Erektionsstörungen: "Da war nur noch die Angst, ob es klappt oder nicht"

Jahrelang litt Werner Zaefferer unter Erektionsstörungen - und mit ihm seine Frau. Mit BRIGITTE sprachen die beiden über Wut, Hoffnungslosigkeit und den langen Weg aus der schwersten Krise ihrer Ehe.

BRIGITTE: Manche Männer wachen nach einer Prostata-Operation auf, und nichts geht mehr. Wie war das bei Ihnen, Herr Zaefferer?

Werner Zaefferer: Meine Erektionsstörung hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Es begann vor zwölf Jahren mit einem Zustand, den ich zunächst einmal nicht richtig einordnen konnte. Es waren Depressionen. Später kamen dann die Potenzprobleme hinzu.

BRIGITTE: Haben Sie mit Ihrer Frau über Ihre Nöte geredet?

Er: Nein. Weder über die Depression noch über die Erektionsprobleme. Das hat ein paar Jahre gedauert.

BRIGITTE: Aber Ihrer Frau kann das doch kaum entgangen sein.

Sie: Ich wusste nur sehr wenig.

Er: Wir haben die Dinge nicht beim Namen genannt. Das mussten wir erst lernen. Die Depression begann 1997, im Frühjahr 2000 bin ich dann zum Arzt gegangen. Über die Erektionsprobleme habe ich erst viel später gesprochen.

Sie: Dabei kann man das nicht trennen. Wenn er depressiv war, ging gar nichts. Waren die Depressionen mal ein bisschen besser, und es klappte trotzdem nicht im Bett, dann wurden sie wieder schlimmer. Und selbst wenn es gutging, hatte ich ständig Angst, es könnte wieder nicht klappen. Weil er dann wieder depressiv wurde.

Er: Und ich hatte immer Angst, dass er wieder nicht stehen bleibt. Durch den Erwartungsdruck und die Versagensangst ging dann oft gar nichts mehr.

Sie: Das wurde immer dramatischer.

Wir mussten erst lernen, die Dinge beim Namen zu nennen

BRIGITTE: Inwiefern dramatisch?

Er: Ich hatte immer häufiger Selbstmordgedanken.

Sie: Und da ist er dann zu unserem Hausarzt gegangen. Der hat ihm Antidepressiva verschrieben.

Er: Mit den Medikamenten bin ich aber nicht gleich klargekommen. Durch das eine hat sich mein Blutbild verändert. Im Beipackzettel eines anderen las ich, dass es zu sexuellen Funktionsstörungen führen kann. Die hatte ich ja schon. Also habe ich es nicht genommen. Dadurch wurde alles wieder schlimmer. Schließlich nahm ich ein anderes Medikament und wurde fachärztlich und psychotherapeutisch betreut.

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  • Interview: Nataly Bleuel
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