Unterhalt: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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4. Wann muss man wieder arbeiten gehen?

Grundsätzlich muss jeder nach der Scheidung seinen Lebensunterhalt soweit möglich selbst verdienen. Dabei muten die Richter frisch geschiedenen Frauen heute erheblich größere Anstrengungen zu als früher. "Nur wer sich ausreichend um eine Arbeitsstelle bemüht, behält seinen Anspruch auf Unterhalt", sagt Anwältin Birgit Ganteführer-Verstege. Manche Richter verlangen, dass mindestens eine Bewerbung pro Kalendertag abgeschickt und im Notfall auch eine Tätigkeit angenommen wird, für die die Bewerberin überqualifiziert ist.

Von dieser Arbeitspflicht ist befreit, wer berufsunfähig ist oder trotz aller Mühen keine Stelle findet; aber auch für Eltern, die kleine Kinder betreuen, und Menschen, die schon älter sind, gelten Ausnahmen.

Schon vor Erreichen des Rentenalters kann eine Arbeit aus alters- und gesundheitsbedingten Gründen unzumutbar sein. Aber auch wer etwa Mitte 50 ist und sich viele Jahre lang ausschließlich um Familie und Haushalt gekümmert hat, muss sich unter Umständen eine Stelle suchen. Bei der Entscheidung, ob jemandem der Schritt zurück ins Berufsleben zuzumuten ist, spielt auch die Dauer der Ehe eine Rolle. Die Meinungen der einzelnen Gerichte in Deutschland unterscheiden sich in dieser Frage aber erheblich.

Auch wer Kinder aus der geschiedenen Ehe zuhause betreuen will, muss nicht arbeiten gehen, sondern kann vom Ex Betreuungsunterhalt verlangen. Seit der Reform des Unterhaltsrechts zum 1. Januar 2008 muss der Elternteil, der sich um das Kind kümmert, aber nach dessen dritten Geburtstag wieder eine Teilzeitstelle annehmen; nach Abschluss der Grundschule ist ihm auch eine Vollzeit-Arbeit zumutbar.

Je nach Einzelfall können die Richter aber auch ganz anders entscheiden. "Beim Betreuungsunterhalt geht es im Kern um das Kindeswohl. Wenn ein Kind intensiver betreut werden muss, besteht unter Umständen der Unterhaltsanspruch länger", erklärt Ganteführer-Verstege.

Wer eigentlich arbeiten müsste, sich aber nicht ausreichend um eine Stelle bemüht, dem rechnen die Richter ein fiktives Einkommen an. Entsprechend geringer fällt dann der Unterhaltsanspruch aus.

5. Was passiert, wenn das Einkommen nicht für alle Unterhaltsforderungen reicht?

Wer Unterhalt zahlt, muss nur so viel abgeben, dass ihm selbst noch genug zum Leben bleibt. Dieser so genannte Selbstbehalt beträgt, wenn nur der Ex-Partner Unterhalt verlangt, 1000 Euro. Muss ein Vater oder eine Mutter Unterhalt für minderjährige Kinder zahlen, ist sein Selbstbehalt geringer: 900 Euro, wenn er erwerbstätig ist, 770 Euro, wenn er nicht arbeitet.

Das Geld, das nach dem Abzug des Selbstbehalts übrig bleibt, wird nun verteilt. Dabei gilt eine strenge Rangfolge: Zuerst wird der Unterhalt gezahlt für alle minderjährigen Kinder sowie für volljährige Kinder, die noch zur Schule gehen, auch für nicht eheliche Kinder aus früheren Beziehungen. Wenn danach noch genug Geld übrig ist, kann ein Ex-Partner, der nach der Scheidung kleine Kinder betreut oder der sehr lange mit dem Unterhaltspflichtigen verheiratet war, Ansprüche anmelden. Auf der dritten Stufe stehen Geschiedene, die keine Kinder betreuen oder deren Ehe nur kurz gedauert hat. Danach sind volljährige Kinder dran, vor Enkeln, Eltern und anderen Verwandten. Je höher die Stufe, desto unwahrscheinlicher ist es also, dass man einen Unterhaltsanspruch vollständig durchsetzen kann.

Der Selbstbehalt kann im Einzelfall weiter reduziert werden - zum Beispiel, wenn der Unterhaltspflichtige in die Wohnung seines neuen Partners eingezogen ist und deshalb keine oder nur geringe Mietkosten hat.

6. Wo bekommt man Geld, wenn der Ex nicht zahlt?

Erste Anlaufstelle ist die Unterhaltsvorschusskasse, eine Abteilung des Jugendamts. Für Kinder unter 12 Jahren können alleinerziehende Eltern hier einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Wer nach der Scheidung nicht arbeiten kann, weil er kleine Kinder betreut, berufsunfähig ist oder keine Stelle findet, ist auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen, solange der Ex-Partner nicht zahlt.

Um den Streit um die Höhe des Unterhalts schnell zu klären, empfiehlt Birgit Ganteführer-Verstege: "Wenn man an eine Trennung denkt, sollte man sich alle Informationen über das Einkommen des Partners beschaffen, die man bekommen kann. Lohnbescheinigungen am besten kopieren!" Denn wenn der Ex über seine Vermögensverhältnisse eisern schweigt, muss man auf Auskunft klagen - das allein kann mindestens vier bis sechs Monate dauern. Erst danach kann die eigentliche Verhandlung über die Höhe des Unterhalts beginnen.

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