Unterhalt: Die wichtigsten Fragen und Antworten

  Unterhalt

Wie viel steht Ihnen zu? Wann müssen Sie wieder arbeiten gehen? Die wichtigsten Informationen zum Unterhaltsrecht.

1. Unter welchen Voraussetzungen bekommt man nach der Scheidung Unterhalt?

Laut Gesetz besteht ein Anspruch auf Unterhalt, wenn einer der Ex-Ehegatten nach der Scheidung den Lebensstandard, den er während der Ehe geführt hat, nicht aufrechterhalten kann. Das ist der Fall, wenn er nicht arbeiten kann, weil er Kinder betreut, krank ist oder keine Stelle findet; aber auch, wenn er zwar einen Job hat, aber sehr viel weniger verdient, als er während der Ehe zur Verfügung hatte. In diesem Fall besteht ein Anspruch auf Aufstockungsunterhalt.

Gesetz und Richter legen heute jedoch erheblich härte Maßstäbe an als früher. "Keinesfalls ist eine Ehe eine lebenslange Garantie auf einen bestimmten Status", sagt Rechtsanwältin Birgit Ganteführer-Verstege. Schon nach einer kurzen Übergangszeit müssen die Ehegatten in der Regel selbst zurechtkommen - und damit rechnen, dass sie auf den Lebensstandard zurückfallen, den sie vor der Hochzeit hatten.

Bei der Frage, ob ein Ex-Partner bedürftig und damit unterhaltsberechtigt ist, kommt es auf den Augenblick der Scheidung an.

2. Wie wird der Unterhalt nach der Scheidung berechnet?

Prinzipiell wird die Differenz zwischen den Einkommen beider Partner ermittelt. Von diesem Betrag bekommt derjenige mit dem geringeren Einkommen drei Siebtel, der andere darf vier Siebtel behalten. Beispiel: Er verdient 2100 Euro, sie 1400 Euro. Er muss ihr dann jeden Monat 300 Euro abgeben, sofern die Richter ihr einen Unterhaltsanspruch zusprechen.

Bei der Berechnung, wie hoch der Unterhalt ausfällt, wird jedoch nicht das Brutto- oder Nettoeinkommen zugrunde gelegt, sondern das unterhaltsrelevante Einkommen. Dazu zählt neben dem Nettogehalt auch der Wohnwert einer eigenen Immobilie. Schulden, Unterhaltsansprüche minderjähriger Kinder und einige berufsbedingte Aufwendungen wie z.B. Fahrtkosten zum Arbeitsplatz werden bei der Berechnung abgezogen, um das unterhaltsrelevante Einkommen zu erhalten.

3. Wie viel Unterhalt bekommen die Kinder?

Wie hoch der Anspruch eines Kindes ist, richtet sich nach dem Einkommen des Elternteils, der Unterhalt zahlen soll, und dem Alter des Kindes. Die meisten Gerichte nutzen bei der Berechnung des Kindesunterhalts die Düsseldorfer Tabelle. Der Mindestbetrag für ein Kind unter fünf Jahren liegt demnach bei 279 Euro im Monat. Wer mehr als 4700 Euro verdient, schuldet seinem 18-jährigen Kind monatlich 653 Euro Unterhalt. Nach oben hin ist die Düsseldorfer Tabelle offen: Verdient ein Elternteil mehr als 5100 Euro, entscheiden die Richter individuell über die Höhe des Kindesunterhalts.

Der Düsseldorfer Tabelle liegt die Annahme zugrunde, dass die Eltern die Betreuung des Kindes so organisieren, dass es bei einem Elternteil wohnt und den anderen an zwei Wochenenden im Monat besucht. Verbringt das Kind gleich viel Zeit bei beiden Elternteilen, kann das Gericht andere Sätze beschließen. Wenn einmalig hohe Kosten entstehen (z.B. eine Klassenfahrt ins Ausland), kann der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, einen Teil davon als Sonderbedarf vom anderen verlangen.

4. Wann muss man wieder arbeiten gehen?

Grundsätzlich muss jeder nach der Scheidung seinen Lebensunterhalt soweit möglich selbst verdienen. Dabei muten die Richter frisch geschiedenen Frauen heute erheblich größere Anstrengungen zu als früher. "Nur wer sich ausreichend um eine Arbeitsstelle bemüht, behält seinen Anspruch auf Unterhalt", sagt Anwältin Birgit Ganteführer-Verstege. Manche Richter verlangen, dass mindestens eine Bewerbung pro Kalendertag abgeschickt und im Notfall auch eine Tätigkeit angenommen wird, für die die Bewerberin überqualifiziert ist.

Von dieser Arbeitspflicht ist befreit, wer berufsunfähig ist oder trotz aller Mühen keine Stelle findet; aber auch für Eltern, die kleine Kinder betreuen, und Menschen, die schon älter sind, gelten Ausnahmen.

Schon vor Erreichen des Rentenalters kann eine Arbeit aus alters- und gesundheitsbedingten Gründen unzumutbar sein. Aber auch wer etwa Mitte 50 ist und sich viele Jahre lang ausschließlich um Familie und Haushalt gekümmert hat, muss sich unter Umständen eine Stelle suchen. Bei der Entscheidung, ob jemandem der Schritt zurück ins Berufsleben zuzumuten ist, spielt auch die Dauer der Ehe eine Rolle. Die Meinungen der einzelnen Gerichte in Deutschland unterscheiden sich in dieser Frage aber erheblich.

Auch wer Kinder aus der geschiedenen Ehe zuhause betreuen will, muss nicht arbeiten gehen, sondern kann vom Ex Betreuungsunterhalt verlangen. Seit der Reform des Unterhaltsrechts zum 1. Januar 2008 muss der Elternteil, der sich um das Kind kümmert, aber nach dessen dritten Geburtstag wieder eine Teilzeitstelle annehmen; nach Abschluss der Grundschule ist ihm auch eine Vollzeit-Arbeit zumutbar.

