehen können. Einem kleineren Kind sagt man am besten, dass die Eltern nicht mehr zusammen wohnen wollen und jeder ein eigenes Leben ohne den anderen führen möchte . Die Kinder bekommen ja meistens mit, wenn die Eltern im Vorfeld der Trennung ständig streiten oder eisiges Schweigen herrscht.

BRIGITTE.de: Muss man dem Kind die Gründe für die Streits oder das Schweigen erklären?

Wardin: Von ausführlichen Erklärungen würde ich eher abraten. Solche Erklärungen berühren häufig Erwachsenenthemen, die die Kinder überfordern, weil sie sie nicht verstehen. Bei Scheidungen gibt es ja oft einen stärkeren und einen schwächeren Elternteil. Der Schwächere neigt dazu, dem Kind Dinge zu sagen wie "Papa/Mama hat sich in jemand anderes verliebt und will mich nicht mehr". Kinder entwickeln dann das Gefühl, dass sie zu dem schwächeren Elternteil halten müssen und den anderen gar nicht mehr liebhaben dürfen. Das belastet sie enorm. Und in dem Moment, wo Eltern ihnen den Entschluss mitteilen, sich zu trennen, sind die Kinder sowieso sehr wenig offen für Erklärungen, sie wollen vielmehr ganz konkret wissen, wie ihr Leben weiter verläuft und wie sich der Kontakt zu ihren beiden Elternteilen für sie gestalten wird.

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  • Interview: Swantje Wallbraun
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