Mediation - das hat es gebracht

Vor fünf Jahren trennte sich Monika von Bernd, wütend und verletzt. In einer Mediation lernten beide, sich zusammenzuraufen - der Kinder wegen. Doch es bleibt ein Balanceakt.

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Bis vier Uhr morgens war ich auf", verkündet die zehnjährige Anna. "Und ich bin auf einer Bank eingeschlafen, Papa hat mich mit seinem Pulli zugedeckt!", kräht ihre achtjährige Schwester Lisa. Die Mädchen kommen vom Wochenende beim Papa zurück. Übernächtigt und sehr vergnügt.

Monika spürt die alte Wut über ihren Ex-Mann in sich hochsteigen: "Total unverantwortlich, so kleine Kinder zu einem Rockkonzert mitzuschleifen." Vor kurzem hätte sie umgehend zum Telefon gegriffen und ihrem Ärger Luft gemacht. Bernd und sie hätten gestritten, die Mädchen hätten traurig geguckt, vielleicht sogar geweint. Aber Monika sagt nur ganz ruhig: "Ihr müsst ja todmüde sein, bitte geht heute ganz früh zu Bett."

So souverän reagieren zu können - das musste Monika mühsam lernen. Fünf Jahre ist es her, dass ihre Ehe zerbrach. Monika erinnert sich noch genau an jene Nacht, als sie aufgegeben hatte. Sie lief nicht, wie so oft in den Monaten zuvor, bei jedem Motorengeräusch zum Fenster. Sondern saß in der Küche, wartete und legte sich die Sätze zurecht, die sie zu Bernd sagen würde, wenn er endlich käme. Dann kam er. Und sie sagte: "Ich will, dass wir uns trennen. Mir reicht's. Und für die Kinder ist ein klarer Schnitt besser als die ständige Streiterei."

Monika hatte genug von Bernds heimlichen Liebschaften, den Ausreden, den heftigen Wortwechseln. Bernd fing an zu toben, bestritt alles, behauptete, er sei mit Kollegen in der Kneipe versackt. Heute räumt er ohne Zögern ein: "Ich hab Monika damals angelogen, das stimmt schon. Ich war schwer verliebt - und unsere Ehe am Ende."

Am nächsten Morgen zog Monika mit den Kindern aus dem gemeinsamen Einfamilienhaus aus, zu ihrer Schwester in Tübingen. Die dreijährige Lisa nahm den Umzug hin wie eine aufregende Urlaubsreise. Der fünfjährigen Anna erklärte Monika klipp und klar, dass sie nicht mehr zu Papa zurückkehren würden. Sagte, dass Mami und Papi sich zwar immer noch mögen, aber mehr Zeit für sich allein haben wollten: "Das ganze Programm eben." Sie kaufte das Bilderbuch "Papa wohnt jetzt in der Heinrichstraße", das Standardwerk zum Trösten für Kinder, deren Eltern sich trennen.

Bernd meldete sich nicht. Anna litt. Sie wollte nach Hause, hatte Angst, den Papa nie wieder zu sehen. Im Kindergarten hatte sie eine Freundin, die bei ihrem Vater lebte; die Mutter war nach Australien ausgewandert. Eines Abends lag Anna im Bett und weinte und fragte: "Geht der Papa jetzt auch nach Australien?" Monika verneinte, nahm das Kind in die Arme. Und rief, sobald Anna schlief, schweren Herzens Bernd auf dem Handy an. Er klang abweisend, im Hintergrund hörte sie Lachen und Stimmengewirr. "Ich will nicht über uns sprechen", sagte sie so kühl wie möglich, "es geht mir nur um die Kinder. Bitte melde dich morgen bei Anna - und mach ihr verdammt noch mal klar, dass du nicht für immer aus ihrem Leben verschwindest!"

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  • Text: Nina Poelchau
    Ein Artikel aus der BRIGITTE
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