Sorgerecht: Entsorgte Väter

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Die Frontlinie verlegen manche Mütter ins Kinderzimmer, und sie verteidigen ihr Territorium mit allen Mitteln: "Zweimal", erzählt Harald Mauser (Name geändert) aus Bremen, "hatte sie sogar ein ärztliches Attest in der Hand: Der Kleine sei seelisch zerrissen, der Kontakt zum Vater sei erst mal einzustellen." Die Mutter hatte der Ärztin Lügengeschichten erzählt.

Oft wird Erzieherinnen, Lehrern und Ärztinnen Ungeheuerliches vom angeblichen Monstervater aufgetischt, der seine Kinder prügelt, schlecht ernährt oder gar missbraucht. "Andere Leute werden massiv eingelullt. Da heißt es: Ich habe alleiniges Sorgerecht, geben Sie das Kind auf keinen Fall dem Vater mit", berichtet die Würzburger Diplom-Psychologin Christiane Pohl.

Auch Kinder selbst werden häufig manipuliert: Manche Frauen nennen ihren Ex-Männern sogar bewusst falsche Zeiten, zu denen sie vor der Schule warten und das Kind abholen sollen. Der böse Papa kam eine Stunde zu spät? Auf den, soll der Nachwuchs kapieren, kann man sich nicht verlassen.

Was das Kind garantiert versteht: Mama will nicht, dass ich Papa lieb habe. Ein schlimmes Dilemma, aus dem Kinder häufig nur einen Ausweg sehen: Sie schlagen sich auf die Seite der Mutter. Zumindest, solange sie zusieht. "Manchmal hat mein Sohn bitterlich geweint, wenn ich ihn bei den Übergaben auf den Arm nahm", erinnert sich Harald Mauser. "Seine Mutter sagte dann: Siehst du, er will gar nicht zu dir. Aber kaum saß er bei mir im Auto, war er fröhlich und fragte voller Erwartung: Papa, was machen wir heute?"

Die Mutter sieht nur die Tränen, den Widerstand - und fühlt sich in ihrer Überzeugung, dass der Vater nur ein Störfaktor ist, noch bestätigt. Manchen Frauen gelingt es, die Kinder trotz festgelegter Umgangsregelung wochen- oder sogar monatelang von den Vätern fernzuhalten. Väter können mit Engelszungen reden, sich beim Jugendamt beschweren, das Gericht einschalten, auf das für Umgangsboykott im Gesetz durchaus vorgesehene Zwangsgeld pochen - es bleibt meistens bei einer Ermahnung. "Viele Familienrichter haben Angst, mit der Mutter automatisch auch das Kind zu bestrafen", glaubt Rainer Sonnenberger, Bundesvorstand des Vereins "Väteraufbruch für Kinder". "Bei der Durchsetzung des Umgangs", klagt er, "ist man gekniffen. Mit oder ohne Sorgerecht."

  • Text: Silke Pfersdorf
    Foto: Getty Images
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09
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