Erektionsstörungen: "Da war nur noch die Angst, ob es klappt oder nicht"
„Ich war mir immer sicher, dass meine Frau zu keinem anderen Mann geht“
BRIGITTE: Haben Sie in der schwierigen Zeit darüber nachgedacht, dass Ihre Frau zu einem anderen Mann gehen könnte?
Er: Ich hätte das nicht ausgehalten. Dann sieht sie ja, wie wunderbar das mit dem klappt - und was für ein Schlappschwanz ich bin. Aber ich war mir immer sicher, dass sie das nicht tun würde.
BRIGITTE: Das Thema Sex hat viel Gewicht in Ihrer Beziehung. Hängt es Ihnen manchmal zum Hals raus?
Sie: Mir schon!
Er: Mir nicht! Meine Sexualität ist mir weiterhin sehr wichtig und eine Bereicherung meines Lebens und unserer Beziehung. Ich setze mich auch fachlich mit dem Thema auseinander, denn seit vier Jahren arbeite ich in einer Selbsthilfegruppe mit. Da versuchen wir, Männern mit Erektionsstörungen zu helfen, indem wir uns austauschen - per Mail, Telefon oder auch vor Ort. Ich leite die Gruppe in Köln, es gibt sie allerdings auch in anderen Städten. Und so können die Männer lernen, über ihre Probleme zu sprechen - untereinander, mit dem Arzt und vor allem auch mit ihrer Partnerin.
BRIGITTE: Welche Männer kommen denn in die Selbsthilfegruppe?
Er: Die meisten sind über 50, und bei ihnen überwiegen die organischen Ursachen der Störungen, also etwa Diabetes, Herzerkrankungen oder Prostata-Operationen. Es kommen aber auch jüngere Männer zu uns, die Probleme mit der Erektion haben. Und es schreiben uns auch viele Frauen.
BRIGITTE: Was erhoffen sich die Frauen?
Er: Sie wollen wissen, wie sie mit der Erektionsstörung ihrer Männer umgehen können. Darunter leiden sie nämlich häufig gar nicht so sehr - sondern unter der Tatsache, dass die Männer darüber nicht reden und sich immer mehr zurückziehen. Da finden oft nicht mal mehr Zärtlichkeiten statt.
BRIGITTE: Was empfehlen Sie Hilfe suchenden Männern und Frauen?
Er: Vor allem: reden! Dann Therapeuten oder Ärzte. Und wir in der Gruppe er- klären, was man alles machen kann, von Viagra bis zur Penispumpe. Nach Prostata- Operationen sind oft die Nerven durchtrennt, so dass Viagra nicht wirken kann. Es gibt aber weitere Mittel und Methoden, die auch bei organisch bedingten Erektionsstörungen helfen. Aber wenn er nicht steht, legt sich das immer auf die Seele. Und der kann man nur helfen, indem man miteinander redet. In manchen Fällen wird auch professionelle Unterstützung nötig sein, die dem Mann und auch seiner Partnerin weiterhilft.
Sie: Man kann die gemeinsame Angst vor dem Versagen durch Reden verringern. Durch die Beschäftigung mit dem Thema Sex und Impotenz haben wir uns beide sehr verändert. Er ist offener geworden. Und ich tue mir öfter mal was Gutes. Aber wir haben auch andere Fundamente unserer Ehe ausgebaut. Wir bewegen uns deutlich mehr als früher, wir wandern. Und wir gehen gemeinsam tanzen. Das haben wir unseren Ängsten und unseren Unzulänglichkeiten zu verdanken.
Werner Zaefferer, 56, ist Hauptschullehrer im Ruhestand und leitet den Kölner Teil der Selbsthilfegruppe "Erektile Dysfunktion" (www.impotenz-selbsthilfe.de). Als Anlaufstelle für Betroffene empfiehlt er außerdem das Freiburger Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG, www.isg-info.de).
In der BRIGITTE Heft 24 haben wir auf eine sechstägige Therapie im Repotenz-Zentrum der Heinrich- Mann-Klinik in Bad Liebenstein hingewiesen. Leider wird diese Therapie in diesem Jahr und voraussichtlich auch im nächsten Jahr nicht angeboten.