Je nach Einzelfall können die Richter aber auch ganz anders entscheiden. "Beim Betreuungsunterhalt geht es im Kern um das Kindeswohl. Wenn ein Kind intensiver betreut werden muss, besteht unter Umständen der Unterhaltsanspruch länger", erklärt Ganteführer-Verstege.

Wer eigentlich arbeiten müsste, sich aber nicht ausreichend um eine Stelle bemüht, dem rechnen die Richter ein fiktives Einkommen an. Entsprechend geringer fällt dann der Unterhaltsanspruch aus.

5. Was passiert, wenn das Einkommen nicht für alle Unterhaltsforderungen reicht?

Wer Unterhalt zahlt, muss nur so viel abgeben, dass ihm selbst noch genug zum Leben bleibt. Dieser so genannte Selbstbehalt beträgt, wenn nur der Ex-Partner Unterhalt verlangt, 1000 Euro. Muss ein Vater oder eine Mutter Unterhalt für minderjährige Kinder zahlen, ist sein Selbstbehalt geringer: 900 Euro, wenn er erwerbstätig ist, 770 Euro, wenn er nicht arbeitet.

Das Geld, das nach dem Abzug des Selbstbehalts übrig bleibt, wird nun verteilt. Dabei gilt eine strenge Rangfolge: Zuerst wird der Unterhalt gezahlt für alle minderjährigen Kinder sowie für volljährige Kinder, die noch zur Schule gehen, auch für nicht eheliche Kinder aus früheren Beziehungen. Wenn danach noch genug Geld übrig ist, kann ein Ex-Partner, der nach der Scheidung kleine Kinder betreut oder der sehr lange mit dem Unterhaltspflichtigen verheiratet war, Ansprüche anmelden. Auf der dritten Stufe stehen Geschiedene, die keine Kinder betreuen oder deren Ehe nur kurz gedauert hat. Danach sind volljährige Kinder dran, vor Enkeln, Eltern und anderen Verwandten. Je höher die Stufe, desto unwahrscheinlicher ist es also, dass man einen Unterhaltsanspruch vollständig durchsetzen kann.

Der Selbstbehalt kann im Einzelfall weiter reduziert werden - zum Beispiel, wenn der Unterhaltspflichtige in die Wohnung seines neuen Partners eingezogen ist und deshalb keine oder nur geringe Mietkosten hat.

6. Wo bekommt man Geld, wenn der Ex nicht zahlt?

Erste Anlaufstelle ist die Unterhaltsvorschusskasse, eine Abteilung des Jugendamts. Für Kinder unter 12 Jahren können alleinerziehende Eltern hier einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Wer nach der Scheidung nicht arbeiten kann, weil er kleine Kinder betreut, berufsunfähig ist oder keine Stelle findet, ist auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angewiesen, solange der Ex-Partner nicht zahlt.

Um den Streit um die Höhe des Unterhalts schnell zu klären, empfiehlt Birgit Ganteführer-Verstege: "Wenn man an eine Trennung denkt, sollte man sich alle Informationen über das Einkommen des Partners beschaffen, die man bekommen kann. Lohnbescheinigungen am besten kopieren!" Denn wenn der Ex über seine Vermögensverhältnisse eisern schweigt, muss man auf Auskunft klagen - das allein kann mindestens vier bis sechs Monate dauern. Erst danach kann die eigentliche Verhandlung über die Höhe des Unterhalts beginnen.

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Userinnen, liebe User,



    leider übersteigt es die Kapazitäten der Redaktion Ihnen an dieser Stelle individuelle Beratung zu geben. Wir können Ihnen nur empfehlen, einmal in unserer Community vorbeizusehen - dort gibt es viele ausführliche Diskussions- und Informationsstränge rund um das Thema "Trennung und Scheidung":



    http://bfriends.brigitte.de/foren/trennung-und-scheidung/



    Wenn Sie Ihre Fragen dort stellen, weiß vielleicht ein anderes Community-Mitglied Rat.



    Gruß und alles Gute



    das BRIGITTE.de-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo,ich möchte mal Nachfragen wie es aussieht bei einer Scheidung. 50%Berufsunfallrente 60% Schwerbehindertenausweis.gehe ab und an Arbeiten auf 400Euro Basis soweit es meine Gesundheit zu lässt. Bin auch bei einen Psychologen in Behandlung.Manich-Deppressiv zur Zeit verletze ich liebenswerte Menschen und meinen Ehemann.Der sich jetzt trennen möchte und mir sagte das ich für mein Lebensunterhalt selbst sorgen müßte da ich ab und an..soweit es meine Gesundheit zulässt Arbeiten gehe aber selbst um mal was anderes zu sehen.Meistens spielt mir meine Gesundheit einen Streich und kündige dann wieder.Wollte nur zum Lebensunterhalt beitragen damit wir in unserem Haus voran kommen mit den Umbauen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Eine Frage:

    Mein Freund ist 6 Jahre verheiratet, seit einem Jahr getrennt, hat nun die Scheidung eingereicht. Keine Kinder. Sie hat während der Ehe ein Gewerbe angemeldet und ab und an etwas verdient.

    Sie wohnt in seinem Haus, kostenlos. Er wohnt in einer Mietwohnung. Nun will sie Unterhalt. Macht keine Anstalten, sich eine Stelle zu suchen.



    Wieviel und wie lange muß er ihr Unterhalt zahlen ? Sein Netto-verdienst EUR 2.200,--.



    Diese Dame lebte und lebt auf seine Kosten.



    Danke für eine Antwort.

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